Stand: 13.01.2020 11:20 Uhr  - NDR Info

Gutes Geschäft mit jungen Influencerinnen

von Merlin van Rissenbeck

Es gibt kaum ein Produkt, das nicht von Influencern beworben wird. Interessant sind für die werbenden Firmen nicht nur die großen Namen wie Bibi oder Caro Dauer, schon Influencer mit 20.000 Followern bekommen Werbeaufträge, denn sie gelten in ihrer Zielgruppe als besonders glaubwürdig.

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Im gleichen Alter auf Augenhöhe - Emilia ist als Influencerin für einige Unternehmen attraktiv.

"Ich bin jetzt wieder zurück aus der Schule und bei mir ist eben ein Paket von Popsocket angekommen. Das hier finde ich besonders cool. Und zwar ist es ein Popwallet. Da könnt ihr Karten reinstecken und oben drauf ist so ein Popsocket. Also super cool!" So hört sich Influencer-Werbung an. Emilia ist erst 13 Jahre alt, aber ihre über 70.000 Followerinnen und Follower machen sie äußerst attraktiv für Unternehmen, selbst wenn nicht klar ist, hinter wie vielen Accounts womöglich keine echten Personen stecken. Die Marktforschung unterscheidet dabei zwischen verschiedenen Influencer-Kategorien: Im Bereich von 30.000 bis 500.000 Followern ist von Medi- oder Power-Influencerinnen die Rede. Von ihnen lassen Firmen gerne Produkte bewerben, die zur jeweiligen Zielgruppe passen. Gerade viele Jugendliche haben sich an Werbung auf Instagram gewöhnt, zum Teil ist sie sogar sehr willkommen.

Drei Nagellack-Fläschchen in den Farben Rot, Pink und Mint stehen auf einem Tisch. © picture alliance / dpa Themendienst

Werbung mit jungen Influencerinnen

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Firmen gehen auf potentielle Influencer zu

Auf die 13-jährige Coco sind die ersten Firmen zugekommen, als sie 10.000 Followerinnen und Follower hatte. Mittlerweile sind es über 130.000, Tendenz weiter steigend. Ihre Beiträge sind professioneller geworden und enthalten immer häufiger auch Werbung. Meist läuft es so ab, dass die Unternehmen Coco und ihre Mutter per E-Mail anschreiben und eine Werbekooperation vorschlagen. "Entweder suchen sie Sachen für mich aus und schreiben mir, dass sie mir gerne ein Paket zuschicken würden und dass ich dann eine Story auf Instagram machen soll. Oder ich bekomme einen Gutschein und darf mir Sachen aussuchen, die mir zugesendet werden", sagt Coco.

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Belohnung: Produkte, Gutscheine oder Geld aufs Sparkonto

Die Entlohnung ist unterschiedlich. Manchmal sind es Gutscheine für Kleidung oder andere Produkte, oft aber auch Geld. Cocos Eltern haben dafür ein extra Konto für sie eröffnet. Davon, so ihre Mutter, könne sie sich mal den Führerschein oder das erste Auto kaufen. Wahrscheinlich eher beides. Genaue Summen wollten die Mädchen und ihre Mütter nicht nennen. Sie können auch stark variieren. Aber eine Formel lautet: Fünf bis zehn Euro pro 1.000 Follower. Bei 70.000 Followern wären das zwischen 350 und 700 Euro für einen Beitrag, der Werbung enthält.

Unternehmen achten auch auf Interaktionen

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Soziale Netzwerke als Werbeplattform sind für Unternehmen sehr wichtige geworden.

Aber die Erkenntnis, dass nicht hinter jedem Follower auch ein realer Teenie und damit ein potenzieller Kunde steckt, hat auch Unternehmen aufgerüttelt. Zunehmend interessant wird für Unternehmen zum Beispiel die Engagement-Rate. Dabei geht es um die Anzahl an Interaktionen im Verhältnis zur Abonnentenzahl. Mit bestimmten Aktionen können Firmen die Wirkung ihres Influencer-Marketings direkt nachvollziehen. "Ich habe jetzt noch einen Rabattcode für euch und zwar könnt ihr mit dem Code 'Emiliayoutube20' 20 Prozent auf eure Bestellung sparen. Ich finde, dass eignet sich auch perfekt als Weihnachtsgeschenk für eine Freundin oder eure Mama", verkündet Coco in ihrem Video.

Influencer: Glaubwürdigkeit als Währung

Neben Reichweite und Relevanz ist Glaubwürdigkeit die entscheidende Währung für Influencer. Und um "authentisch" zu bleiben, gilt es gewisse Punkte zu beachten, so die Medienwissenschaftlerin Martina Schuegraf: "Influencer*innen sollten nur Produkte zeigen, von denen sie zu 100 Prozent überzeugt sind. Der Influencer oder die Influencerin sollten zum Produkt passen. Die Überzeugung muss spürbar sein und nicht im Vordergrund das Geldverdienen stehen."

Coco zum Beispiel versucht deshalb, nicht täglich Werbung zu machen. Manchmal gebe es auch eine Woche, in der sie kein Produkt bewirbt. Die Werbung muss gekennzeichnet werden, trotzdem sind die Übergänge zwischen neutralen Beiträgen und Werbung manchmal nicht leicht auseinanderzuhalten. Generell gilt: Um für die Community präsent und für die Algorithmen relevant zu bleiben, müssen die Influencerinnen regelmäßig etwas Neues posten. Nur so können sie überhaupt weitere Werbe-Kooperationen erwarten.

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NDR Info | Kultur | 14.01.2020 | 06:55 Uhr

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