Stand: 01.02.2020 00:01 Uhr  | Archiv

FAQ zum Brexit: Was ändert sich für Verbraucher?

Jahrelang wurde über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union gestritten, verhandelt und manchmal auch gespottet. Jetzt ist es soweit: Seit dem 1. Februar sind die Briten nicht mehr Teil der EU. Aber merken Verbraucher überhaupt etwas davon im Alltag? Die wichtigsten Fragen und Antworten aus Sicht der Verbraucher.

Ändert sich sofort etwas?

Die Flaggen Großbritanniens und der EU wehen nebeneinander und sind jeweils etwa zur Hälfte zu sehen. © dpa picture alliance / empicss Foto: Kirsty O'Connor
Bis Ende des Jahres wird der Brexit im Alltag kaum zu spüren sein.

Nein. Aber es beginnt eine Übergangsphase: Auf britischem Territorium gilt noch bis zum 31. Dezember 2020 EU-Recht. Bis dahin laufen die Verhandlungen zwischen London und der EU, um Details für Nachfolgeregelungen zu klären.

Ist der Brexit für Reisende spürbar?

Für Reisende ändert sich nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union erstmal nichts. Bis zum Ende des Jahres verbleibt Großbritannien im EU-Binnenmarkt, was bedeutet, dass Reisende weiter lediglich einen gültigen Personalausweis für die Einreise nach Großbritannien benötigen. Ab 2021 geht das - nach jetzigem Verhandlungsstand - nur noch mit einem gültigen Reisepass. Durch die Grenzkontrolle müssen Reisende aus der EU ohnehin, da Großbritannien auch bislang nicht zum europäischen Schengen-Raum gehörte.

Auch die Krankenversicherung und der Führerschein deutscher Reisender behält in Großbritannien bis Ende des Jahres seine Gültigkeit.

Gelten neue Regelungen für den Zoll?

Durch die Anwendung der Regelungen des europäischen Binnenmarktes fallen bis Jahresende keine Zölle und keine Einfuhrkontrollen an der Grenze an. Grundsätzlich gilt: Sollte kein Verbleib in der Zollunion oder ein entsprechendes Handelsabkommen bis Jahresende beschlossen werden, drohen bald Zölle im Warenverkehr mit der EU.

Gibt es Änderungen im Onlinehandel?

Käufer britischer Waren werden nicht benachteiligt, denn auch bei Einkäufen außerhalb der EU gelten diverse EU-Verbraucherschutzrechte, wie das 14-tägige Widerrufsrecht und eine Gewährleistung von zwei Jahren. Allerdings drohen auch hier Zölle, sollte es bis Ende des Jahres kein Handelsabkommen geben.

Fallen nun wieder Roaming-Gebühren an?

Nach der Übergangsphase gelten auch die EU-weiten Roaming-Regeln, also das gebührenfreie Nutzen fremder Mobilfunknetze, auf der Insel nicht mehr. Verbraucherschützer sehen bislang aber kein Anzeichen dafür, dass die Preise für Telefonie, SMS oder mobile Daten ab 2021 automatisch steigen werden, denn die Mobilfunkanbieter können Großbritannien weiterhin freiwillig in die EU-Zone einstufen.

Was ändert sich für EU-Bürger auf der Insel und Briten in der EU?

Nicht viel, der Brexit-Vertrag sichert den drei Million EU-Bürgern auf der Insel und einer Million Briten auf dem Festland zu, dass sie wie bisher weiterleben können. Das betrifft das Aufenthaltsrecht, das Arbeitsleben und auch den Familiennachzug.

Was passiert aus Verbraucher-Sicht in der Übergangsphase?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat die EU-Kommission aufgefordert, Verbraucher-Interessen in den anstehenden Verhandlungen bis Ende des Jahres mit der britischen Regierung eine hohe Priorität einzuräumen. "Verbraucher müssen auch nach dem Ende der Übergangszeit auf sichere Produkte und Dienstleistungen aus dem Vereinigten Königreich vertrauen können", sagt vzbv-Vorstand Klaus Müller.

Und was ist, wenn die EU-Kommission aus Sicht der Verbraucher schlecht verhandelt?

Dann drohen laut Verbraucherzentrale nach Ablauf der Übergangsfrist bis Ende des Jahres negative Folgen. Dazu zählen der Wegfall von Passagier-Rechten bei Reisen ins Vereinigte Königreich, Änderungen beim Online-Shopping, Zollgebühren oder der Wegfall des Versicherungsschutzes durch die europäische Krankenversicherungskarte.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 30.01.2020 | 11:40 Uhr

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