Stand: 24.07.2019 18:00 Uhr  | Archiv

Was Sie über Waldbrände wissen müssen

Dichter Rauch zieht durch den Wald in der Nähe der evakuierten Ortschaft Alt Jabel. © dpa Zentralbild Foto: Jens Büttner
Bei lang anhaltender Trockenheit ist die Waldbrandgefahr sehr hoch.

Extreme Trockenheit lässt die Brandgefahr in Wäldern steigen. Nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung brannte es in deutschen Wäldern im Jahr 2018 mehr als 1.700 Mal, 2.349 Hektar Waldgebiet wurden vernichtet. Damit gab es 2018 die meisten Waldbrände seit 15 Jahren und die größte Waldbrandfläche seit 26 Jahren. NDR.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wie entsteht ein Waldbrand?

In den seltensten Fällen hat ein Waldbrand natürliche Ursachen. Hingegen sind Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit von Waldbesuchern mit mehr als 90 Prozent die häufigsten Gründe für Feuer im Wald, so der Internationale Katastrophenschutz Deutschland.

Wie kann man einen Waldbrand vermeiden?

  • Waldbesucher sollten die Waldbrandwarnstufen beachten.
  • Nicht rauchen im Wald und keine Zigaretten wegwerfen.
  • Keine Glasflaschen oder anderen Müll im Wald liegen lassen. Reflektierende Gegenstände können durch die Bündelung von Sonnenlicht Feuer entfachen.
  • Weder mit dem Auto noch mit dem Motorrad auf Waldwegen parken. Durch die heißen Katalysatoren kann sich trockenes Unterholz leicht entzünden.
  • Kein Lagerfeuer oder Grill anzünden. Funken könnten aus der Glut springen und einen Brand auslösen.

Wann ist die Waldbrandgefahr am höchsten?

Hohe Temperaturen und fehlender Regen sorgen in den Monaten März bis Oktober für erhöhte Gefahr in Risikogebieten. Nadelwälder, insbesondere Kiefernwälder, sind häufiger betroffen als Mischwälder mit Laubbäumen.

Waldbrandgefahrenstufen – was bedeuten sie?

In Deutschland gibt es fünf offizielle Waldbrandgefahrenstufen. Damit die Landesbehörden die Lage besser einschätzen und die Bevölkerung möglichst früh warnen können, hat der Deutsche Wetterdienst den Waldbrandgefahrenindex (WBI) festgelegt. Die Karte ist jederzeit online abrufbar. Der Index sagt aus, wie hoch die Waldbrandgefahr in den verschiedenen Regionen in Deutschland ist. Die Vorhersagen werden für den aktuellen Tag und die vier Folgetage veröffentlicht. Die Bedeutung der Waldbrandgefahrenstufe:

Stufe 1: sehr geringe Gefahr

Bei Waldbrandgefahrenstufe 1 ist die Gefahr sehr gering.

Stufe 2: geringe Gefahr

Bei Waldbrandgefahrenstufe 2 dürfen Waldbesucher den Wald ohne Einschränkungen betreten. Vorsicht beim Parken in Waldnähe auf trockenem Boden: Die heißen Katalysatoren können trockenes Gras, Moos oder Unterholz leicht entzünden. Reisig sollte nicht mehr verbrannt, auch auf Schweißarbeiten verzichtet werden.

Stufe 3: mittlere Gefahr

Bei Waldbrandgefahrenstufe 3 bleibt das Betreten grundsätzlich erlaubt. Öffentliche Feuerstellen und Grillplätze sollten nicht mehr benutzt werden. Waldarbeiten wie Schweißen oder das Verbrennen von Reisig sind verboten.

Stufe 4: hohe Gefahr

Ab Waldbrandgefahrenstufe 4 kann das Betretungsrecht beschränkt werden. In Waldgebieten sollten öffentliche Wege nicht verlassen werden. Parkplätze und touristische Einrichtungen im Wald können möglicherweise gesperrt werden.

Stufe 5: sehr hohe Gefahr

Bei Waldbrandgefahrenstufe 5 können die Forstbehörde oder Waldbesitzer gefährdete Gebiete zeitweilig voll sperren. Der Wald darf nicht mehr betreten werden. Für Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz gelten Ausnahmen.

Wie ermittelt der DWD den Gefahrenindex?

Die witterungsbedingte Waldbrandgefahr wird anhand des kanadischen Fire Weather Index (FWI) abgeschätzt. Dieser beruht auf Mittagswerten der Lufttemperatur, der relativen Luftfeuchte und Windgeschwindigkeit sowie der 24-stündigen Niederschlagsmenge.

Wie verhält man sich, wenn es brennt?

Der Deutsche Feuerwehrverband rät, kein Risiko einzugehen und sich aus der Gefahrenzone zu begeben. Die Notrufnummer 112 sollte unbedingt angerufen und die Waldwege für die Feuerwehr freigehalten werden. Wenn möglich in der Nähe bleiben, um die Feuerwehr einzuweisen. Denn es ist für die Einsatzkräfte nicht einfach, einen Brandherd zu lokalisieren. Das Feuer wird vom Wind angetrieben, deshalb gilt als Grundregel, möglichst nie entgegen der Windrichtung zu laufen.

Wie löscht man einen Waldbrand?

Kleinere Brandstellen am Boden kann man mit festem Schuhwerk einfach austreten. Für alle anderen Fälle unbedingt die 112 anrufen und die Arbeit der Feuerwehr überlassen.

Welche Arten von Waldbränden gibt es?

Bodenfeuer (auch Lauffeuer genannt) sind die häufigste Art des Waldbrandes. Sie entstehen durch unmittelbare Einwirkung einer Zündquelle (Tabakreste, Grillfeuer, Abbrennen von Feldern usw.). Nahezu jeder Waldbrand beginnt als Bodenfeuer. Die Flammen sind etwa einen halben Meter hoch. Die Bodenvegetation verbrennt. Die Ausbreitung ist wind- und geländeabhängig.

Ein Erdfeuer entsteht besonders leicht, wenn der Waldboden mit Laub oder Torf bedeckt ist. Es handelt sich um Schwelbrände im Boden. Da sie die Wurzeln von Bäumen zerstören, sind sie in ihren Auswirkungen am schlimmsten.

Ein Kronenfeuer entsteht, wenn sich der Brand am Waldboden ausbreitet und dann die Baumkronen angegriffen werden. Das Kronenfeuer kann dem Bodenfeuer vorauseilen und neues Bodenfeuer entzünden.

Ein Vollfeuer ist ein gleichzeitiges Boden- und Kronenfeuer.

Beim Flugfeuer werden brennende Pflanzenteile durch den Wind über die Feuerfront hinausgetragen. Sie verursachen an einem anderen Gebiet im Wald einen neuen Brand.

Weitere Informationen
Junge Grashalme stecken in vertrockneter Erde © Colourbox Foto: Phimchanok

#wetterextrem - Der Norden im Klimawandel

Die Erde wird immer wärmer. Wetterextreme oder der Anstieg des Meeresspiegels sind die Folgen - sie zeigen sich auch in Norddeutschland. Informationen und Hintergründe. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 24.07.2019 | 14:00 Uhr

Mehr Verbrauchertipps

Schimmliges Obst in einer Obstschale. © imago images Foto: Marius Schwarz

Schimmel und Co.: Wann muss man Lebensmittel wegwerfen?

Obst und Gemüse schimmeln relativ schnell. In manchen Fällen reicht es aber, nur die betroffenen Stellen zu entfernen. mehr