Stand: 22.11.2019 09:24 Uhr  - DAS!

Totensonntag - ein stiller Feiertag

Bild vergrößern
Am Totensonntag gedenken evangelische Christen verstorbener Angehörigen und Freunden.

Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag: Der November ist der Monat des Gedenkens. Den Abschluss bildet traditionell der Totensonntag, der Gedenktag der evangelischen Christen für die Verstorbenen. Die Kirche selbst spricht lieber vom Ewigkeitssonntag und nimmt damit Bezug auf den Glaube an Auferstehung und ein ewiges Leben. Der Ewigkeitssonntag ist der letzte Sonntag des zu Ende gehenden Kirchenjahres, das neue beginnt jeweils eine Woche später am ersten Adventssonntag.

Länder regeln den "stillen Feiertag"

Ein gesetzlicher Feiertag ist der Totensonntag in Deutschland nicht - wie auch der Volkstrauertag, der an die Opfer von Krieg und Gewalt erinnert. Dennoch gelten für den Ewigkeitssonntag, der stets auf ein Datum zwischen dem 20. und dem 26. November fällt, besondere Regelungen. Die Feiertagsgesetze der Bundesländer legen fest, dass an diesem "stillen Feiertag" keine öffentlichen Veranstaltungen stattfinden dürfen, die nicht dem "ernsten Charakter" des Tages entsprechen. Dies gilt etwa in Niedersachsen für 24 Stunden, in Mecklenburg-Vorpommern von 4 Uhr bis Mitternacht, in Schleswig-Holstein von 6 bis 20 Uhr und in Hamburg nur von 6 bis 17 Uhr.

Damit dürfen auch Weihnachtsmärkte am Totensonntag nicht öffnen. Die meisten Märkte beginnen daher erst in der Woche danach, rechtzeitig vor dem ersten Adventssonntag.

Ursprünge des Totensonntags im Mittelalter

Die evangelischen Kirchen sehen die Ursprünge des Ewigkeitssonntags in der Reformation. Als Totensonntag rief ihn König Friedrich Wilhlem III. von Preußen aus. Von 1816 an, nach den verlustreichen Befreiungskriegen gegen Napoleon, sollte am Sonntag vor dem ersten Advent der Verstorbenen gedacht werden. Bald griffen mehrere Landeskirchen den Vorstoß auf. Heute werden am Ewigkeitssonntag in vielen Kirchen die Namen der Menschen genannt, die im Jahr zuvor gestorben sind. Christen nehmen den Tag zum Anlass, die Gräber ihrer Angehörigen zu besuchen und zu schmücken. So hat der Tag für Protestanten eine ähnliche Bedeutung wie Allerseelen am 2. November für Katholiken.

Gedenktage im November

Allerheiligen: Gesetzlicher Feiertag in fünf Bundesländern am 1. November. Gedenktag der katholischen Kirche für alle vom Papst heilig gesprochenen Menschen und jene, die ihren Glauben konsequent leben.
Allerseelen: Gedenktag der katholischen Kirche für alle Verstorbenen und ihre Seelen am 2. November. Kein gesetzlicher und kein "stiller" Feiertag.
Volkstrauertag: Gesetzlicher Feiertag am vorletzten Sonntag des evangelischen Kirchenjahres. 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Gedenken an die Toten des Ersten Weltkriegs eingeführt.
Buß- und Bettag: Evangelischer Feiertag, der der Besinnung und kritischen Lebensbilanz dienen soll. Als gesetzlicher Feiertag 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft (Ausnahme: Sachsen). Termin: mittwochs zwischen Volkstrauertag und Totensonntag.
Totensonntag: "Stiller Feiertag", an dem evangelische Christen der Verstorbenen gedenken. Termin: eine Woche vor dem 1. Adventssonntag.

Weitere Informationen

Reformationstag: Protestanten erinnern an Luther

Am 31. Oktober feiern die evangelischen Christen den Reformationstag. Seit 2018 gilt er im ganzen Norden als gesetzlicher Feiertag. Was steckt hinter diesem Gedenktag? mehr

Grablichter werden zum Problem für die Umwelt

Zehntausende Grablichter brennen allein auf den Friedhöfen in Hamburg. Fast alle stecken in Einweg-Hüllen aus Kunststoff, die häufig nicht richtig entsorgt werden. mehr

Bestattung: Von der Pyramide zum Waldgrab

Die Geschichte der Bestattung ist so alt wie die der Menschheit. Religiöse und kulturelle Einflüsse sorgten für stetigen Wandel. Ein Überblick. mehr

Schöne Grabbepflanzung für Herbst und Winter

Die letzte Ruhestätte verdient im Herbst besondere Aufmerksamkeit. Immergrüne Bodendecker in Kombination mit Winterblühern wie Heide oder Christrose ergeben ein schönes Bild. mehr

Letzte Heimat Engesohde

Hannovers Stadtfriedhof Engesohde ist Stadtgeschichte und Park zugleich. Dort ruhen zahlreiche Prominente wie der Künstler Kurt Schwitters. Ein Rundgang in Bildern. mehr

Friedhof Ohlsdorf: Hamburgs stille Oase

In Ohlsdorf ruhen viele bekannte Hamburger, aber auch unzählige Kriegsopfer. Wichtige Ereignisse der Hansestadt spiegeln sich in den Mahnmalen und Gräbern des Parkfriedhofs wider. mehr

Dieses Thema im Programm:

DAS! | 15.07.2019 | 18:45 Uhr

Mehr Ratgeber

03:45
Mein Nachmittag
29:32
Wie geht das?
06:27
Visite