Stand: 23.11.2018 16:02 Uhr

Cecilia Bartoli: Ein Wiedersehen mit Vivaldi

Antonio Vivaldi
von Cecilia Bartoli
Vorgestellt von Chantal Nastasi

Ihr 1999 veröffentlichtes Vivaldi-Album ist längst ein Klassiker. Mit dieser Einspielung löste Cecilia Bartoli ein regelrechtes Revival von Vivaldis Opernarien aus. In diesem Jahr schauen die gefeierte Mezzo-Sopranistin und ihr Exklusivlabel Decca auf 30 Jahre Zusammenarbeit zurück - und feiern das mit einem neuen Vivaldi-Album.

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Selten hat man Cecilia Bartoli so introvertiert und berührend gehört wie auf ihrem neuen Album.

Lange galt diese Musik als verschollen. Erst vor zehn Jahren tauchte die Partitur in Prag wieder auf, wo die Vivaldi-Oper "Argippo" 1730 uraufgeführt worden war.

Unglaublich dicht und intensiv verkörpert Cecilia Bartoli die Rolle der Zanaida, akzentreich begleitet von Spinosis Ensemble Matheus. Schon in dieser Arie erleben wir die Sopranistin in ihrer beeindruckenden Wandelbarkeit: in den mühelosen Sprüngen und Koloraturen, in ihrer natürlich gespielten Dramatik, die plötzlich in zerbrechliches Klagen wechselt.

Das Faszinierende: Bartoli beherrscht Leichtigkeit und Intimität gleichermaßen - wie in der Arie aus "La Silvia", einer Oper, die Vivaldi 1721 zu den Geburtstagsfeierlichkeiten einer österreichischen Kaiserin komponiert hatte.

Eindringliche Interpretationen

Als Rosane erzählt uns Bartoli eindringlich eine Geschichte aus Vivaldis Oper "La verità in cimento".

Die Arie "Vedro con mio diletto" aus Vivaldis "Il giustino" ist ein berührendes Lamento voller Seufzerfiguren. Auch in diesen tiefen Lagen klingt Bartolis Stimme klar. Das Gehauchte wirkt in keiner Weise aufgesetzt, sie ist schlichtweg ganz versunken in ihre Rolle des Anastasio, dem Kaiser von Byzanz, und erlebt ihre Verzweiflung zu 100 Prozent.

Man möchte beinahe mitweinen und in den vor Lebensfreude strotzenden Arien mittanzen, so berührt ist man von diesen eindringlichen Interpretationen. Das Ensemble Matheus folgt der Sängerin mit Umsicht - ein exzellenter Begleiter an Bartolis Seite, der ihre Stimme trägt und zum Leuchten bringt.

In zwei Arien erleben wir Ensembleleiter Jean-Christophe Spinosi in Doppelfunktion, denn er ist zudem ein exzellenter Geiger.

Ein Muss für Bartoli-Fans

Cecilia Bartolis neues Album hält tatsächlich Arien aus Bühnenwerken bereit, die auf ihrem ersten Vivaldi-Album nicht zu hören waren. Feierlich und funkensprühend geht es in einer Arie aus Vivaldis Oper "Tito Manlio" zu, der einzigen auf dieser CD, in der auch eine Trompete zum Einsatz kommt.

Dieses Album ist ein Muss für Bartoli-Fans und solche, die es werden wollen. Verlässlich zeigt sie ihre erstaunliche stimmliche und gestalterische Bandbreite, doch selten hat man Cecilia Bartoli so introvertiert und berührend gehört.

Antonio Vivaldi

Label:
Decca

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 26.11.2018 | 15:20 Uhr