Stand: 07.12.2017 20:00 Uhr

Daniel Müller-Schott im fremden Revier

Cello Reimagined
von Daniel Müller-Schott
Vorgestellt von Franziska von Busse
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Daniel Müller-Schott zählt zu den besten Cellisten der Welt.

Wolfgang Amadeus Mozart war nicht nur ein herausragender Musiker und ein kreativer Kopf - er hat auch sein Publikum gut gekannt. Und ihm war klar: Am besten, man bietet beiden Gruppen etwas: denen, die sich auskennen, und denen, die einfach nur zuhören wollen. Der Cellist Daniel Müller-Schott und das Kammerorchester L'Arte del Mondo haben gemeinsam eine neue CD veröffentlicht, auf der sie unter anderem Mozart spielen - und mit der ihnen genau das gelingt: ein Hörerlebnis, das eingängig ist - aber auch ein bisschen ausgefallen.

Im fremden Revier

Daniel Müller-Schott ist im fremden Revier unterwegs: wie im Flötenkonzert KV 314 von Wolfgang Amadeus Mozart, in Mozarts Adagio KV 261 für Violine und Orchester oder im G-Dur-Violinkonzert von Joseph Haydn. Warum macht er das? Weil er das Cello-Repertoire durch hat? Weil Mozart leider kein Cellokonzert komponiert hat? Weil Bearbeitungen gerade ganz beliebt sind beim Publikum? Könnte man alles annehmen.

Wenn man Müller-Schott allerdings ein bisschen kennt, dann weiß man: Er ist ein Denker. Er spielt nicht einfach irgendwelche Bearbeitungen, weil ihm die Stücke gefallen, sondern er hat Spaß daran, Querverbindungen zu ziehen und sie auch fürs Publikum hörbar zu machen.

CD-Tipp
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Daniel Müller-Schott spielt Dvořák

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Das NDR Sinfonieorchester und Daniel Müller-Schott haben unter Leitung von Michael Sanderling die Cello-Werke Antonín Dvořáks eingespielt. Die CD erschien am 23. April 2014. mehr

Zum Beispiel die Linie von Carl Philipp Emanuel Bach zu seinem Vater Johann Sebastian. Der Sohn denkt musikalisch in ganz andere Richtungen. Und kann doch, spätestens, wenn es ernst wird, den Vater nicht ganz verleugnen.

Oder das Sympathieband zwischen Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart: Der eine holt die schöne Natur seiner Kindheit in die Musik, der andere schafft ein musikalisches Zauberland, in das er vielleicht manchmal selbst gerne geflohen wäre.

Ein kleines, feines Gesamtkunstwerk

Das alles wird zusammengehalten vom lichten und noblen Ton, den Müller-Schott seinem fast 300 Jahre alten Cello entlockt. Nur selten kann er zwar in den Bearbeitungen das sonore, tiefe Register voll ausschöpfen. Dafür schwingt er sich offenbar mühelos in jede denkbare Höhe.

Die Kadenzen hat Müler-Schott zum Teil selbst verfasst - seine Gedanken zur Musik, die wir als Zuhörer auf diese Weise mitvollziehen können.

Bleibt nur noch das Orchester zu loben: L'arte del mondo, das unter Leitung von Werner Erhardt mal kammermusikalisch den Dialog aufnimmt, dann wieder ein echt-sinfonisches Klangbild schafft. Allen zusammen ist mit dieser Aufnahme ein kleines, feines Gesamtkunstwerk gelungen.

Cello Reimagined

Label:
Orfeo

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 11.12.2017 | 06:40 Uhr