Stand: 08.04.2020 09:10 Uhr  - NDR Kultur

Kleine Privattheater kämpfen ums Überleben

von Thorsten Philipps

Kein Publikum bedeutet keine Einnahmen. Während sich einige Unternehmen schon auf eine Lockerung der Maßnahmen in der Corona-Krise vorbereiten, besteht für die Theater wenig Hoffnung auf eine zeitnahe Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Der Verband der Freien Theater schlägt bundesweit Alarm. Allein im Norden benötigten die nicht-staatlichen Schauspielhäuser bis zum Sommer mehr als 1,5 Millionen Euro Hilfe.

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Das Theaterschiff "Batavia" in Wedel ist eines der außergewöhnlichen Privattheater in Norddeutschland.

Wolfgang Gottschlich vom Kinder-Theater am Tremser Teich will nicht aufgeben. Die geplante "Hase und Igel"-Inszenierung wird am kommenden Wochenende auf der Internetseite des Theaters gestreamt. Mit seiner Frau und seinem Sohn betreibt er das Kindertheater in Lübeck seit 22 Jahren. "Ich denke darüber nach, wie lange diese Krise wohl anhält und ich denke darüber, wie lange wir das finanziell durchhalten können und ob das Theater dann noch mal aufmachen kann", sagt Gottschlich verzweifelt.

Auch Sigrid Dettlof vom freien Lübecker Theater Combinale ist verzweifelt: "Stell dir vor, du hast ein Theater und keiner geht hin. Wir sind traurig, wir sind verzweifelt und wir schwanken zwischen Hoffen und Bangen."

Soforthilfen greifen nur selten für kleine Theater

Der Landesvorsitzende vom schleswig-holsteinischen Verband der Freien Theater Stephan Schlafke fordert von der Landesregierung 500.000 Euro Soforthilfe. Denn während die Verluste von städtischen Theatern von der Kommune übernommen würden, müssten die freien Theater Insolvenzen befürchten. "Wir rutschen durch die meisten dieser Bundesmittel durch, die für Gewerbetreibende sind, weil es meistens Kollegen sind, die ganz kleine Theater haben", sagt Schlafke. "Bei einem ganz kleinen Theater ist es so, dass es häufig gar keine Mieten hat, sondern im privaten Haus untergebracht ist. Und da haben wird das Problem, dass diese Hilfen für uns als freischaffende Künstler in der Regel nicht zutreffen."

Kulturelle Infrastruktur erhalten

Stephan Behrmann, Bundesvorsitzender der Freien Theater, schätzt den Schaden insgesamt auf mehrere 10 Millionen Euro. Für ihn lassen die Förderprogramme der Länder und des Bundes zu viele Fragen offen. "Es gibt viele Unklarheiten, was aus der Soforthilfe für Selbstständige bestritten werden kann", sagt Behrmann. "Können die Thetaerschaffenden denn mit dem Geld alle Kosten des Betriebes und auch ihren Unterhalt bestreiten oder sind sie dann noch angewiesen auf die Grundsicherung?"

Deshalb hat Schleswig-Holstein nun noch mal knapp 33 Millionen Euro für Einrichtungen der Kultur bereitgestellt - Landesbildungsministerin Karin Prien (CDU) will damit die kulturelle Infrastruktur des Landes sichern, aber viele Theaterkünstler sowie Sigrid Dettlof und Wolfgang Gottschlich wünschen sich Übersetzer für die bürokratischen Hilfsmaßnahmen. Sie finden: Die Regierung hat ihnen das Publikum mit der Schließung genommen, also muss die Regierung für den Ausfall auch geradestehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 08.04.2020 | 11:20 Uhr

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