Nutri-Score: Welche Bedeutung hat die Lebensmittelampel?

Stand: 02.01.2023 07:28 Uhr

Mit dem Nutri-Score sollen gesunde Lebensmittel ganz leicht erkennbar sein. Was der Nutri-Score aussagt, welche Schwachpunkte er hat und warum er trotzdem hilfreich sein kann - ein Überblick.

Auf immer mehr Lebensmitteln prangt inzwischen die Ernährungs- oder Lebensmittelampel des Nutri-Score. Mit unterschiedlichen Farben und Buchstaben soll dieser zeigen, in welchen Lebensmitteln sich viel Zucker oder Fett verstecken, sodass Verbraucherinnen und Verbraucher Produkte direkt vergleichen und sich so leichter für Lebensmittel mit einer besseren Nährstoff-Bilanz entscheiden können.

Nutri-Score-Tabelle: Die Bedeutung der Stufen A bis E

Der Nutri-Score stammt aus Frankreich. Ende 2020 ist er in Deutschland eingeführt worden. Die Teilnahme der Hersteller ist freiwillig. Auf dem Label sieht man, wie verarbeitete Lebensmittel zusammengesetzt sind. Aber der Nutri-Score vergleicht nicht jedes Produkt mit anderen, sondern nur innerhalb einer Produktgruppe, beispielsweise „Frühstücksflocken“. Wenn man im Supermarkt einkauft, kann man so auf einen Blick die Waren dieser Produktgruppe vergleichen. Lebensmittel mit einem großen "A" auf grünem Grund sind vergleichsweise hochwertig, Produkte mit einem "E" auf rotem Grund eher ungünstig. In die Bewertung fließen verschiedene Faktoren ein:

Positive Stoffe können negative ausgleichen

Jeder Bestandteil wird mit gewichteten Punkten bewertet. Ein hoher Gehalt positiver Stoffe kann damit negative Inhalte ausgleichen, der exakte Anteil wird nicht genannt. Nicht bewertet werden unter anderem Vitamine, Mineralstoffe, ungesättigte Fettsäuren, Zusatzstoffe, Süßstoffe und Aromen. Die Einordnung bezieht sich auf 100 Gramm des Nahrungsmittels, unabhängig vom Gewicht in der Packung. So lassen sich besonders ähnliche, aus vielen Zutaten produzierte Lebensmittel von unterschiedlichen Herstellern gut vergleichen.

Nährwert-Tabelle und Nutri-Score auf Produkten

Verbraucher konnten sich auch vor Einführung des Nutri-Score 2020 über die Nährwerte eines Produkts informieren. Doch die Tabellen mit Angaben zu Energie, Fett, Kohlenhydraten, Salz und Eiweiß stehen meist recht klein auf der Rückseite der Verpackung. Sie bieten zwar mehr Informationen als die Kennzeichnung durch den Nutri-Score, sind jedoch unübersichtlicher. Der Nutri-Score hat die Nährwert-Tabellen nicht ersetzt, sondern bietet zusätzliche Orientierung.

Kritik am Nutri-Score: Expertinnen und Experten nur teilweise zufrieden

Der Bundesverband Verbraucherzentralen setzt sich schon lange für den Nutri-Score ein. Die Kennzeichnung sei zwar nicht perfekt, aber ein Schritt in die richtige Richtung und sollte verpflichtend sein. Hersteller unausgewogener Produkte würden die Kennzeichnung einfach nicht nutzen, kritisiert der Verein Foodwatch. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte begrüßte die Entscheidung für den Nutri-Score. Der Verband forderte zusätzlich ein Werbeverbot für Lebensmittel, die speziell an Kinder verkauft werden sollen.

Schwachpunkte des Nutri-Score

Die Nutzung der Nutri-Score-Tabelle ist freiwillig, sodass jeder Hersteller entscheiden kann, ob er sie auf seine Verpackungen druckt. So sind mit einem grünen "B" versehene Produkte zum Beispiel nicht generell gesund. Denn beim Zucker toleriert der Nutri-Score in den Produkten sehr hohe Werte. Das liegt am Referenzwert von 90 Gramm Zucker pro Tag, der der Berechnung zugrunde liegt - und laut Expertinnen und Experten viel zu hoch ist. Das kann dazu führen, dass Produkte mit viel Zucker trotzdem ein "A" oder "B" bekommen, kritisieren Verbraucherschützerinnen und -schützer.

