Stand: 24.08.2018 14:08 Uhr

CD der Woche: Daniel Barenboim dirigiert Brahms

Brahms - The Symphonies
von Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim 
Vorgestellt von Marcus Stäbler

Die Sinfonien von Johannes Brahms gehören für alle klassischen Orchester von internationalem Rang zum Kernrepertoire - auch bei der Staatskapelle Berlin, einem der ältesten und renommiertesten Orchester der Welt. Daniel Barenboim, Chefdirigent auf Lebenszeit, hat mit seinem Klangkörper die vier Brahms-Sinfonien eingespielt, im 2017 eröffneten Pierre-Boulez-Saal in Berlin.

Wärme, Volumen und edler Schmelz

Das Orchester entfacht einen satten, fülligen Klang, grundiert vom weichen Pochen der Pauke. Gleich in der langsamen Einleitung zur ersten Sinfonie deutet Daniel Barenboim die Richtung an, die er mit dem neuen Album einschlägt. Sein Brahms hat Gewicht, Barenboim kostet die dunklen Farben aus und durchschreitet die weiten Räume mit gemessenem Schritt.

Der 75-jährige Dirigent schlägt in den meisten Sätzen vergleichsweise langsame Tempi an. Dadurch betont er die romantische Schwere der Stücke und gibt seiner Staatskapelle Zeit, den Reichtum der Sinfonien auszukosten. In der hervorragenden Akustik des Pierre-Boulez-Saals in Berlin betört das Orchester mit seiner Wärme, seinem Volumen und edlem Schmelz. Wie im Adagio aus der zweiten Sinfonie, in dem Barenboim die Celli schwelgen lässt.

Auch im ruhigen Zeitmaß wahrt die Aufnahme immer eine große innere Spannung. Deshalb steht die Musik nie auf der Stelle, jede Phrase ist auf ein Ziel hin geführt. Die Interpretation wirkt sehr organisch, sie atmet und fließt wie von selbst auf ihre Höhepunkte zu.

Alles wirkt stimmig

Daniel Barenboim findet eine ideale Balance zwischen Vorandrängen und Innehalten, zwischen packenden Steigerungswellen und lyrischen Momenten. Alles wirkt stimmig und ausgewogen. Das gilt auch für den Klang der einzelnen Instrumentengruppen, die sich perfekt mischen und das Weltklasseniveau des Orchesters demonstrieren. Die Bläsersoli sind hinreißend gespielt und geschmeidig ins große Ganze eingefügt. Sei es bei den Flöten, Klarinetten und Oboen oder beim Hornthema im Finale der ersten Sinfonie.

Die Aufnahme setzt auf einen gerundeten Wohlklang und feine dynamische Nuancen und bekennt sich damit zu einem eher traditionellen Brahms-Bild. Mitunter wären noch schärfere Kanten und Kontraste denkbar - andere Dirigenten haben die Werke schon überraschender und sicher auch schlanker präsentiert. Aber schöner oder beseelter als bei Barenboim und seiner famosen Staatskapelle dürfte man die Brahms-Sinfonien kaum zu hören bekommen.

Brahms - The Symphonies

Label:
Deutsche Grammophon

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 27.08.2018 | 15:20 Uhr