Stand: 06.09.2018 10:18 Uhr  | Archiv

Nervig oder nützlich? Wissenswertes über Wespen

Nahaufnahme einer Wespe. © fotolia Foto: james633
Wespen fliegen vor allem auf Blüten und helfen bei der Bestäubung.

Für die meisten Menschen sind Wespen einfach nur nervig: Kaum hat man es sich im Freien mit einem Getränk, Kuchen oder Grillfleisch gemütlich gemacht, sorgen sie für Ärger. Ihre Stiche sind schmerzhaft und für Allergiker sogar lebensgefährlich. Wespen sind aber auch äußerst nützliche Insekten, die von ihrem Wesen her sehr friedfertig sind. Fragen und Antworten zu den fliegenden Insekten.

Warum sind Wespen nützlich?

Wespen gehören wie auch Bienen zu den sogenannten Hautflüglern und übernehmen eine wichtige Aufgabe im Ökosystem. Die meisten Wespenarten ernähren sich von Pflanzensäften und Obst. Dazu besuchen sie viele Blüten und tragen zu deren Bestäubung und damit zu einer reichen Obsternte bei. Wespen sind aber auch Fleischfresser und jagen andere Insekten wie Fliegen, Mücken, Blattläuse und kleine Raupen, denn ihre Brut braucht tierisches Eiweiß für die Entwicklung. Dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) zufolge vertilgt ein kleiner Wespenstaat bis zu 3.000 Fliegen, Mücken, Raupen, Motten, Spinnen und andere Kleintiere pro Tag. Auf diese Weise vernichten die Wespen auf ganz natürliche Art jede Menge Schädlinge, was sowohl der Landwirtschaft als auch Hobbygärtnern zugutekommt.

Warum nerven Wespen?

Von den mehr als 500 Wespenarten fliegen nur zwei auf Deftiges und Süßes auf unseren Tischen - die Deutsche Wespe und die Gewöhnliche Wespe. Sie sind entsprechend lästig und dafür verantwortlich, dass Wespen so einen schlechten Ruf haben. Während die Tiere den Sommer über vor allem eiweißreiche Nahrung für die Versorgung ihrer Brut brauchen und dann auch vor Steaks und Würstchen nicht haltmachen, sind sie im Spätsommer auf energiereiche Nahrung angewiesen. Sie benötigen die Kohlenhydrate, um die Jungköniginnen für den Winter fit zu machen. Zudem brauchen sie die zuckerhaltige Nahrung als "Treibstoff" für ihre Flugmuskulatur. Wichtig zu wissen ist, dass sich die Wespen zwar für die süßen Leckereien der Menschen interessieren, nicht aber für den Menschen selbst.

Wie leben Wespen?

Es gibt solitär lebende Wespenarten, bei denen die Königin alleine für die Aufzucht der Brut verantwortlich ist, und soziale Wespen, die Staaten bilden. Zu ihnen gehören auch die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Die Jungköniginnen beginnen im Frühling mit dem Nestbau. Das Startnest der Königin besteht aus einer kleinen Wabe mit wenigen, sechseckigen Zellen. In diese legt sie jeweils ein Ei und zieht die ersten Larven selbst groß. Etwa Ende April bis Anfang Mai schlüpft der erste Nachwuchs: Arbeiterinnen, die die Aufzucht der weiteren Larven übernehmen und für sie auf die Jagd gehen. Diese Arbeiterinnen sind geschlechtslos. Erst im Spätsommer entwickeln sich Geschlechtstiere im Wespenvolk, die Jungköniginnen (Weibchen) und Drohnen (Männchen). Sie fliegen aus und paaren sich. Während die Drohnen bald danach sterben, suchen die befruchteten Königinnen ein Versteck für den Winter. Das übrige Wespenvolk samt der alten Königinnen stirbt spätestens mit den ersten Nachtfrösten. Die alten Nester werden nicht weiter verwendet und zerfallen mit der Zeit.

Sind Wespen mit Bienen verwandt?

Ja, Wespen sind direkte Verwandte der Honigbienen - anders als sie sind sie aber keine reinen Vegetarier. Äußerlich unterscheiden sich Wespen deutlich von Bienen: Ihr Körper ist schwarz-gelb gestreift und weist die typische Wespentaille auf, er läuft in der Mitte schmal zu. Auch die Nester unterscheiden sich deutlich von den Behausungen anderer Insekten. Wespen nisten an dunklen, geschützten Orten und die Konsistenz ihres Nests erinnert an Altpapier. Es wird aus kleingekautem Holz und Speichel kunstvoll gebaut.

Was sind Hornissen?

Die deutlich größeren Hornissen sind eine Wespenart, die sehr selten und sogar vom Aussterben bedroht ist. Lange Zeit galten Hornissen als aggressiv und ihr Gift als besonders stark. Beides stimmt nicht, denn die Tiere sind eine der friedlichsten Wespenarten überhaupt. Die Tiere müssen schon sehr gereizt oder ihr Nest attackiert werden, damit sie sich verteidigen. Hornissenstiche sind zwar äußerst schmerzhaft, das Gift ist aber im Vergleich zu dem von Bienen weniger stark.

Gibt es diesen Sommer besonders viele Wespen?

Ja, denn 2018 war bislang ein perfektes Wespenjahr: Im Frühling gab es weder Überschwemmungen noch lange Frostphasen, die milden Temperaturen machten es den Königinnen besonders leicht, ihre Nester zu bauen. Daher gibt es in diesem Jahr besonders viele Wespenvölker. Am Sommerende finden die Tiere in der Natur weniger Nahrung, zumal wegen der großen Hitze weniger Blüten vorhanden sind. Deshalb besuchen sie uns.

Warum stechen Wespen?

Wespen stechen in der Regel nur, wenn ihre Königin oder ihr Nest angegriffen werden oder sie sich bedroht fühlen. Das kann der Fall sein, wenn sie sich zum Beispiel in der Kleidung verirrt haben und keinen Ausweg finden oder wenn sie in den Mund gelangen - oder wenn man barfuß auf eine Wespe tritt. Anders als Bienen sterben Wespen nicht nach einem Stich, sondern können ihren Stachel mehrfach einsetzen. Er dient eigentlich zum Jagen von Insekten. Beim Stich gelangt ein Gift unter die Haut des Opfers.

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Nahaufnahme des Kopfes einer Wespe © dpa / picture alliance Foto: M. Lenke

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Wespen töten - droht ein Bußgeld?

Wespen dürfen - wie alle wilden Tiere - gemäß Bundesnaturschutzgesetz nicht ohne vernünftigen Grund in ihrer Entwicklung gestört oder gar getötet werden. Ihre Nester dürfen nicht eigenmächtig entfernt werden. Wer ein Wespennest im Garten oder Dachgestühl hat, sollte sich zunächst an die Stadtverwaltung oder die zuständige Naturschutzbehörde wenden. An vielen Orten gibt es Wespenberater, die Nester fachgerecht umsiedeln können. Wer Wespen tötet, kann mitunter belangt werden. Laut Bußgeldkatalog können je nach Bundesland zwischen 5.000 und 50.000 Euro, für besonders geschützte Arten bis zu 65.000 Euro fällig werden. Wie viel Betroffene tatsächlich zahlen müssen, hängt aber immer vom Einzelfall ab.

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Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 07.09.2018 | 16:20 Uhr

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