Martha Argerich und Daniel Barenboim beim Martha Argerich Festival in der Laeiszhalle. © Daniel Dittus Foto: Daniel Dittus

Emotionaler Auftakt des Martha Argerich Festivals in Hamburg

Stand: 20.06.2021 07:57 Uhr

Mit stehenden Ovationen hat das Publikum in der Hamburger Laeiszhalle den Klavierabend von Martha Argerich und Daniel Barenboim gefeiert. Zum Start des Martha Argerich Festivals spielten sie Werke von Mozart, Debussy und Bizet.

von Daniel Kaiser

Schon als die beiden Händchen haltend mit langsamen Schritten auf die Bühne kommen, geht einem das Herz auf. Barenboim und Argerich kennen sich schon ihr ganzes Musikerleben. Vor mehr als 70 Jahren haben sie in Buenos Aires als Kinder gemeinsam erst unter dem Flügel und dann auf dem Flügel gespielt. Das Publikum geht an diesem Abend mit und nimmt jede Geste, jedes Lächeln, jeden unvorhergesehenen Zwischenfall dankbar auf - beispielsweise als die beiden erst eine Minute lang blättern müssen, bis sie die richtigen Noten für Mozarts "Andante mit fünf Variationen" finden, oder wenn sie beim letzten Stück mehrmals etwas umständlich die Plätze tauschen. Zwei alte Freunde machen Musik - und wir dürfen zuschauen. Der ganze Konzertsaal steckt voller Wertschätzung und Dankbarkeit.

Achtsames und gefühlvolles Zusammenspiel

Martha Argerich und Daniel Barenboim beim Martha Argerich Festival in der Laeiszhalle. © Daniel Dittus Foto: Daniel Dittus
Martha Argerich und Daniel Barenboim bekommen stehende Ovationen in der Hamburger Laeiszhalle.

Zunächst sitzen sich die beiden an zwei Flügeln gegenüber und lassen Mozarts Läufe und Triller in der Sonate für zwei Klaviere in D-Dur ineinander übergehen. Während Claude Debussys "Prélude à l’apres-midi d’un faune", das Argerich und Barenboim schon einmal gemeinsam in der Laeiszhalle spielten und nun als Programmänderung noch einmal kurzfristig ins Programm nahmen, ein pedalreicher Klangteppich bleibt, spürt man besonders beim "Jeux d’enfants", den zwölf Stücken von Georges Bizet, wie achtsam und emotional aufgeladen die beiden miteinander musizieren können. Die Assistenten beim Umblättern hatten mit Barenboim allerdings kein ganz leichtes Spiel. Einmal unterbricht er das Umblättern mit einer so energischen Handbewegung, dass man das Papierrascheln im ganzen Saal hört.

Bekenntnis zur Laeiszhalle

Eigentlich sollte Cecilia Bartoli diesem Festivalauftakt noch die letzte Brillanz geben, sie musste aber kurzfristig erkrankt absagen. Bartoli klinge gerade eher wie ein 'basso profondo' als eine Mezzosopranistin, scherzte der Intendant der Symphoniker Hamburg, Daniel Kühnel. Das Festival entstand im Jahr 2018 mit Argerichs Bekenntnis zur Laeiszhalle als Konzertsaal, als alle Welt sich wegen der neuen Elbphilharmonie vor Begeisterung überschlug. Zum dritten Mal kommt sie nun schon mit musikalischen Freunden, Weggefährten und Verwandten nach Hamburg. Bis zum 30. Juni sind insgesamt 16 Konzerte an zwölf Abenden geplant. Große Namen wie Anne-Sophie Mutter, Mischa Maisky, Gidon Kremer und Maria João Peres sind dabei. "Die Tage sind lang, und jede Stunde ist schön", schwärmt Kühnel. Ein beglücktes, angerührtes Publikum verließ die Laieszhalle nach einem emotionalen Festival-Auftakt nach Maß.

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