Stand: 06.05.2020 15:13 Uhr  - Markt

Flug annulliert: So bekommen Sie Ihr Geld zurück

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Flugreisen müssen aufgrund der Corona-Krise derzeit häufig ausfallen.

Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass Fluggesellschaften viele Flüge annullieren mussten. Etliche geplante Urlaubsreisen sind bereits ausgefallen, etliche weitere werden noch ausfallen. Das Auswärtige Amt hat eine weitreichende Reisewarnung herausgegeben. In solchen Fällen ist eigentlich eine Rückerstattung der Kosten vorgesehen. Viele Fluggesellschaften bieten ihren Kunden jedoch eine Gutschrift beziehungsweise einen Gutschein an, damit sie ihre Flugreise zu einem späteren Zeitpunkt nachholen können.

Vermeintliche Entschädigung: Gutscheine haben mitunter einen Haken

Dies hat aber mehrere Nachteile. Zum einen gewähren die Kunden dem Unternehmen dadurch ein zinsloses Darlehen. Zum anderen besteht im Falle einer späteren Insolvenz der betreffenden Fluggesellschaft die Gefahr, dass die Gutschrift nichts mehr wert ist und die Kunden sie nicht mehr einlösen können.

Verbraucherschützer sehen "Zwangsgutscheine" kritisch

Die Verbraucherzentrale Hamburg hält "Zwangsgutscheine" nicht für den richtigen Weg. Reisende sollten zumindest die Wahl haben zwischen einem Gutschein mit staatlicher Insolvenzsicherung und einer Auszahlung des Geldes. Die Idee der Bundesregierung, Gutscheine auszugeben, statt Geld zurückzuzahlen, wird von der EU-Kommission in Brüssel abgelehnt.

So funktioniert eine Erstattung

Wer über ein Reisebüro oder einen Reiseveranstalter gebucht hat, muss dort darum bitten, dass man sich um die Erstattung kümmert. Wer direkt bei einer Fluggesellschaft gebucht hat, sollte selbst aktiv werden. Dabei sind einige Punkte zu beachten:

  • Schreiben Sie der Fluggesellschaft, dass Sie auf einer Rückerstattung bestehen und eine Gutschrift beziehungsweise einen Gutschein nicht akzeptieren. An diesem Musterbrief der Verbraucherzentrale können Sie sich orientieren:

PDF-Dokument

Musterbrief: Ansprüche wegen Annullierung eines Flugs

Die Verbraucherzentrale bietet einen Musterbrief an, mit dem Kunden von Fluggesellschaften ihre Ansprüche bei annullierten Flügen geltend machen können. extern

  • Schicken Sie am besten ein Einschreiben mit Rückschein an die offizielle Firmenadresse der Gesellschaft.

  • Zusätzlich können Sie Ihre Forderung per Mail senden, aber setzen Sie sicherheitshalber nicht ausschließlich auf eine E-Mail.

  • Achtung: Oft bieten die Fluggesellschaften auf ihren Webseiten Online-Formulare an, die Sie ausfüllen sollen und wo Sie Anhänge hochladen können. Sie erhalten jedoch beim Absenden oftmals keine Kopie Ihres Textes, sondern lediglich eine automatisierte Info, dass Sie ein Schreiben geschickt haben. Kopieren Sie daher Ihr Anschreiben vor dem Absenden aus dem Textfeld und speichern Sie es bei sich ab und dokumentieren dies mit Datums- und Zeitangabe.

  • Führen Sie in dem Schreiben alle relevanten Daten wie Buchungsnummer, Kundennummer, Flugdaten etc. auf. Fügen Sie in Kopie die ursprüngliche Buchungsbestätigung sowie ggf. die "neue Buchung" in Form der Gutschrift/des Gutscheins.

  • Zur Verdeutlichung, dass Sie über die rechtliche Situation Bescheid wissen, können Sie Ihrem Schreiben optional diesen Passus hinzufügen: "Gemäß Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe a) der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 (Fluggastrechteverordnung) haben Flugreisende bei Annullierung eines Fluges einen Anspruch nach Artikel 8 Absatz 1 Buchstabe a) der Verordnung auf Erstattung der Flugscheinkosten für nicht zurückgelegte Reiseabschnitte sowie für bereits zurückgelegte Reiseabschnitte, wenn der Flug im Hinblick auf den ursprünglichen Reiseplan des Fluggasts zwecklos geworden ist."

  • Prüfen Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Fluggesellschaft, ob sie dem Stand des Abschlusses Ihrer Buchung entsprechen.

  • Setzen Sie der Fluggesellschaft in Ihrem Schreiben unbedingt eine Frist, um der Zahlung nachzukommen. Wählen Sie dabei einen Zeitraum, der dem Unternehmen eine Chance lässt, auf Ihr Anliegen zu reagieren. Feiertage sollten Sie dabei ausklammern. Die Verbraucherzentralen schreiben auf Ihren Seiten von einer Frist von 7 Tagen. Dabei berufen sie sich auf die Fluggastrechteverordnung. Für andere juristisch relevante Fristen werden oft 14 Tage gewählt. Bedenken Sie, dass die Gesellschaften derzeit ein hohes Aufkommen an Kundenanfragen haben.

  • Es kann sein, dass die Fluggesellschaft nicht fristgerecht reagiert oder sich weiterhin weigert, Ihr Geld zurückzuerstatten. Haben Sie per Kreditkarte bezahlt, können Sie über Ihr Geldinstitut, das die Karte ausgestellt hat, ein sogenanntes Chargeback beantragen. Ausnahme: American Express - diese Kunden wenden sich direkt an den Kreditkartenanbieter. Mit dem Chargeback-Verfahren können Sie ungerechtfertigte Zahlungen stornieren und ihr Geld zurückbuchen lassen. Entsprechende Formulare gibt es online oder in den Filialen. Damit das Geldinstitut Ihr Anliegen überprüfen kann, benötigt es den Schriftverkehr in Kopie, unter anderem deswegen, weil die Fristsetzung eine Rolle spielt. Auch die Buchungsbestätigungen beziehungsweise Rechnungen sollten Sie beifügen. Bedenken Sie, dass dieser Antrag vollständig sein sollte.

  • Haben Sie nicht per Kreditkarte bezahlt, sollten Sie bei einer weiteren Weigerung der Fluggesellschaft überlegen, einen Rechtsbeistand einzuschalten, der Ihre Interessen vertritt.

  • Rechnen Sie damit, dass es eine ganze Weile dauern kann, bis Sie Ihr Geld zurückbekommen. Für die Berabeitung brauchen die beteiligten Banken Zeit. Außerdem kann es sein, dass Sie Ihr Geld zunächst auf vorläufiger Basis zurückerhalten. Das liegt daran, dass die Fluggesellschaften noch Einspruch einlegen können.

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Markt | 04.05.2020 | 20:15 Uhr