Stand: 11.05.2018 09:10 Uhr  | Archiv

Was tun gegen Misteln in Obstbäumen?

Im Winter gehören sie mittlerweile zum gewohnten Bild: Laubholz-Misteln breiten sich in immer mehr Baumkronen aus. Im südlichen und mittleren Deutschland war die Mistel schon länger auf dem Vormarsch, im Norden wächst sie erst seit den 1980ern vermehrt. Das Mistelkorn wird am häufigsten durch Vögel verbreitet. Im Winter fressen sie die weißen Scheinbeeren der Mistel. Mit ihrem Kot landet dann das Samenkorn auf einem anderen Ast, dem neuen Wirtsbaum. Der Kot enthält die ersten Nährstoffe, die der Mistelsamen zum Gedeihen braucht.

Misteln können in Streuobstwiesen zum Problem werden

Misteln sind Baumparasiten, sogenannte Halbschmarotzer. Sie entziehen mit ihren Saugwurzeln dem Baum Wasser und Nährstoffe, betreiben aber selbst Photosynthese. Also bringen die ungebetenen Gäste zumindest ihren eigenen Zucker mit. Viele Gärtner glauben, dass Misteln unter Naturschutz stehen und entfernen sie daher nicht. Das ist aber falsch. Selbst der NABU warnt, dass die Parasiten besonders in Streuobstwiesen ein Problem werden können und rät, befallene Bäume im Spätwinter oder im zeitigen Frühjahr zu beschneiden.

Apfelbäume am häufigsten betroffen

Nur wenige Obstbaumsorten dienen der Mistel als Wirtspflanze: Hauptsächlich ist der Apfelbaum betroffen, aber auch die Eberesche. Birne, Pflaume und Kirsche haben dagegen keine Problem, Birnbäume haben sogar einen wunderbaren Schutzmechanismus gegen Misteln: Sobald sie sich in die Rinde bohren, vertrocknet das Gewebe unter der Baumrinde. Die Misteln können kein Wasser mehr ziehen und sterben ab.

Misteln an Obstbäumen entfernen

Einen natürlichen Schutzmechanismus wie der Birnbaum hat der Apfelbaum nicht. Wer Mistelbefall aufhalten will, muss radikal zurückschneiden. Äste mit Mistelbefall sollten mindestens 30 bis 50 Zentimeter ins gesunde Holz abgesägt werden. Damit kann die Ausbreitung der Pflanze in der Regel gestoppt werden. Das geht natürlich nur, wenn der Baum im Außenbereich befallen ist. Wächst die Mistel weiter innen, kann man sie an der Astoberfläche abbrechen oder abschneiden. Damit wird man den Parasitenbefall zwar nicht los, aber die Maßnahme hilft dem Baum, besser damit klarzukommen. Die Mistel wächst dann weiter, braucht aber ein bisschen, um sich zu erholen. Sind die grünen Triebe einmal entfernt, dauert es ungefähr vier Jahre, bis die Mistel wieder so weit gewachsen ist, dass sie Früchte trägt und sich weiter verbreiten kann.

Warum die Mistel so gefährlich ist

Wie die Apfelbäume unter dem Halbschmarotzer leiden, zeigt sich, wenn man einen befallen Ast durchsägt: Die Mistel schiebt einen Keil in den Ast, um an die Nährstoffadern zu kommen. An der Seite bilden sich Ausläufer, die im sogenannten Xylem unter der Rinde entlang des Astes wachsen. So breitet sich die Mistel über den ganzen Baum aus. Fachleute vermuten, dass auch das Überangebot an Nährstoffen durch die intensive Landwirtschaft und die Klimaerwärmung das Wachstum von Misteln beschleunigen.

Misteln sind auch nützlich

Auch wenn sie nicht geschützt sind, sollten Misteln nur dort entfernt werden, wo sie Probleme bereiten, denn sie sind auch nützlich. Ihre weißen Scheinbeeren gehören zum Winterfutter von mindestens 27 heimischen Vogelarten. Insekten ernähren sich ebenfalls von ihnen - darunter ein paar hochgradig gefährdete Wanzenarten.

Mistel wird auch als Heilpflanze verwendet

Für den Komposthaufen ist die Mistel aber trotzdem viel zu schade. Den kugeligen Pflanzen werden Heilkräfte nachgesagt. Und das nicht nur bei den Comic-Helden Asterix und Obelix, die von ihrem Druiden einen mistelhaltigen Zaubertrank, verabreicht bekommen, bevor sie in die Schlacht ziehen. Blattextrakte werden zur Blutdrucksenkung, bei Arteriosklerose und in der Krebstherapie angewandt. Wer die Mistel im Tee gegen hohen Blutdruck verwenden möchte, hackt am besten die frischen Blätter und trocknet sie erst dann. Anschließend werden sie noch mit Salbei gemischt, der ebenfalls eine blutdrucksenkende Wirkung hat.

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