Starke Stücke (Wiederholung)

Das Violinkonzert von Edward Elgar

Dienstag, 08. September 2020, 19:00 bis 20:00 Uhr

Der Komponist Edward Elgar © picture alliance/Heritage Images Foto: Ann Ronan Pictures
Der britische Komponist Edward Elgar (1857-1934)

Spätsommer. Das ist ein Wort, das sofort ganz viele Assoziationen weckt. Die Sonne steht schon wieder ein bisschen tiefer, die Wärme ist eine andere als im Juli und August, die Morgen und Abende sind frisch. Die Felder sind längst abgeerntet, viele Blumen stehen noch da, mit verblühten Blüten und Blättern, die langsam braun werden. Jeder Tag mit kurzen Ärmeln könnte einer der letzten sein für eine längere Zeit.

Das vielleicht letzte große romantische Violinkonzert

Auch durch Edward Elgars Violinkonzert zieht sich eine Stimmung des Abschieds - wie an einem letzten wunderschönen Spätsommertag. Komponiert hat er es für den österreichischen Geiger Fritz Kreisler, der es 1910 auch uraufgeführt hat - sehr erfolgreich. Elgar hat sich für das Konzert viel Zeit gelassen. Mehrere Jahre. Und er hat es ganz offensichtlich mit dem Gefühl komponiert: Hier setze ich einen Schlusspunkt. Hier greife ich eine Entwicklung auf, die, könnte man sagen, mit Beethoven angefangen hat, die auf jeden Fall mit Brahms einen Höhepunkt erlebt hat, und die vielleicht gerade schon ein bisschen dabei ist, überreif zu werden. Vielleicht schreibe ich hier das letzte große romantische Violinkonzert - und da soll dann aber bitte auch alles drin sein, was ein großes romantisches Violinkonzert ausmacht! Angefangen bei der Länge übrigens: Unsere Aufnahme heute mit Hilary Hahn, dem London Symphony Orchestra und Colin Davis dauert fast 50 Minuten und liegt damit ziemlich genau im Mittelfeld.

Eine unglaublich virtuose Stimme für die Sologeige

Elgar ist um die 50, als er das Konzert komponiert. Als junger Mann hat er eine Weile Violine studiert. Er weiß also, was er tut, indem er für die Sologeige eine unglaublich virtuose und komplexe Stimme schreibt. Die Hauptschwierigkeit im ersten Satz liegt darin, das Ganze nicht zerfasern zu lassen. Die Stimmung schwankt von Phrase zu Phrase, in einer Art schmerzlicher Schwärmerei. Der zweite Satz ist ein melodiöser Traum, der ständig in Gefahr ist, in Richtung Kitsch wegzukippen. Und der letzte schließlich: Der ist manchmal als "Monster" beschrieben worden. Mit einer unglaublich schönen Kadenz gegen Ende, die das Orchester fast unhörbar begleitet.  

Yehudi Menuhin: Erste Schallplatten-Aufnahme des Werks

Der erste Geiger, der das Elgar-Konzert auf Schallplatte aufgenommen hat, war 1932 Yehudi Menuhin. 16 Jahre alt damals. Das hat Edward Elgar noch miterlebt. Unsere Einspielung heute stammt aus dem Jahr 2006 - mit der US-amerikanischen Geigerin Hilary Hahn, dem London Symphony Orchestra und dem Dirigenten Colin Davis.

Eine schöne Aufnahme - die schmerzliche Schwelgerei in der Musik bekommt bei Hilary Hahn etwas sehr Edles. Und dafür ist auch ihr Instrument wahrscheinlich genau das Richtige: Eine Vuillaume-Geige aus dem 19. Jahrhundert.

Eine Sendung von Franziska von Busse

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Dach der Elbphilharmonie in Hamburg © picture alliance/Bildagentur-online Foto: Bildagentur-online/Ohde

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