Stand: 05.11.2018 17:26 Uhr

Moore - unheimlich und unheimlich wichtig

Lebensfeindlich, mystisch und ein bisschen gruselig: Das Moor war für den Menschen lange Zeit ein Gegner. Aber er hat es über die Jahrhunderte erobert, trockengelegt und für sich genutzt. Torfabbau ist heute höchst umstritten. Denn die Moore spielen eine wichtige Rolle für unser Klima. Sie sind effektive Kohlenstoffspeicher und Lebensraum für viele selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten.

Ein Moorgebiet mit blühender Heide © colourbox

Wie wichtig sind Moore und Torf für das Klima?

Moore sind effektive Kohlenstoffspeicher und Lebensraum für viele selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten. Ihre Bedeutung fürs Klima erklärt NDR WissensChecker Tim Berendonk bei tagesschau24.

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Moore als Kohlenstoffspeicher

Moore speichern mehr Kohlendioxid als jedes andere Ökosystem der Welt. Als auf dem Bundeswehrgelände in Meppen wochenlang das Moor brannte, wurden Schätzungen des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) zufolge mindestens 500.000 Tonnen CO2 freigesetzt. Das entspricht in etwa so viel CO2, wie ein Braunkohlekraftwerk mit voller Leistung in zwei Wochen ausstößt. Niedersachsens Grüne gehen sogar von 1,2 Millionen Tonnen des Klimagases aus.

Große Bedeutung für den Klimaschutz

Moore bestehen zu 95 Prozent aus Wasser und spielen eine wichtige Rolle im Wasserhaushalt. Sie sind sehr effektive Wasserspeicher, die helfen, Überschwemmungen und Flutkatastrophen zu verhindern. Obwohl Moore nur drei Prozent der Erdoberfläche bedecken, speichern sie rund 30 Prozent des erdgebundenen Kohlenstoffs. Nach Angaben des BUND binden die Moore weltweit doppelt so viel CO2 wie alle Wälder zusammengenommen. "Intakte Moore sind für den Schutz des Klimas von zentraler Bedeutung", betont Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium. Werden sie zerstört, verursacht das volkswirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe.

Die Folgen der Entwässerung

Von den ursprünglich rund 1,5 Millionen Hektar Moor in Deutschland - entsprechend 4,2 Prozent der Fläche des Landes - gelten laut Bundesumweltministerium heute nur noch etwa fünf Prozent als naturnah. Viele Moore wurden trockengelegt, um die Flächen landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Doch die Entwässerung hat Folgen: Wird einem Moor das Wasser entzogen, trocknen die Torfkörper aus und Nährstoffe werden freigesetzt. Das Moor kann kein Wasser mehr speichern oder zurückhalten, Kohlendioxid wird freigesetzt. Auch die biologische Vielfalt nimmt ab. Trockengelegte Moore sind für geschätzt zwei bis drei Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich - mehr, als alle Windräder in Deutschland einsparen.

Inzwischen wird im Sinne des Klimaschutzes daran gearbeitet, einige Moorflächen wieder zu vernässen. An der Universität Greifswald forscht man deshalb an Anwendungen der sogenannten Paludikultur, um die Flächen weiter nutzen zu können - also an einem Konzept zur nachhaltigen Bewirtschaftung nasser Flächen. 

Torf - ein Alleskönner

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Der Bedarf an Torf ist groß.

Der Bedarf an Torf ist ungeachtet groß, vor allem im Gartenbau. Zierpflanzen, Salat, Gemüse - nahezu jeder Setzling im professionellen Gartenbau wächst heute noch auf Torferde heran. Denn Torferde erfüllt hohe Ansprüche: Sie speichert Luft und Wasser und lässt sich an so gut wie jedes Pflanzenbedürfnis anpassen.

In Deutschland ist der Torfabbau nur auf landwirtschaftlich vorgenutzten Flächen erlaubt, also von Mooren, die bereits vor vielen Jahren trocken gelegt wurden. Doch der Torfabbau in Deutschland läuft allmählich aus. Neue Abbaulizenzen werden aus Natur-und Klimaschutzgründen nicht mehr vergeben. Ausweichflächen hat die deutsche Torfindustrie im Baltikum gefunden. Hier gibt es noch große Flächen lange trocken gelegter Moore.

Die Suche nach einem Torfersatz

Industrie und Forschung suchen nach Ersatzstoffen für Torf, doch alle habe ihre Nachteile: Kompost zum Beispiel ist für viele Pflanzen zu nährstoffreich, Holzfasern speichern Wasser nicht so gut und  Kokosfasern sind wegen des langen Transportwegs auch ökologisch fragwürdig. An der Universität Freiburg wird derzeit daran gearbeitet, Torfmoos zu züchten und anzubauen.

Hobbygärtner sollten im Sinne des Klimaschutzes darauf achten, dass sie auf torffreie Blumenerde zurückgreifen. Der BUND hat einen Einkaufsführer für torffreie Erden herausgegeben, der von der Homepage heruntergeladen werden kann.

Kann man im Moor versinken?

Anders als manch Gruselmärchen vermuten lässt, kann man im Moor zwar einsinken, aber nicht untergehen - dank der Gesetze der Physik: Im Wasser kann ein Mensch untergehen, denn die Dichte seines eigenen Körpers ist größer als die von Wasser. Moore sind aber weder Wasser noch Land: Der Schlamm besteht aus Pflanzenresten, die unter Luftabschluss nicht vollständig verrottet sind.  Dieser Moorschlamm hat eine wesentlich höhere Dichte als der menschliche Körper - deshalb drückt er ihn wie einen Korken immer wieder nach oben.
Steckt man erst mal bis zur Brust drin, kann man sich allerdings ohne Hilfe kaum befreien und der Körper kühlt im kalten Schlamm aus. Das war vermutlich auch das Schicksal so mancher Moorleiche, von denen mehr als 1.000 in Europa gefunden wurden.

Dieses Thema im Programm:

tagesschau24 | 06.11.2018 | 09:20 Uhr

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