Stand: 09.11.2018 12:18 Uhr

Beklemmend intensiv: "Dogville" am Theater Lübeck

von Katrin Bohlmann

Der Film "Dogville" mit Nicole Kidman hat vor 15 Jahren für Furore gesorgt. Es ist ein Drama um eine junge Frau, die in einem Dorf Schutz sucht und dort schließlich einen Alptraum erlebt. Jetzt bringt das Theater Lübeck die Geschichte des Dänen Lars von Trier auf die Bühne. Die junge Hamburger Regisseurin Clara Weyde inszeniert das Stück.

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Grace muss für die Bewohner des Dorfes Dogville arbeiten, als Gegenleistung bekommt sie Asyl.

Es fängt harmlos an. Die schöne Grace ist auf der Flucht. Ihren Verfolgern knapp entronnen landet sie in dem kleinen Bergdorf Dogville. Der junge Tom will ihr helfen. Er überzeugt die anderen Bewohner davon, ihr Asyl zu geben. Als Gegenleistung soll Grace für die Dorfbewohner kleine Arbeiten erledigen.

Die Stimmung kippt

Es ist ein Spiel, ein Experiment von Tom eingefädelt. Grace erobert die Herzen der Menschen von Dogville durch ihren unermüdlichen Einsatz und ihr permanentes Verständnis. Alles wirkt harmonisch. Aber die Geschichte zieht sich. Der Zuschauer wartet darauf, dass die Situation eskaliert. Das passiert als ein Fahndungsplakat mit dem Konterfei von Grace auftaucht. Die Stimmung kippt. Grace versucht zu flüchten - erfolglos.

Eine verzweifelt guckende Schauspielerin.

"Dogville" - Premiere am Theater Lübeck

Schleswig-Holstein Magazin -

"Dogville" feiert Premiere - die Bühnenfassung des gleichnamigen Kinofilms von Lars von Trier. Wie im Film wird auch auf der Bühne schonungslos eine Gewaltspirale gezeigt.

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Grace wird zur Sklavin

Die misstrauische Dorfgemeinschaft gespielt von sieben Schauspielern stimmt ab. Grace darf zwar bleiben, muss aber noch mehr arbeiten. Grace wird zur Sklavin, angekettet in einem Hof. Sie wird ausgenutzt, erniedrigt, vergewaltigt. Diese brutalen Szenen sind nur schwer auszuhalten als Zuschauer. Auch Grace-Darstellerin Agnes Mann räumt ein, sie stoße an ihre Grenzen. Die Rolle sei sehr intensiv. Mehr als zwei Stunden agiert sie ununterbrochen auf der Bühne. "Grace will das Gute sehen und sich um jeden Preis in diese fremde Gesellschaft integrieren", sagt Agnes Mann über ihre Rolle. "Das ist für mich als Schauspielerin interessant, weil ich manchmal an Punkten bin, an denen ich denke: 'Jetzt würde ich aber mal aufhören.' Das ist für mich sehr herausfordernd, immer weiterzumachen nach all diesen Zumutungen, der psychischen und physischen Gewalt, die dieser Figur passieren." Nicole Kidman sei dabei nicht ihr Vorbild, so Agnes Mann.

Regiedebüt einer Hamburgerin

Ein Schauspieler kniet vor einer Frau vor einem Torbogen auf der Bühne. © Theater Lübeck Foto: Kerstin Schomburg

Theater Lübeck: "Dogville"

NDR 1 Welle Nord - Theater auf NDR 1 Welle Nord -

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Mit dem Drama "Dogville" gibt die Hamburgerin Clara Weyde ihr Regiedebüt am Theater Lübeck. Natürlich diene der Lars-von-Trier-Film als Vorlage, sagt die 34-Jährige. "Ich habe den Eindruck, dass Lars von Trier von der Brüchigkeit von zwei Systemen erzählt, die für uns als Orientierung in der Gesellschaft sehr wichtig sind. Das eine ist eine Art demokratisches Grundprinzip: Die Gemeinschaft entscheidet mehrheitlich. Das andere ist das kapitalistische System, als bösartige Verquickung von Moral und kapitalistischer Logik. Das versuchen wir natürlich zu übernehmen", so Clara Weyde. Trotzdem sei ihre Inszenierung anders.

"Dogville" am Theater Lübeck ist harte Kost. Es geht zur Sache. Es ist eine beklemmende, intensive und auch anstrengende Inszenierung für die Schauspieler - allen voran Agnes Mann - und das Publikum.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 08.11.2018 | 20:05 Uhr

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