Stand: 05.06.2018 16:00 Uhr

Eichenprozessionsspinner: Plage für Mensch und Wald

Eine Raupe des Eichenprozessionsspinners auf einem Baumstamm.

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich in Norddeutschland immer weiter aus - in einigen Regionen teils explosionsartig. Dabei stammt die Schmetterlingsart eigentlich aus Südeuropa. Begünstigt wird Forstexperten zufolge die Verbreitung des Eichenprozessionsspinners durch den Klimawandel. Demnach bevorzugt die bis zu fünf Zentimeter große Raupe lichte Eichenwälder, Waldränder und Alleen. Auch einzelne Bäume können von ihr befallen werden. Besonders wohl fühlt sich der Eichenprozessionsspinner in trocken-warmen Regionen. Daher habe er sich im Norden vor allem in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zur Plage entwickelt, erklärt Mathis Jansen vom Landesforst MV.

Baumsterben und Atemnot

Gefährlich sind allerdings nicht die ausgewachsenen Schmetterlinge, sondern die Raupen. Im Frühling fressen sie den Eichen die Blätter weg. Übrig bleiben zum Teil herbstlich kahle Baumkronen. Davon erholen sich die Bäume oft nur schwer. Wird dieselbe Eiche über mehrere Jahre kahl gefressen, drohen die Bäume gänzlich abzusterben.

Für Menschen und Tiere wird die Raupe in ihrem dritten Larvenstadium (zwischen Mai und Juni) unangenehm. Dann bildet sie giftige Brennhaare. Sie enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Etwa 600.000 Brennhaare besitzt jedes Tier. Bei Berührung mit der Haut können die Haare zu Hautausschlägen mit intensivem Juckreiz, Atemnot oder gar einem allergischen Schock führen. Auch wenn sich die Raupen bereits gehäutet haben und zu harmlosen Faltern geworden sind, bleiben Millionen der Gifthärchen in den Nestern zurück. Die kleinen Brennhaare brechen leicht und nur ein Windstoß genügt, um sie kilometerweit zu verbreiten.

Was tun, wenn Brennhaare auf dem Körper sind?

Wer mit den Haaren in Kontakt gekommen ist, sollte die Haut gründlich abduschen, Haare waschen und die Kleidung wechseln und in der Maschine waschen. Kühlen der betroffenen Stellen sowie antiallergische Medikamente (Antihistaminika) oder eine kortisonhaltige Salbe können die Beschwerden lindern. Bis zu zwei Wochen können die Beschwerden anhalten. Experten empfehlen bei einem großflächigen Ausschlag oder Unwohlsein nach dem Kontakt mit den Raupen einen Arzt aufzusuchen.

Bekämpfung Experten überlassen

Nestern sollte man sich nur in Schutzbekleidung, Schutzbrille und mit einer Atemmaske nähern. Die Gespinste sollten nicht mit Feuer oder Wasser bekämpft werden. Dadurch könnten die Brennhaare noch mehr aufgewirbelt und verbreitet werden. Experten raten generell davon ab, die Nester selbst abzutragen. Professionelle Schädlingsbekämpfer saugen die Nester mit Industriestaubsaugern ab. Anschließend werden sie in der Erde vergraben oder aber in geschlossenen Anlagen verbrannt. Sind die Raupen noch klein und die Haare nicht ausgebildet, können sie mit Gift bekämpft werden.

Innerorts werden die Krabbeltiere meist vom Boden aus bekämpft. Bei großen Waldflächen wird das Gift von einem Hubschrauber aus verprüht.

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Von einem Traktor wird gegen den Eichenprozessionsspinner gesprüht.
NABU gegen Gift-Einsatz

Der Naturschutzbund (NABU) in Niedersachsen lehnt einen solchen Biozid-Einsatz allerdings ab. Die Umweltschützer befürchten erhebliche ökologische Risiken und unbekannte Folgen für das Ökosystem. Sie plädieren dafür, Warnhinweise in den betroffenen Waldgebieten aufzustellen und den Zugang zu stark befallenen Gebieten zeitlich befristet abzusperren. Denn das Ökosystem könne sich auch allein effektiv und nachhaltig regulieren. Dafür müssten allerdings Mischwälder mehr gefördert werden, so der NABU.

Weitere Informationen

Eichenprozessionsspinner: Gefährliche Raupe

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners leben an Ästen und Stämmen von Eichen. Ihre winzigen Brennhaare enthalten Nesselgift und können heftige allergische Reaktionen auslösen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 04.06.2018 | 18:00 Uhr

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