Stand: 30.11.2018 14:26 Uhr

"Adel verpflichtet" am Ernst Deutsch Theater

von Peter Helling

"Adel verpflichtet" - und Adel mordet kaltblütig. Zumindest im Ernst Deutsch Theater. Dort hatte am Donnerstagabend die schwarze Komödie seine Uraufführung. Das Autoren-Duo Dogberry & Probstein - alias Anatol Preissler und Otto Beckmann - haben das Stück nach dem bekannten Film mit Alec Guinness geschrieben. Preissler hat es auch inszeniert.

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Annika Martens, Anton Pleva, Mark Weigel und Oliver Warsitz ( v.l.n.r) spielen in dem Stück "Adel verpflichtet".

Der Anfang ist schon mal gelungen: Oliver Warsitz sitzt da auf seiner Bank - die Ruhe selbst. Er spielt den Henker und schleift weise lächelnd sein Beil. Der, dessen Kopf er von seinem Rumpf trennen soll, ist Victor. Ein Serienmörder. Er hat halbwegs adlige Wurzeln und wollte an die Spitze der Adelslinie vorrücken. Graf wollte er werden, aber vor ihm standen acht oder neun Anwärter in der Erbfolge. Also mussten sie weg.

Als Zuschauer giert man richtig danach: ausgefallene Verbrechen, schwarze Satire. Aber so richtig will der Funke nicht überpringen. Sie brennt nicht, die Zündschnur. Als würde das Feuerzeug an Silvester einfach nicht angehen …

Ortswechsel mit viel Schwung

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Viktor (Anton Pleva (l)) erzählt seinem Henker (Oliver Warsitz) von seinen Morden.

Das Stück spielt in London um 1900. Mit viel Schwung werden die Orte gewechselt, Möbel werden auf die Bühne gerollt, umrahmt ist das Ganze von finsteren Kerkermauern. Der Kunstgriff der Autoren ist, dass Viktor - endlich Lord geworden - seinem eigenen Henker in Rückblicken erzählt, wie das mit den adeligen Blutbädern war.

Ein mächtiger Hauch Monty Python

Eitle Blaublüter, übergriffige Tanten, stotternde und sehr tuntige Filmdiven in Römersandalen-Outfit, sie alle springen über die Klinge. Mark Weigel spielt sie. Und lässt einen mächtigen Hauch Monty Python auf der Bühne los. Schön, wie Anton Plevas Victor mit diesem leisen melancholischen Schmelz im Blick töten muss, das hat Witz. Und Annika Martens als seine Angebetete hat den nötigen Straßencharme für eine ausgekochte Gaunerin. Trotzdem will die Zündschnur einfach nicht brennen…

Mehr Tempo und trockener Witz im zweiten Teil

Erst im zweiten Teil, da geht dem Regieteam die Phantasie durch, wenn etwa dem vorletzten Opfer der langen Mordserie in einem Unterwasserkabinett in Loch Ness die Luft ausgeht. Mit leuchtenden Fischen und sehr witzigen Filmzitaten von "Psycho" bis "Weißer Hai". Die fantastischen Bilder tun dem Ganzen gut: weniger Sorgfalt beim Perückenaufsetzen - mehr Tempo und trockener Witz! 

Das kriminelle Potenzial bei allen Figuren, danach hätte die Regie viel stärker suchen müssen. Und statt die Pointen auszuwalzen, hätte manchmal ein scharfes Florett genügt.

"Adel verpflichtet" am Ernst Deutsch Theater

Das Stück "Adel verpflichtet" nach dem bekannten Film mit Alec Guinness ist am Ernst Deutsch Theater in Hamburg uraufgeführt worden. Doch die schwarze Komödie zündet nicht richtig.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Ernst Deutsch Theater
Friedrich-Schütter-Platz 1
22087  Hamburg
Telefon:
Information und Kartenreservierung: 040/22 70 14 25
E-Mail:
tickets[at]ernst-deutsch-theater.de
Preis:
22 bis 42 Euro
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 30.11.2018 | 19:00 Uhr

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