Stand: 12.03.2020 16:56 Uhr

CD der Woche: Benjamin Grosvenor spielt Chopin

von Franziska v. Busse

Der britische Pianist Benjamin Grosvenor hat die beiden Klavierkonzerte von Frédéric Chopin eingespielt, zusammen mit dem Royal Scottish National Orchestra und dessen Erster Gastdirigentin Elim Chan. Eine Aufnahme, die das Bild vom jugendlichen Schwärmer und Virtuosen Frédéric Chopin zum Leben erweckt, ohne es zu sehr zu strapazieren.

Benjamin Grosvenor © imago
Benjamin Grosvenor hat sich schon als Kind mit Chopin verbunden gefühlt.

Benjamin Grosvenor bleibt ein Mensch mit Fantasie - auch nach den Jahren im Konzertbetrieb, die er schon hinter sich hat mit seinen 27 Jahren. Chopin, sagt er selbst, war der erste Komponist, mit dem er sich als Kind irgendwie verbunden gefühlt hat. Und das kann man ihm glauben, denn seit er ein Teenager war, ist er mit beiden Chopin-Konzerten immer wieder aufgetreten.

Der Star ist der Solist

Und da ist noch etwas: Der 20-jährige Frédéric Chopin hatte beim Komponieren für Klavier und Orchester eigentlich nur sich selbst und sein Instrument im Kopf. Das Orchester darf begleiten, Überleitungen schaffen, Atmosphäre herstellen. Der Star aber ist ganz eindeutig der Solist. Eine dankbare Rolle, die Benjamin Grosvenor gerade als sehr junger Pianist ausgiebig genossen haben dürfte.

CD-Tipp
CD-Cover: Benjamin Grosvenor - Homages © Decca

Ein Wunderkind wird erwachsen

Der Pianist Benjamin Grosvenor ist ein Publikumsliebling in seiner Heimat Großbritannien. Auf seiner neuen CD spielt er Werke von Mendelssohn, Busoni, Franck, Liszt und Chopin. mehr

Mittlerweile "erzählt" er uns Frédéric Chopin, wenn er spielt. Er erzählt uns von großen Erwartungen und jugendlichem Selbstbewusstsein, von überschäumendem Einfallsreichtum und von der Freude an virtuosen Schnörkeln und Ornamenten.

Mit viel Herz

Er erzählt aber auch von der Suche nach sich selbst, die jeder junge Mensch kennt, und natürlich von der Liebe. Chopin selbst hat offen eingestanden, dass der langsame Satz des f-Moll-Konzerts seinen besonderen Schmelz den verliebten Tagträumen des Komponisten zu verdanken hat.

Mit viel Herz spürt Benjamin Grosvenor all dem nach - ohne uns dabei einfach ein Klischee zu präsentieren. Dafür hat er zu viel Witz. Dafür sind vor allem seine Farben zu vielfältig, seine Ausrufezeichen zu genau gesetzt. Und selbst da, wo er die Musik glitzern und funkeln lässt wie einen Kronleuchter bei Kerzenschein, wirkt das nicht selbstvergessen.

Das Orchester spielt seine Nebenrolle mit Grazie. Dirigentin Elim Chan lässt ihrem Solisten freundlich den Vortritt, ist aber, so klingt es, durchaus mit verantwortlich für klare Linie und schlankes Klangbild. Ein Chopin, der alle glücklich macht, die sich gerne verführen lassen, aber nicht auf zu viel Plüsch gebettet sein wollen.

Chopin: Piano Concertos

Label:
Decca

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 15.03.2020 | 15:20 Uhr

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