Opernkonzert

Blühend und fantasievoll, aber vergessen - Die französische Oper im 19. Jahrhundert

Samstag, 16. Januar 2021, 19:00 bis 21:00 Uhr

NDR Kultur Mikrofon auf der Bühne im Kleinen Sendesaal des Landesfunkhauses Niedersachsen in Hannover © NDR.de Foto: Willem Konrad

Die französische Oper im 19. Jahrhundert

Sendung: Opernkonzert | 16.01.2021 | 19:00 Uhr | von Elisabeth Richter

Bizets "Carmen" kennt jeder, Gounods "Faust" fast jeder, vielleicht noch "Die Trojaner" von Berlioz, aber dann?

Der Komponist Jacques Offenbach im Porträt. © picture alliance / Heritage-Images | The Print Collector
Der deutsch-französische Komponist Jacques Offenbach im Porträt.

Die französische Oper im 19. Jahrhundert wird heute noch immer zu Unrecht auf wenige bekannte Hits reduziert. Aber, wer jemals den Schluss von Félicien Davids Grand Opéra "Herculanum" von 1859 gehört hat, der wird dieses musikalische Inferno über den Vesuv-Ausbruch im Jahr 79 nach Christus so leicht nicht vergessen. Das kann durchaus mit dem Schluss von "Carmen" mithalten. Oder, man wird vermutlich nicht ohne Schock auskommen, wenn man die Tragédie lyrique "Phèdre" (Phädra) von dem hierzulande völlig vergessenen Komponisten Jean-Baptiste Lemoyne gehört hat, uraufgeführt 1786. Dabei studierte Lemoyne in Berlin bei Johann Gottlieb Graun. Wie er den zerrissenen Charakter dieser Frau darstellt, das kann sich hören lassen. Eine Frau, die ihren Stiefsohn Hippolytos abgöttisch liebt und daran zerbricht. Diese bis in den Wahnsinn oder den Tod gehenden Frauen finden sich in vielen Opern des 19. Jahrhunderts, nicht nur in Frankreich. Und Komponisten wie Lemoyne oder die Italiener Antonio Salieri oder Antonio Sacchini, die einige hörenswerte französische Opern schrieben, haben Ende des 18. Jahrhunderts begonnen, solche Wahnsinnsfrauen musikalisch zu porträtieren. Später wird man ähnliches hören, bei Donizettis "Lucia di Lammermoor" oder Verdis Lady Macbeth.

Frankreichs Opern im 19. Jahrhundert

Die französische Oper im 19. Jahrhundert weist ein breites Spektrum an Genres auf. Anfang des Jahrhunderts wurden die letzten Werke der Tragédie lyrique komponiert, Ausläufer des 18. Jahrhunderts. Daraus entwickelte sich die ernste Grand Opéra. Ihr gegenüber stand die etwas heiterere Opéra Comique - in der auch Dialoge gesprochen wurden, wie noch 1875 in Bizets "Carmen". Die Handlungen dieser "komischen Opern" waren aber nicht immer lustig, schließlich endet Carmen mit einem Mord. Dann dürfen natürlich die vielen wunderbaren Operetten von Jacques Offenbach nicht vergessen werden. Der pfiffige Komponist und Cellist aus Köln lebte seit Anfang der 1830er-Jahre in Paris und wurde eigentlich zu einem Franzosen. Bei ihm gibt es jenseits der bekannten Werke wie "Orpheus in der Unterwelt", "Die schöne Helena" oder "Pariser Leben" zig Schätze zu entdecken, zum Beispiel die Opéra bouffe "Maître Péronilla" von 1878 über einen schlauen spanischen Chocolatier, der mit ein paar Tricks seine Tochter verheiratet.

Die unendliche Vielfalt unbekannter Werke

Es sind also nicht nur die unbekannten Werke und die unbekannteren Komponisten wie Benjamin Godard, Félicien David oder Frommental Halévy zu entdecken, sondern auch eine Fülle von unbekannten Werken bekannter Komponisten: "La Jacquerie" von Edouard Lalo, "Le Mage" von Jules Massenet, "Cinq Mars" von Charles Gounod oder "Les Barbares" von Camille Saint-Saëns.

Eine Sendung von Elisabeth Richter

 

Weitere Informationen
Szene aus "Hoffmanns Erzählungen" © Vincent Leifer

Opernkonzert

Wir stellen Ihnen die großen Sänger und Dirigenten vor. Dazu werfen wir einen Blick hinter die Kulissen: interessante Inszenierungen, CD-Veröffentlichungen, neue Stimmen. mehr

NDR Kultur Livestream

Starke Stücke

13:00 - 14:00 Uhr
Live hörenTitelliste