Stand: 26.08.2019 17:41 Uhr

Uschi Brüning: Singen, um emotional zu überleben

von Petra Rieß

Uschi Brüning gehört zu den wenigen Musikstars, die über die Grenzen der DDR hinaus bekannt geworden sind. Das liegt nicht nur an ihrer unverwechselbaren Stimme, sondern auch an zwei Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld: ihrem Mann, dem Saxophonisten Ernst-Ludwig Petrowsky, und ihrem engen Freund, dem Schauspieler und Sänger Manfred Krug.

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Uschi Brüning hat Anfang des Jahres ihre Autobiografie "So wie ich" veröffentlicht.

Am 4. März 1947 wurde Uschi Brüning in Leipzig geboren. An ihre Kindheit denkt sie nicht besonders gern: "Bestimmte Dinge vergisst man nicht. Zum Beispiel dass man immer Sehnsucht nach der Mutter hatte, die zwei Kinder großziehen musste und nicht immer bei uns sein konnte. Deshalb hat sie uns ins Heim gegeben. Nicht weil sie uns los sein wollte, sondern um uns von der Straße zu holen."

Uschi Brüning ist im Heim aufgewachsen, katholisch geführt. Kindheit und Jugend erlebte sie in den 1950er-Jahren. Das Singen war für Brüning früh der Weg, emotional zu überleben, sich ausdrücken zu können. Und weil sie in der Schule kein Englisch gelernt hatte, hat sie Lieblingslieder dem Radio abgelauscht und in Fantasielautschrift notiert: "Und so hat man sich 'rübergemauschelt, von Radiosendung zu Radiosendung", erinnert sie sich. "Immer wenn ein Stück kam, das ich singen wollte, habe ich mitgeschrieben. Dann kam die Wiederholung auf einem anderen Sender. So war das am Anfang."

Uschi Brüning © picture alliance/dpa Foto: Jens Kalaene

Zu Besuch bei Uschi Brüning

NDR Kultur - NDR Kultur Wissen -

Uschi Brüning gehört zu den wenigen Musikstars, die über die Grenzen der DDR hinaus bekannt geworden sind. In der Reihe "Grenzenlose Kunst" stellen wir die Sängerin vor.

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Karrierestart als Schlagersängerin

Zuerst kam die Ausbildung zur Gerichtsschreiberin - ein sicherer Brotberuf, aber die Musik war stärker. Sie verließ Leipzig und ging nach Berlin an die Musikschule Friedrichshain. Den Schein, die sogenannte "Pappe" von dort brauchte man, um öffentlich auftreten zu dürfen. Zunächst nicht mit ihrem geliebten Jazz, sondern mit Schlagermusik: "Das hat sich nicht viel geändert", sagt Brüning. "Schlager hatte immer mehr Zuhörer und Zuläufer als Jazz - das war im Westen genauso. Wer Schlager sang, war einem großen Kreis bekannt, und wer etwas anderes machte, der musste sich seinen Hörerkreis oder seinen Fankreis erstmal ersingen oder erspielen. Da musste man genauso im Osten um die Schreibtische schleichen wie im Westen. In dem Geschäft ist alles gleich."

"Das Frauenbild ist nach wie vor umstritten"

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Schauspieler und Sänger Manfred Krug gehörte zu Brünings langjährigen Weggefährten.

Zu ihren langjährigen Weggefährten gehörte Manfred Krug, der 1977 die DDR verließ. Krug hatte die Protestnote gegen die Ausweisung Wolf Biermanns unterschrieben. Brüning ist in der DDR geblieben. Nach der Wende traf sie Krug wieder, nahm Lieder auf und beobachtete Veränderungen im Frauenbild: "Seit die Wende vollzogen wurde, rutschen wir schon wieder ein gutes Stück weit weg von der Emanzipation. Gleich nach der Wende habe ich Post bekommen, da stand dann "Herrn und Frau". Früher stand da nur "Frau", wenn es an mich gerichtet war. Und mit solchen Kleinigkeiten schließt sich das wieder ein. Das Frauenbild ist nach wie vor umstritten, finde ich. Ich bin immer noch nicht der Meinung, dass wir in der Gleichberechtigung angekommen sind."

Seit 1982 ist sie mit dem Jazzmusiker Ernst-Ludwig "Luten" Petrowsky verheiratet, dem sie nach eigener Aussage ihre Entfaltung verdankte - zu einer ostdeutschen Jazzsängerin, die über die Grenzen der DDR hinweg berühmt war. 2017 war sie für den ECHO Jazz nominiert. In ihrer Autobiografie "So wie ich", die Anfang des Jahres erschienen war, stehen viele Geschichten der heute 72-jährigen Künstlerin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 27.08.2019 | 09:20 Uhr

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