Stand: 21.06.2020 11:51 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Helga Schubert gewinnt renommierten Bachmannpreis

Helga Schubert hat mit 80 Jahren den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen.

Die Schriftstellerin Helga Schubert aus Neu Meteln bei Schwerin hat den renommierten Bachmannpreis gewonnen. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung gilt als einer der wichtigsten Preise für deutschsprachige Literatur. Schubert setzte sich mit einem Text über eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung gegen 13 andere Kandidatinnen und Kandidaten durch. Der Triumph kam 40 Jahre nach ihrer ersten Einladung zur Teilnahme. 1980 bekam sie von den Kulturbehörden jedoch keine Genehmigung, um aus der DDR ausreisen zu dürfen. Von 1987 bis 1990 war sie schließlich Mitglied der Jury.

Text mit Empathie und Wärme

"Ich bin unglaublich glücklich", sagte die 80-Jährige, die live zur Preisverleihung im österreichischen Fernsehen zugeschaltet war. Schuberts Text "Vom Aufstehen" berührte die Jury. Sie schreibt darin über die Lebenserfahrungen einer Tochter mit ihrer vom Weltkrieg geprägten Mutter. Sie selbst wurde 1940 geboren, der Vater starb ein Jahr später als Soldat. Der Jury-Vorsitzende Hubert Winkels sprach nach Schuberts Vortrag von einem berührenden Stoff, der mit Raffinement gewebt sei. Der Text transportiere Empathie und Wärme, sagte Jurorin Insa Wilke. "Ich liebe sie", rief der Schweizer Juror und Schriftsteller Philipp Tingler der per Video zugeschalteten Schubert zu.

Ingeborg-Bachmann-Preis für Helga Schubert

Nordmagazin -

Helga Schubert hat als älteste je eingeladene Teilnehmerin den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Die Jury zeichnete die 80-Jährige für ihre online vorgetragene Erzählung "Vom Aufstehen" aus.

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Gewinner-Text sollte eigentlich "Das 80. Jahr" heißen

Schubert war am Sonntag sichtlich bewegt. Sie hoffe, nicht in Tränen auszubrechen, meinte sie aufgekratzt, bevor sie ein Zitat von Ingeborg Bachmann vorlas. Dann verriet sie verschmitzt, dass ihr Text Bachmann gewidmet war. Sie sei stolz, dass die Jury das nicht bemerkt habe. Der Titel sei eigentlich "Das 80. Jahr" gewesen, angelehnt an Bachmanns Erzählungszyklus "Das dreißigste Jahr". Sie habe sich aber "nicht so an die Jury ranschmeißen" wollen. Deshalb habe sie den letzten Satz aus Bachmanns Buch genommen ("Steh auf, dir ist kein Knochen gebrochen") und daraus den Titel "Vom Aufstehen" gemacht.

In Berlin geboren, nach Nordwestmecklenburg gezogen

Schubert war Diplompsychologin und war gleichzeitig seit 1975 Mitglied im Schriftstellerverband. Sie lebte bis 2008 in Berlin und zog dann mit ihrem Mann, dem Psychologen, Maler und Schriftsteller Johannes Helm, nach Nordwestmecklenburg in das Dorf Neu Meteln. Die Tage der deutschsprachigen Literatur finden sonst in Klagenfurt statt - diesmal jedoch wegen der Corona-Pandemie virtuell im Internet. Die Lesungen der Autoren waren vorher aufgezeichnet, die Jury diskutierte vom Homeoffice aus. Der Bachmannpreis, der an die in Klagenfurt geborene Lyrikerin Ingeborg Bachmann (1926-1973) erinnert, gilt als besonders wichtige Würdigung im deutschsprachigen Literaturbetrieb.

Weitere Informationen

Mit 80 Jahren Preisträgerin des Bachmann-Wettbewerbs

17.06.2020 14:20 Uhr

Die 80-jährige Helga Schubert hat den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. NDR Kultur hat die Preisträgerin vor Bekanntgabe in ihrem Wohnort bei Schwerin besucht. mehr

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Im Interview: Bachmann-Preisträgerin Helga Schubert (Teil 1)

Die Schriftstellerin Helga Schubert war live zur Verleihung des Preises im österreichischen Fernsehen zugeschaltet. Ihr Text überzeugte die Jury. Audio (05:26 min)

03:27

Im Interview: Bachmann-Preisträgerin Helga Schubert (Teil 2)

Schubert erzählt im Interview, dass sie überglücklich sei den Bachmann-Preis bekommen zu haben - für ihre "beste Geschichte", das wisse sie ganz genau. Audio (03:27 min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.06.2020 | 12:00 Uhr

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