Stand: 25.06.2020 17:33 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Was gilt? Landesregierung präzisiert Quarantäne-Regeln

Strandkorb am Strand, aus dem ein paar beschuhte Füße herausragen © dpa Foto: Bodo Marks
Wer als Urlauber aus einem deutschen Corona-Hotspot nach Schleswig-Holstein einreist, muss in Quarantäne.

Die neue Quarantäne-Verordnung der schleswig-holsteinischen Landesregierung gilt seit dem 25. Juni und beschäftigt schon viele Hoteliers und Vermieter von Ferienwohnungen im Land. Die Verunsicherung ist groß, weil viele Fragen noch offen sind. "Es wird jetzt sehr darauf ankommen, dass die Anbieter von Unterkünften bei der Anreise darauf achten, die Gäste im Sinne der Regeln zu befragen und konsequent im Sinne der Vorgaben zu handeln", sagt der Amtsdirektor von Eiderstedt, Herbert Lorenzen. "Es ist schwierig, was auf uns abgeladen wird", meint St. Peter-Ordings Tourismusdirektorin Constanze Höfinghoff. Viele wünschen sich eindeutige Regelungen. Die Jamaika-Koalition hat die Quarantäne-Regeln für Besucher aus Corona-Hotspots nun präzisiert und erläutert. Sie betonte, es gebe kein Berherbergungsverbot und keine Ausreisepflicht für Betroffene die bereits im Land sind.

Garg: Mit Maßnahmen, den Urlaub für alle sicherer machen

Wer aus einem deutschen Corona-Hotspot einreist, muss zunächst 14 Tage in Quarantäne. Ausnahmen gibt es nur, wenn ein aktueller negativer Test vorliegt. Er darf laut Beschluss der Landesregierung nicht älter als 48 Stunden sein und muss durch ein ärztliches Zeugnis nachweisbar sein. "Die Maßnahmen dienen dazu, den Urlaub für alle sicherer zu machen. Jeder einzelne ist gefordert, verantwortungsvoll mit bestehende Regelungen umzugehen", sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Ausnahmen sind möglich, beispielsweise wenn sich Ausbrüche in einzelnen Kreisen regional klar begrenzen lassen. Weitere Ausnahmen gibt es unter anderem auch für symptomfreie Durchreisende und Angehörige bestimmter Berufsgruppen.

Dass die neue Quarantäne-Regel auch wirklich eingehalten wird, dafür sind die Urlauber selbst verantwortlich. So steht es in der neuen Quarantäne-Verordnung des Landes. Hotelbetreiber und Vermieter von Ferienwohnungen trügen demnach keine Verantwortung. "Für Hotels oder Ferienwohnungsbetreiber erwachsen aus der Quarantäne-Verordnung des Landes keine Verpflichtungen zur Aufnahme oder zur Abweisung von Gästen", heißt es in den Fragen und Antworten der Regierung auf der offiziellen Webseite der Landesregierung. Wer in Quarantäne ist, muss sich umgehend beim jeweiligen Gesundheitsamt vor Ort melden. Wer während der Quarantäne Krankheitssymptome aufweist, soll unverzüglich einen Arzt anrufen.

Landesregierung: Keine Abreisepflicht

Als Corona-Hotspot gilt ein Gebiet, in dem es mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen gegeben hat. Maßgeblich sind die Landkreis-Einstufungen des Robert Koch-Instituts (RKI). Quarantäne ist grundsätzlich auch in einem Hotel oder in einer Ferienwohnung möglich. Nicht geeignet für eine Quarantäne sind laut Landesregierung Campingplätze, Jugendherbergen und alle sonstigen Unterkünfte, in denen Gäste sanitäre Gemeinschaftseinrichtungen nutzen.

Ob ein Urlaub abgesagt werde, sei eine individuelle Entscheidung. "Der Urlaubsantritt ist weiterhin grundsätzlich möglich", heißt es auf der Webseite der Landesregierung. Kontrollen bei der Einreise ins Land gibt es nicht. Wer sich nicht an die Regeln hält, kann aber mit Bußgeldern belegt werden. "Gäste sind in Schleswig-Holstein herzlich willkommen. Und das gilt selbstverständlich auch für Urlauber aus einem Risikogebiet, die einen negativen Coronatest haben", sagte Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP).

