Stand: 28.03.2020 19:00 Uhr

Das Oldenburger Landesmuseum im Web

von Helgard Füchsel

Die Türen der deutschen Museen dürfen sich vorerst nicht für Besucher öffnen. Umso wichtiger wird der virtuelle Auftritt der Einrichtungen. NDR Kultur nimmt verschiedene Online-Präsenzen unter die Lupe, dieses Mal im Fokus: das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg.

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Nach derzeitigem Stand ist das Landesmuseum Oldenburg noch bis zum 19. April geschlossen, doch die Räume des Schlosses lassen sich auf der Homepage virtuell besuchen.

Die neue Ausstellung zum 125. Geburtstag von Franz Radziwill im Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte sollte am 20. März feierlich eröffnet werden. Die 125 Bilder des Malers hängen an ihren Plätzen im Oldenburger Schloss, nur gibt es keine Besucher. Die einzige Möglichkeit, einen Blick hineinzuwerfen, bietet das Internet. Interessierte können das Museum über Facebook, Instagram oder die Homepage virtuell besuchen, ohne die eigenen vier Wände dafür zu verlassen.

Postings machen Lust auf mehr

Vier Fotos aus der Ausstellung zu Franz Radziwill im Oldenburger Schloss sind auf Instagram zu sehen. Kurze Blicke in vier verschiedene Räume zeigen, dass da Bilder von Franz Radziwill hängen - ein Appetithäppchen für die Zeit nach Corona.

Seit eineinhalb Jahren präsentiert sich das Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte auf Instagram. In kurzen und leicht verständlichen Texten werden dort Hintergründe erklärt, beispielsweise zur vergangenen Ausstellung "Götter und Helden". In der Schau waren Barockgemälde modernen Ölbildern des Oldenburger Künstlers Michael Ramsauer gegenübergestellt. Die Posts bei Instagram machen Lust, die Ausstellungen zu besuchen. Bislang war das ja auch das Ziel der Internetpräsenz. Das hat sich jetzt geändert, sagt Museumsdirektor Rainer Stamm. "Ich denke, dass die Onlinepräsenz der Museen noch nie so tragisch sinnvoll war wie in diesen Zeiten. Bisher war es natürlich immer eher ein Begleitmedium. In dieser Zeit wird die Onlinepräsenz, Facebook und insbesondere Instagram zu einer Art Ersatzmedium für den Rundgang durch die Ausstellungen, für die Begegnung mit den Werken."

Ein Ersatz auf Zeit

Das Museum präsentiert auch Teile der Dauerausstellung auf der Homepage. Diese Seiten lesen sich wie ein Katalog, beispielsweise zur Mode im Wandel der Zeit. Wer mag, kann auch virtuell durch einige historische Räume im Oldenburger Schloss spazieren - durch den prunkvollen Schlosssaal mit Stuck an Wänden und Decke oder durch einen Salon - eingerichtet im Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Einzelne Gemälde lassen sich heranzoomen, doch einen echten Museumsbesuch kann es nicht ersetzen. Das bestätigt auch Rainer Stamm: "Das ist im Grunde jetzt ein Substitut, ein Ersatz für eine besondere Zeit, für eine Krisenzeit, die unser Museum wie alle Museen so noch nie erlebt hat, zumindest nicht seit dem Ende des zweiten Weltkrieges."

Museen gehen den Weg gemeinsam

Solange das Museum geschlossen ist, postet Pressesprecherin Julia Ditsch mehrmals die Woche etwas auf Instagram. Das sei einfach und schnell und mittlerweile seien unterschiedliche Museen auf diese Weise vernetzt, sagt sie. "Auch die Museen agieren untereinander. Was auch noch mal ein sehr starkes Zeichen ist, dass die Museen gerade gemeinsam auf Instagram ein Angebot schaffen, wo es dann vielleicht gar nicht so sehr darum geht, was der Einzelne macht, sondern wirklich was allgemein unter den Hashtags #museumsathome oder #geschlossenaberoffen passiert." Zurzeit stellt das Landesmuseum Oldenburg auf Instagram beispielsweise ein unterhaltsames Quiz mit Fragen zum Schloss bereit oder auch einen virtuellen Rundgang durch das menschenleere Prinzenpalais.

Einige Posts mit Details aus Gemälden sind losgelöst von den Ausstellungen interessant, ebenso wie die Hintergrundberichte, die beispielsweise erklären wie Gemälde restauriert werden. Bleibt abzuwarten, wie sich der Internetauftritt in den kommenden Wochen vom Begleitmedium zur Hauptaufgabe auf Zeit entwickelt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 28.03.2020 | 19:00 Uhr