Stand: 13.01.2018 00:01 Uhr

Stuck-Fund in Husum: Wie Phönix aus der Asche

von Cassandra Arden

Das alte Herrenhaus von 1580 am Husumer Marktplatz ist aus vielen Gründen ein besonderes: Es hat eine Mauer, die älter ist als die Stadt selbst. Experten stellten fest, dass sie mehr als 700 Jahre alt sein soll. Außerdem hat dieses Haus eine Stuckdecke, die Augusta von Dänemark - Herzogin von Schleswig Holstein-Gottdorf und Tochter des Dänischen Königs - dort 1625 anbringen ließ. Fast 400 Jahre später erstrahlt diese Decke in neuem Glanz. Rekonstruktion eines Sensationsfunds.

400 Jahre alt: Augusta von Dänemarks Stuckdecke

Vor sechs Jahren entdeckt

Erst vor sechs Jahren wurde sie wiederentdeckt und für einen sechsstelligen Betrag vom Landesamt für Denkmalpflege aufwendig restauriert. Als Bernd Biermann 2013 das alte Herrenhaus am Husumer Markt gekauft hatte, waren seine Pläne mit diesem Haus gewöhnliche: "Der Plan war: Altersvorsorge und Vermietung. Dann habe ich den Fehler gemacht, dass ich die Deckenverkleidung abgerissen habe."

Was unter der abgehängten Decke zum Vorschein kam, erschreckte den Hausherren zunächst: "Das sah erst einmal aus wie so ein Schwamm. Ich hab gedacht, da wartet auf dich viel Arbeit, aber als das dritte Brett weg war, sah man, dass es durchaus Konturen hatte, die nicht Pilze waren." Er hatte etwas sehr Altes und Wertvolles gefunden. Die Denkmalschützer kamen direkt am nächsten Tag. Die prächtige Decke auf rund 28 Quadratmetern wurde Stück für Stück von verschiedenen Farbschichten befreit und fünf Jahre lang aufwendig von Experten restauriert.

Raum soll für Besucher zugänglich sein

Was herauskam, lässt Besucher staunen. Dass es Besucher gibt, war Biermann wichtig - der Raum sollte der Öffentlichkeit zugänglich sein. So steht Siegrid Stegemann jeden Tag in einem kleinen Museum. Sie wohnt natürlich nicht dort - das wäre wegen der Decke und den Auflagen zu kompliziert. Stegemann verkauft in der ersten Etage Souvenirs, Handwerk aus der Region und moderne Kunst - unter der Decke von Herzogin Augusta von Dänemark.

So können die staunenden Besucher Postkarten durchstöbern, während über ihnen Trauben von der Decke hängen und ein Phönix aus der Asche steigt. Die Symbole, die an der Decke thronen, sind ein Interpretationseldorado für Kunsthistoriker. Einig sind sie sich darin, dass die Motive viel über Augusta von Dänemark verraten.

Historiker vermuten pikante Details über den Phönix

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Bernd Biermann - hier im Gespräch mit Siegrid Stegemann - betreibt direkt neben dem Herrenhaus einen Kiosk.

So ist überliefert, dass an dem Schnabel des Phönix' an der Decke ab und zu eine Möwe aus Pappmaché hing. Ein sehr persönlicher und spezieller Hinweis, weiß Stegemann zu erklären: "Es gibt in Amerika einen Professor, der sagt, es gibt ein Gedicht von Shakespeare, das 'The Phoenix And The Turtle' heißt. In dem Fall heißt Turtle Turteltaube. Man vermutet dass es eine Art Geheimsprache war. Wenn diese Turteltaube an dem Schnabel hing, war so eine Art 'Stelldichein' mit dem Liebhaber der Herzogin, die Witwe war und hier ihren Sitz hatte."

"Haus ist mittlerweile eine Herzensangelegenheit"

Oft kommen Leute herein, die von Bernd Biermann hochgeschickt wurden. Der wiederum betreibt nämlich einen kleinen Kiosk im alten Heizungsraum direkt neben dem Eingang zum Herrenhaus. Für ihn kam alles anders als geplant. Irgendwie viel besser, grinst er: "Das Haus bedeutet mir jetzt viel mehr als vorher. Es war doch eher eine Investition und ist mittlerweile eine Herzensangelegenheit." Es kämen nun Menschen nach Husum, die vorher nie angereist wären. Ein Besucher habe etwa von dessen Biografie über Augustas Bruder erzählt. "So sind viele interessante Menschen in mein Leben getreten. Das macht so ein Haus natürlich sehr lebendig."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 13.01.2018 | 14:20 Uhr

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