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Eine Frau steht nachdenklich schauend an einem Fenster. © panthermedia Foto: leonovo

Die Landes-Quarantäne-Verordnung für SH

Hier können Sie die angepasste Quarantäne-Verordnung des Landes Schleswig-Holstein nachlesen. Sie tritt am 25. Juni 2020 in Kraft. extern

Stornokosten eine individuelle Entscheidung?

Wer übernimmt die Kosten, wenn der Urlaub vom Gast abgesagt wird oder der Hotelier die Anreise verweigert? Nach Ansicht des Sozialministeriums ist das eine individuelle Entscheidung von Gastgeber oder Gast. Die Verordnung des Landes berühre die Geschäftsbedingungen der Unterkünfte nicht. Für einen ausgefallenen Urlaub gibt es demnach keinerlei Entschädigung vom Land. Selbst bei einem positiven Corona-Test nicht - obwohl die Reise dann auf keinen Fall angetreten werden dürfe, so die Landesregierung. Die Verbraucherzentrale hat die Rechtsauffassung, dass der Reisende aber Anspruch auf kostenfreie Stornierung bei der Unterkunft hat, weil zwei Wochen Quarantäne im Hotel nicht der Urlaub wäre, den der Reisende gebucht hat. Der Chef des Bellevue-Hotels in Timmendorfer Strand sagte NDR Schleswig-Holstein, dass er von sich aus Gästen aus Hotspot-Gebieten absagt, da in einem Hotel Garni eine Quarantäne nicht möglich sei. "Eine Versorgung drei Mahlzeiten täglich können wir nicht leisten." Diese Stornierung ist nach seinen Angaben kostenfrei.

Ministerium: Kein Beherbergungsverbot

Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern gehen einen anderen Weg: Die Länder haben ein striktes Beherbergungsverbot für Touristen aus der Region Gütersloh verhängt. Es gilt nicht, wenn ein aktueller negativer Corona-Test vorliegt. In Schleswig-Holstein habe man sich gegen ein Beherbergungsverbot entschieden, weil Juristen des Landes zu der Einschätzung gelangt seien, dass die Quarantäne-Regelung das geeignetere Mittel für den Umgang mit der Situation sei, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums.

Wer nicht von der neuen Regelung in SH betroffen ist

Abweichungen von der oben genannten Risikogebiets-Definition des RKI kann das schleswig-holsteinische Gesundheitsministerium vornehmen. Dies könnte nach Angaben der Landesregierung beispielsweise der Fall sein, wenn sich ein Corona-Ausbruch regional klar begrenzen lässt, etwa auf eine Pflegeeinrichtung. Grundsätzlich nicht von der Quarantäne-Regelung betroffen sind Personen, die ...

  • ... nur zur Durchreise nach Schleswig-Holstein einreisen; diese haben das Gebiet des Landes auf direktem Weg zu verlassen;
  • ... beruflich bedingt grenzüberschreitend für den Transport von Personen, Waren und Gütern auf der Straße, der Schiene, per Schiff oder per Flugzeug zuständig sind;
  • ... sich im Rahmen ihrer Tätigkeit als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Luft-, Schiffs-, Bahn-, oder Busverkehrsunternehmen oder als Besatzung von Flugzeugen, Schiffen, Bahnen und Bussen in einem Risikogebiet aufgehalten haben;
  • ... täglich oder für bis zu 48 Stunden zwingend notwendig und unaufschiebbar beruflich oder medizinisch veranlasst nach Schleswig-Holstein einreisen;
  • ... sich weniger als 48 Stunden in einem Risikogebiet aufgehalten haben.

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Ein leerer Strandkorb am Strand. © colourbox Foto: Martin Piechotta

Corona: Quarantäne-Regeln für Reisende in Kraft

Wer als Urlauber aus einem deutschen Corona-Hotspot nach Schleswig-Holstein einreist, muss in Quarantäne. Es sei denn, es gibt einen negativen Corona-Test. Die neue Vorschrift gilt seit dem 25. Juni. mehr

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.06.2020 | 17:00 Uhr

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