Corona-Langzeitstudie: Dunkelziffer der Infektionen gesunken

Stand: 11.05.2021 12:11 Uhr

Ein Jahr lang haben Wissenschaftler der Uni Lübeck in einer Langzeitstudie zum Coronavirus insgesamt 3.000 Probanden untersucht. Eine der Hauptfragen war: Wie groß ist Dunkelziffer? Nun sind die Ergebnisse da.

Fragebögen in einer App, PCR- und Antikörpertests waren die Werkzeuge für die Studie. Bei 3,5 Prozent der Teilnehmer aus Lübeck und Umgebung stellten die Forschenden mithilfe der Tests fest, dass mutmaßlich eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus durchgemacht wurde. Am Anfang der Studienphase, im Mai 2020, war diese Botschaft für viele Teilnehmer wohl noch überraschend. Denn 90 Prozent der Menschen, die Antikörper gegen das Coronavirus in sich trugen, wussten nichts davon, tauchten also auch in keiner Statistik auf.

Dunkelziffer lag anfangs bei 90 Prozent

Die Schlussfolgerung der Forschenden: Es gab vermutlich zu Beginn der Corona-Pandemie zehn Mal mehr Infektionen als damals mit PCR-Tests festgestellt wurden. Knapp ein Jahr später lag diese Dunkelziffer nur noch bei 30 Prozent. Heißt: Sieben von zehn Menschen mit Antikörpern gegen Corona waren zuvor schon mit einem PCR-Test positiv getestet worden. Überträgt man dieses Ergebnis, würde das bedeuten, dass die wahre Infektionslast nur noch etwa 1,4 Mal höher ist, als es die offiziellen Fallzahlen vermuten ließen.

Pfleger, Polizisten, Feuerwehrleute mit erhöhtem Risiko

Außerdem hielten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch nach auffälligen Häufungen von Infektionen Ausschau: "Wir haben tatsächlich einige Gruppen herausgefunden, die ein deutliches höheres Risiko tragen sich zu infizieren", sagt Studienleiterin Christine Klein. Menschen mit Kontakt zu Infizierten gehören dazu, genauso bestimmte Berufsgruppen wie Pflegepersonal, Polizisten und Feuerwehrleute.

Forschende: Lockerungen bei niedriger Inzidenz möglich

Hier seien aber keine klaren Risikofaktoren oder Risikomuster identifizierbar gewesen, so die Forscher. "Lockerungen und der Tourismus im letzten Sommer hatten keinen Einfluss auf das Infektionsgeschehen", sagt Klein. Deshalb halten die Forschenden "in Regionen mit niedriger Inzidenz Öffnungsschritte unter kontinuierlicher Beobachtung" für vertretbar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.05.2021 | 08:00 Uhr

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