Stand: 04.03.2019 13:34 Uhr

Ohnsorg: Jubel für "De verdüvelte Glückskeks"

von Daniel Kaiser

Mit viel Applaus und Jubel hat das Publikum im Ohnsorg-Theater die Uraufführung des Stücks "De verdüvelte Glückskeks" aufgenommen. Die Komödie von Sönke Andresen, die er extra fürs Ohnsorg geschrieben hat, erzählt die Geschichte eines Dorfes im Wandel.

Szenen aus "De verdüvelte Glückskeks"

Finn ist wieder da. Nach Jahrzehnten als Lehrer in Stuttgart kehrt er zurück nach Bretenbüll, das Dorf seiner Kindheit. Er zieht mit seiner von der ersten Sekunde an genervten Familie ("Es stinkt nach Gülle!") und einem Burnout im Gepäck ins Haus des verstorbenen Vaters und trifft auch auf Bjarne, seinen alten Kumpel und Konkurrenten: "Weetst du noch domals? Wi weern as Blootsbröder". Finn (Konstantin Graudus: immer am Limit und zerrissen) erlebt ein Dorf im Umbruch. Herrlich, wie Oskar Ketelhut als sich die Hände reibender, korrupter Dorfbürgermeister Bjarne den Ort an einen aserbaidschanischen Investor verscherbeln will, um dort eine Erdgasraffinerie zu bauen: "Bretenbüll 21". 

Tempo, Timing und Nebelmaschine

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Gasthof, Pastor, Arzt - alles ist noch da in Bretenbüll - nur ein wenig anders.

Der Gasthof, der Pastor und die Arztpraxis sind alle noch da - fast so wie in den alten Ohnsorg-Schwänken aus der Zeit des Schwarz-Weiß-Fernsehens - nur anders. Die Wirtin im Gasthof Spökenkieker ist Koreanerin (Yvonne Yung Hee Bormann), die Kimchi statt Lammbraten serviert, der Pastor ist ein evangelischer Pole (Robert Eder, allerdings verwirrenderweise in katholischem Kostüm) und die Ärztin (Sandra Keck) düst mit einem Roller über den Deich. Im Spökenkieker hockt heute eine neue Dorfgesellschaft: moderne Zeiten, bunte Zeiten - auch im Ohnsorg. Mit Tempo und Timing, mit Musik und Nebelmaschinen gelingt der Inszenierung von Meike Harten ein dynamischer, witziger und kurzweiliger Spaß mit einem leichten Büttenwarder-Aroma.

Mordaufruf der Marschgeister?

Finn entschließt sich, gegen Bjarne im Bürgermeisterwahlkampf anzutreten, um sein Dorf zu retten. Beim Wahlkampftreffen im Asia-Restaurant findet er in seinem Glückskeks einen rätselhaften Text: "Drei. Wurst. Mond." Handelt es sich um eine verschlüsselte Schicksalsbotschaft der alten norddeutschen Marschgeister, von denen Onkel Hein immer faselt? Wie Horst Ahrenthold den Onkel Hein mit irre rollenden Augen spielt, ist echtes Komödien-Gold. Die Welt ändert sich. Das Dorf geht mit. Aber wohin? Wie viel Macht haben noch die alten Geister und die Traditionen? Dieses Dorf-Drama spielt vor einem Bühnenbild (Beate Zoff), das an ein wetterumtostes Emil-Nolde-Gemälde erinnert und immer wieder neu stimmungsvoll ausgeleuchtet wird. 

Plattdeutsch wie im echten Leben

Beate Kiupel, Konstantin Graudus und Sandra Keck. © Oliver Fantitsch Foto: Oliver Fantitsch

Viel Applaus für den "Glückskeks" im Ohnsorg

NDR 90,3 - Kulturjournal -

Das Publikum feierte die Uraufführung des Stücks "De verdüvelte Glückskeks" über ein kleines norddeutsches Dorf im Wandel. Sönke Andresen hat es extra für das Ohnsorg-Theater geschrieben.

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Das Ohnsorg spielt kein Plattdeutsch aus dem Museum. Wieder erklingt auf der Bühne auch Hochdeutsch, was manchen Platt-Puristen unter den Ohnsorg-Abonnenten ärgert. Doch wäre es ja völlig sinnlos, Finns Ehefrau oder den Sohn (Marco Reimers) aus Stuttgart Platt sprechen zu lassen. Das Stück klingt eben genau so, wie es im richtigen Leben auch klingen würde. Der Konflikt transportiert sich auch über die Sprache. Zum Piepen komisch ist es dabei, wenn Ohnsorg-Star Beate Kiupel als Ehefrau, die extra einen plattdeutschen Volkshochschulkurs in Stuttgart belegt hat, einen zurechtgelegten Satz auf Platt radebrecht und sich vom polnischen Pastor den Kopf verdrehen und zum Singen animieren lässt: "Ich dachte immer, ich wäre alt. Er sieht aber einen Mezzo-Sopran in mir."

Liebeserklärung an das Dorf

Mit seinem Wortwitz, seinen dramatischen Duell-Momenten mit Nebel aus dem Meer und diesem spielfreudigen Ensemble, das auf der Bühne Funken schlägt, wird aus dem Stück eine wunderschöne Liebeserklärung an das Dorf von heute, das seinen Platz in der Welt sucht. Dieser Glückskeks ist ein Geschenk. Es ist ein Schlüsselstück für den neuen Kurs des Ohnsorg-Theaters, das auch neue Zuschauer, die keine plattdeutschen Muttersprachler sind, gewinnen möchte. Dieses eigene Stück, das eben nicht nur eine Übersetzung einer längst bekannten Boulevardkomödie ist, lässt in allerbester Ohnsorg-Tradition den Charme und die Kraft des Plattdeutschen als lebendige Sprache leuchten und fragt ganz genau nach, was das eigentlich ist: Heimat. Mehr davon!

Ohnsorg: Jubel für "De verdüvelte Glückskeks"

Die fürs Ohnsorg-Theater geschriebene Komödie "De verdüvelte Glückskeks" hat bei ihrer Uraufführung viel Applaus bekommen. Es ist eine Liebeserklärung an das Dorf von heute.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Ohnsorg Theater
Heidi-Kabel-Platz 1
20099  Hamburg
Telefon:
(040) 350 80 30
E-Mail:
info@ohnsorg.de
Preis:
15,50 Euro - 31 Euro
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 04.03.2019 | 19:00 Uhr

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