Stand: 02.10.2019 16:55 Uhr

Begeisterung für Edgar Allan Poe auf der Reeperbahn

von Daniel Kaiser

Das Imperial Theater auf St. Pauli hat den "Untergang des Hauses Usher" auf die Bühne gebracht. Das Premierenpublikum hat die effektreiche Inszenierung des Kulttextes von Edgar Allan Poe mit Jubel und langem Applaus gefeiert.

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Patrick Michel (li.) spielt Edward Foster, der seine Verlobte aus dem verfluchten Haus befreien will. Ulrich Schaller spielt ihren Bruder Roderick Usher.

Steine fallen aus der Mauer, Gräber springen auf, Ritterrüstungen krachen von der Wand - keine Frage, bei Familie Usher spukt es. Ein dunkler Fluch liegt auf der Sippe. Und wenn es im Imperial Theater plötzlich kracht, blitzt und scheppert, ist es ein bisschen wie in der Geisterbahn auf dem Hamburger Dom nebenan. Man hört im Publikum Kieksen und Kreischen. Zuschauerinnen und Zuschauer verschütten vor Schreck ihren Sekt, denn in diesen Theatersaal darf man auch Getränke mitnehmen.

"Der Untergang des Hauses Usher": liebenswert und düster

Patrick Michel spielt Edward Foster, der seine Verlobte aus dem verfluchten Haus in Neuengland befreien will, naiv und liebenswert. Ganz anders Ulrich Schaller als düsterer, dramatischer Bruder Roderick Usher, dem der Fluch fast gollumhaft ins Gesicht gezeichnet ist. Jessica Neumann gibt die Schwester Madeline Usher, die mal mit Edward durchbrennen möchte und mal - von Todesgeistern verfolgt - schlafwandelt, ansprechend durchgeknallt. Dieter Schmitt als Hausdiener Perkins hat angesichts des drohenden Schicksalsschlages schon längst resigniert. 

Imperial Theater: Hier schneidert der Chef selbst

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Jessica Neumann spielt Madeline Usher. Ihre Kleider wurden von Theaterchef Frank Thannhäuser geschneidert.

Ein Highlight sind in diesem Theater, das vor seiner Gründung vor 25 Jahren mal ein Pornokino war, immer wieder die Kostüme, die Theaterchef Frank Thannhäuser, der auch selbst an der Kasse sitzt, eigenhändig schneidert - zum Beispiel Edwards blauen Frack oder Madelines opulente Kleider (gegen Ende des Stücks auch mal blutverschmiert), die sich öfter umzieht als Lady Gaga während einer Bühnenshow. Thannhäuser ist mit seiner Regie ein sympathischer Abend zum Gruseln und zum Kichern gelungen - typisch Imperial Theater eben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 02.10.2019 | 19:00 Uhr