Stand: 26.07.2018 17:45 Uhr  | Archiv

Ein "Möglichst-wenig"-Verpackungsgesetz muss her

Deutschland ist "Verpackungs-Europameister": Im Schnitt verbrauchen wir etwa 40 Prozent mehr Plastik, Papier, Aluminium und Einwegglas als unsere Nachbarn in Europa. 220 Kilogramm waren es pro Kopf im Jahr 2016. Fruchten alle Appelle und Maßnahmen nicht, die Verpackungsmüll-Flut einzudämmen?

Ein Kommentar von Eva Ellermann, SWR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Die SWR-Journalistin Eva Ellermann steht in einem Hörfunkstudio und lächelt in die Kamera. © SWR Foto: Alexander Kluge
Besonders abstruse Verpackungen gehören einfach verboten, meint Eva Ellermann.

Ich bin auch Europameisterin ... leider! Vor Kurzem habe ich mir im Netz einen hippen Rucksack bestellt, schon mit schlechtem Gewissen, aber kein Händler in meiner Umgebung hatte die Marke.

Der Rucksack kam: im Karton, in einer Plastiktüte, und dann noch in Seidenpapier mit Schleifchen gehüllt - es soll ja "wertig" aussehen. So viel Verpackung für den Müll, dass es schon fast wieder egal ist, dass der Rucksack aus recycelten Plastikflaschen gemacht ist.

Verpackungsflut überrollt uns

Die Verpackungsflut überrollt uns: 20 einzeln verpackte kleine Schokoriegel in einer Plastiktüte, der Obstsalat für unterwegs in der Plastikschale, der Coffee-to-go-Becher aus Styropor, das Aluschälchen für die eine Portion Katzenfutter, das Mini-Marmeladenglas, die Würstchen jetzt in Plastik statt in der Dose.

Wir bestellen online und lassen uns alles einzeln verpackt schicken - und schicken es auch noch zurück, wo alles wieder neu verpackt wird.

Kein Wunder, dass jeder Deutsche mehr als 220 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf und Jahr wegwirft - so viel wiegen zwei bis drei Waschmaschinen. Knapp die Hälfte davon geht auf unser Konto als Verbraucher, und fast 25 Kilo davon sind Plastikverpackungen.

Die Verbraucher zeigen guten Willen, aber ...

Dabei zeigen wir Verbraucher guten Willen: Ein ganz kleines bisschen ist der Müllberg aus Plastikverpackungen im Privatverbrauch geschrumpft. Wir geben uns ja Mühe, wir wissen längst, dass Verpackungen ein Umweltproblem sind. Auf die Plastiktüte im Supermarkt können wir inzwischen schon ganz gut verzichten, aber wir stecken in einem Dilemma: Wir greifen öfter zu Glasflaschen oder Aluverpackungen. Okay, da wird schon viel mehr recycelt, aber die Herstellung frisst viel Energie.

Sogenannte Unverpackt-Läden boomen, aber in der Ökobilanz steht der Tofu aus der herkömmlichen Verpackung besser da als der aus dem Unverpackt-Laden.

Ziel: Verpackungsmüll vermeiden!

Fazit: Die Verpackungsflut können wir Verbraucher alleine nicht aufhalten. Die Industrie ist mindestens die andere Hälfte des Problems. Das neue Verpackungsgesetz, das im nächsten Jahr kommt, wird wenig helfen. Die Große Koalition setzt nur auf mehr Recycling, aber was wir brauchen ist ein "Möglichst-wenig"-Verpackungsgesetz.

Verpackungsmüll vermeiden, das müsste das Ziel sein - und zwar schon bevor der Verbraucher das Produkt in die Hand bekommt. Wenn die Bundesregierung uns Verbrauchern die Plastiktüten mit Extra-Abgaben austreibt, warum dann nicht auch der Industrie den Verpackungswahn? Und ich finde, besonders abstruse Verpackungen gehören einfach verboten. Die Chancen stehen aber gut, dass wir Europameister bleiben. Leider.

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NDR Info | Kommentar | 26.07.2018 | 17:08 Uhr

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