Stand: 27.10.2020 15:17 Uhr

Urlaub trotz Corona: Welche Regeln gelten für Risikogebiete?

Das Coronavirus hat weltweit zu Reisebeschränkungen geführt. Für viele Länder gelten Reisewarnungen. Rückkehrer aus Risikogebieten müssen in Quarantäne oder einen negativen Test vorlegen. Auch für Reisen innerhalb Deutschlands gelten Einschränkungen. Fragen und Antworten zum Thema.

Wo gelten Beherbergungsverbote für Urlauber aus Risikogebieten?

Schriftzug "Hotel" vor blauem Himmel © Picture-Alliance / ZB / dpa Foto: Stefan Sauer
Bei Inlandsreisen müssen Urlauber aus Risikogebieten mit Beherbergungsverboten rechnen.

Generelle Reisebeschränkungen innerhalb Deutschlands bestehen derzeit nicht. In Hamburg gilt allerdings ein Beherbergungsverbot für Urlauber aus Regionen, in denen es viele Corona-Neuinfektionen gibt (mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen). Reisende aus solchen Risikogebieten dürfen dort nur übernachten, wenn sie einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist. In mehreren Bundesländern, darunter auch in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, wurde ein entsprechendes Verbot inzwischen zurückgenommen oder von Gerichten gekippt .

Welche Auslandsreisen sind möglich?

Das Auswärtige Amt hat die seit März geltende weltweite Reisewarnung für touristische Reisen am 1. Oktober aufgehoben und durch differenzierte Reise- und Sicherheitshinweise für einzelne Länder ersetzt. Reisende sollten sich auf der Website des Auswärtigen Amts über aktuelle Hinweise zum jeweiligen Urlaubsland informieren.

Wo gelten Reisewarnungen?

Segelboote dümpeln im historischen Hafen Nyhavn in Kopenhagen. © NDR Foto: Daniel Sprenger
Das Auswärtige Amt warnt unter anderem vor Reisen nach Kopenhagen.

Gewarnt wird weiterhin vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in eine Reihe von EU-Staaten sowie zahlreiche andere europäische und außereuropäische Länder. Sie wurden aufgrund hoher Infektionszahlen vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiete eingestuft. Unter anderem lag dort die Zahl der Corona-Neuinfektionen bei mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot, sondern ein dringender Appell des Auswärtigen Amtes entsprechende Reisen nicht zu unternehmen.

Welche Regionen sind Risikogebiete?

Außerhalb der EU gelten Reisewarnungen unter anderem für beliebte Reiseziele wie Ägypten, Tunesien und große Teile der Türkei - mit Ausnahme der Provinzen Antalya, Aydin, Izmir und Muğla. Betroffen in Europa sind derzeit unter anderem folgende Länder, Regionen und Städte:

  • Andorra: das ganze Land
  • Belgien: das ganze Land
  • Bulgarien: einzelne Regionen
  • Dänemark: Region Hovedstaden mit der Hauptstadt Kopenhagen
  • Estland: einzelne Regionen
  • Finnland: die Region Österbotten 
  • Frankreich: das ganze Land
  • Gibraltar (britische Exklave)
  • Großbritannien: das ganze Land
  • Irland: das ganze Land
  • Italien: die Regionen Ligurien, Kampanien, Aostatal, Umbrien, Lombardei, Piemont, Toskana, Venetien, Latium, Abrruzzen, Friaul-Julisch Venetien, Emilia-Romagna, Sardinien und die autonome Provinz Bozen
  • Island: das ganze Land
  • Kroatien: mehrere Regionen
  • Liechtenstein
  • Litauen: einzelne Regionen
  • Luxemburg: das ganze Land
  • Malta: das ganze Land
  • Niederlande: das ganze Land
  • Österreich: die Hauptstadt Wien sowie die Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland und die Steiermark
  • Polen: das ganze Land
  • Portugal: der Großraum Lissabon und die Region Norte
  • Rumänien: das ganze Land
  • Schweden: Stockholm sowie mehrere Provinzen
  • Schweiz: das ganze Land
  • Slowakei: das ganze Land
  • Slowenien: mehrere Regionen
  • Spanien: das ganze Land mit Ausnahme der Kanarischen Inseln
  • Tschechien: das ganze Land
  • Ungarn: die Hauptstadt Budapest sowie mehrere Regionen

Außerdem rät das Auswärtige Amt von Reisen nach Norwegen ab, weil das Land eine zehntägige Quarantäne für Reisende aus Deutschland verfügt hat.

Gibt es nach der Rückkehr aus Risikogebieten eine Testpflicht?

Fluggäste mit Corona-Masken auf dem Wiener Flughafen © Picture-Alliance / NurPhoto Foto: Nicolas Economou
Nach einer Auslandsreise in ein Risikogebiet müssen Rückkehrer zum Corona-Test.

Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreist, muss sich auf das Coronavirus testen lassen und sich sofort bei seinem zuständigen Gesundheitsamt melden. Der Test kann auch im Ausland erfolgt sein, darf aber nicht älter als 48 Stunden sein. In Deutschland sind die Tests für Reisende aus Risikogebieten innerhalb von 10 Tagen kostenlos und werden bei der Ankunft auf einigen Flughäfen, in Seehäfen sowie in der Nähe des Wohnortes angeboten.(Informationen unter der Telefonnummer 116 117). Möglich sind auch Antigentests, sogenannte Schnelltests. Heimkehrer ohne negatives Testergebnis müssen 14 Tage in häuslicher Quarantäne bleiben. In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein kann die Quarantäne nur mit zwei negativen Testergebnissen verkürzt werden, zwischen denen mindestens fünf Tage liegen müssen.

Die Testpflicht gilt nicht für Reisende, die durch ein Risikogebiet gefahren sind, ohne dort anzuhalten. Ausnahmen gibt es unter anderem auch für Berufspendler und Reisende, die weniger als 48 Stunden in einem Risikogebiet waren. Die genauen Regelungen unterscheiden sich in den Bundesländern.

Bund und Länder haben sich darauf geeinigt, die geltende Regelung für Reiserückkehrer aus Risikogebieten ab dem 8. November zu ändern. Rückkehrer müssen dann sofort für zehn Tage in Quarantäne gehen und sich beim Gesundheitsamt melden. Die Isolation kann frühestens am fünften Tag nach der Einreise durch einen Test beendet werden, der negativ ausfällt. Das Gesundheitsamt muss in jedem Fall über das Testergebnis informiert werden. Die konkrete Umsetzung dieser Regeln liegt bei den Bundesländern.

Was geschieht bei einem positiven Test?

Bei einem positiven Testergebnis bleibt die Quarantäne bestehen, auch wenn sich keine Krankheitssymptome zeigen. Das gilt auch für die Personen, mit denen die Betroffenen nahen Kontakt hatten. Das Einhalten der Quarantäne wird vom zuständigen Gesundheitsamt überwacht.

Gibt es Lohnfortzahlung in der Quarantäne?

Bislang hatten Reiserückkehrer aus Risikogebieten durch die verpflichtende Quarantäne meist keinen Verdienstausfall zu befürchten. Auch das soll sich ändern: Wer nach einer Reise in ein Risikogebiet wegen der Quarantäne nicht arbeiten kann, soll demnach künftig keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung haben. Wann die Neuregelung in Kraft tritt, ist aber noch unklar.

Wie ist die Situation bei Kreuzfahrten?

Das Auswärtige Amt rät von Kreuzfahrten ab. Ausgenommen sind Flusskreuzfahrten innerhalb der EU und des Schengen-Raums mit besonderen Hygienekonzepten sowie Fahrten, die in einem deutschen Hafen starten und enden, ohne zwischendurch in einem Hafen im Ausland anzulegen und ebenfalls spezifische Hygienekonzepte vorweisen.

Gibt es Einschränkungen bei der Deutschen Bahn?

Die Deutsche Bahn fährt auf fast allen Verbindungen im Fernverkehr - auch ins benachbarte Ausland - wieder im Normalbetrieb. Tickets, die bis zum 13. März gekauft wurden, dürfen flexibel und ohne Zugbindung bis zum 31. Oktober 2020 genutzt werden. Für Fahrkarten, die ab dem 14. März gekauft wurden, gelten die normalen Stornobedingungen. In allen Zügen gilt eine Maskenpflicht. Die wichtigsten Fragen beantwortet die Bahn auf ihrer Website.

Kann ich gebuchte Reisen kostenlos stornieren?

Kunden können Pauschalreisen in Staaten, für die eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt, kostenlos stornieren. Einige Reiseveranstalter teilen diese Rechtsauffassung jedoch nicht. Im Einzelfall müssen Gerichte entscheiden.

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Besteht für das Urlaubsziel keine Reisewarnung, kann der gebuchte Urlaub nicht mit Hinweis auf Corona kostenfrei abgesagt werden. Die Verbraucherzentrale rät in diesem Fall, sich mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen einer frühen Stornierung genau zu beschäftigen. Nähere Hinweise geben die Verbraucherschützer auf ihrer Website.

Auch wer Reiseleistungen wie Flüge und Übernachtungen direkt gebucht hat, hat Chancen, sein Geld zurückzubekommen - zumindest, wenn die Buchung nach deutschem Recht erfolgte. Wurde der Vertrag direkt mit einem ausländischen Unternehmen geschlossen, greift dortiges Recht.

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NDR Info | Nachrichten | 13.10.2020 | 16:00 Uhr

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