Trotz dieser Schwächen halten Ernährungsmedizinerinnen und -mediziner den Nutri-Score für eine Hilfe bei der Kaufentscheidung. Mit dem Nutri-Score lassen sich zum Beispiel Produkte einer Kategorie vergleichen, wie etwa Müsli oder Fertiggerichte.

Nutri-Score: Vorsicht vor falschen Schlüssen

Der Nutri-Score kann Verbraucherinnen und Verbraucher auch auf die falsche Fährte bringen: Nudeln zum Beispiel enthalten kaum Fett, Salz und Zucker - und bekommen daher eigentlich ein grünes "A". Die tatsächlich gesunden Walnüsse dagegen enthalten viel Fett und bekommen ein "C", ebenso wie gesundes Olivenöl.

Toastbrot hätte dank seines geringen Fett- und Zucker-Anteils wiederum ein "A", während der Käse, der auf dem Brot landet, nur ein "D" erhält, da er viel Fett enthält. Ernährungsmedizinerinnen und -mediziner warnen deshalb davor, den Nutri-Score mit einem Gesundheitsversprechen gleichzusetzen. Im schlimmsten Fall würden Verbraucherinnen und Verbraucher im guten Glauben, sich mit "A"- und "B"-Produkten gesund zu ernähren, nur minderwertige Lebensmittel essen und wirklich gesundes wie ein hochwertiges Olivenöl oder Fisch vermeiden, weil diese Produkte laut Nutri-Score schlechter abschneiden.

Nutri-Score-Update in der EU angekündigt

Vor ein paar Monaten hat die EU reagiert und ein Update des Nutri-Score angekündigt: Einzelne Lebensmittel sollen nach gesundheitlichen Aspekten neu berechnet werden. Der Blick auf die Nährwert-Angaben auf der Packung lohnt sich aber weiterhin.

Vorsicht bei Lock-Begriffen wie "Light", "Lean" oder "Fit"

Begriffe wie "Light", "Lean", "Balance", "Fitness" oder "weniger Zucker" sind reine Werbung und sagen nichts darüber aus, wie gesund oder ungesund ein Lebensmittel ist. Und trotz des Labels "zuckerfrei" kann das Produkt Zucker enthalten - nur verwendet der Hersteller dann statt herkömmlichem Industrie-Zucker sogenannte Zuckeralkohole. Diese Süßungsmittel sind genauso ungesund wie Zucker und können in größerer Menge abführend wirken. 

Gesünder sind unverarbeitete Lebensmittel

Wer sich wirklich gesundheitsbewusst ernähren will, sollte die Zutatenliste eines Produktes genau studieren - und den Einkaufskorb vor allem mit unverarbeiteten Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse füllen. Wenn es aber doch mal schnell gehen muss, kann der Nutri-Score eine schnelle, erste Orientierung im Lebensmittel-Dschungel sein.

Expertinnen und Experten zum Thema

 

Weitere Informationen
Leinsamenöl und Leinsamen auf einem Holztisch. © Fotolia.com Foto: cut

Die besten Lebensmittel für gesunde Ernährung

Fette waren lange verpönt - dabei sind einige extrem gesund. Manche "Kalorienbomben" helfen sogar, die Blutfettwerte zu senken. Lernen Sie zehn unterschätzte Lebensmittel kennen. mehr

Diverse Frühstückscerealien © PantherMedia Foto: cook_inspire

Zucker: Kinder als Zielgruppe der Lebensmittelindustrie

Kinder lieben Zucker. Der steckt allerdings nicht nur in Süßigkeiten wie Eis und Schokolade, sondern auch in vermeintlich gesunden Lebensmitteln wie Frühstücksflocken. mehr

Ein Mann schneidet eine Paprika auf einem Holzbrett. © Colourbox Foto: Pressmaster

Corona: Immunsystem mit gesunder Ernährung stärken

Eine Ernährung mit gesunden Lebensmitteln kann das Immunsystem stärken. Tipps für das Kochen in Corona-Zeiten. mehr

Dieses Thema im Programm:

Visite | 03.01.2023 | 20:15 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Ernährung

Lebensmittel

Mehr Verbrauchertipps

Münzen liegen auf einer Betriebskostenabrechnung für eine Mietwohnung. © picture alliance/Andrea Warnecke Foto: Andrea Warnecke

Nebenkosten-Abrechnung prüfen: Das sollten Mieter beachten

Gestiegene Energiekosten machen sich auch in der Betriebskostenabrechnung bemerkbar. Wie lassen sich Fehler erkennen? mehr