Stand: 14.08.2019 15:53 Uhr

Verkehrsirrsinn: Eine Bahnschranke, die nicht aufgeht

Schleswig-Holstein ist für Verkehrsteilnehmer nicht immer ein leichtes Pflaster. Dauerbaustellen, merkwürdige Ampelschaltungen, Schilderdickichte. Im Juli hat NDR Schleswig-Holstein Sie dazu aufgerufen, von Ihrem ganz persönlichen Verkehrsirrsinn zu erzählen. Dann ging es für unsere Reporter in die Recherche. Herausgekommen ist auch diese Geschichte: eine Bahnschranke zwischen Tornesch und Prisdorf (Kreis Pinneberg), die in einem Beobachtungszeitraum von acht Stunden sage und schreibe viereinhalb Stunden geschlossen ist.

von Hannah Böhme

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Eine Wartezeit von einer halben Stunde ist keine Seltenheit auf der L107.

Wenn am Bahnübergang auf der L107 zwischen Tornesch und Prisdorf das Signal ertönt und die Schranken schließen, kommt es nicht selten vor, dass noch zwei, drei Autos schnell die Gleise überqueren. Die Fahrer wissen, dass es unter Umständen eine Weile dauern kann, bis der Übergang wieder frei ist und sie weiterfahren können.

Sie berichten, dass die Schranke teilweise mehr als zehn Minuten geschlossen bleibe, weil nicht nur ein, sondern gleich zwei oder auch drei Züge durchfahren. Wer in der Autowarteschlange ganz hinten steht und gleich mehrere Schließphasen der Schranke "mitnimmt", wartet schon mal eine gute halbe Stunde, bis die Bahnschienen passiert sind.

Auf keiner Strecke sind so viele Züge unterwegs

Hinter der Schranke liegt die meistbefahrene Bahnstrecke in Schleswig-Holstein. Nirgendwo sonst sind laut Verkehrsverbund NAH.SH mehr Menschen in unserem Land mit der Bahn unterwegs. Die Verbindung führt von Hamburg nach Elmshorn und dann weiter Richtung Westerland beziehungsweise Neumünster, Kiel und Flensburg.

Torneschs Bürgermeisterin Sabine Kählert (parteilos) berichtet von 165 Zügen in 24 Stunden. Das sind im Durchschnitt rund sieben Züge pro Stunde.

Viele Fahrer sind unterwegs Richtung A23

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Wer sich die Schranke acht Stunden lang anschaut, sieht sie viereinhalb Stunden unten.

Für die Autofahrer bedeutet das, dass an dem Übergang viereinhalb von acht Stunden die Schranken unten sind. Das hat nach Angaben der Bürgermeisterin eine Messung ergeben, die die Stadt Tornesch für ihren Verkehrsentwicklungsplan vor zwei Jahren durchgeführt hat. Autofahrer, die diesen Weg fahren, sind in der Regel auf dem Weg zur A23 in Richtung Hamburg.

Die Lösung der Bürgermeisterin: Ein Tunnel

Der Bahnübergang steht symbolhaft für die angespannte Verkehrssituation der Region. Dennoch sah das Verkehrsministerium bisher an dieser Stelle keinen Bedarf für einen Tunnel oder eine Brücke. In einem Schreiben hat sich Bürgermeisterin Kählert nun erneut an Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) gewandt und sich für einen Tunnel ausgesprochen.

Buchholz sicherte bereits zu, sich den Bahnübergang in den kommenden Wochen noch einmal anzusehen. Ein Tunnel allerdings könnte aus seiner Sicht schwierig werden. Zu dicht sei die Wohnbebauung an dieser Stelle, erklärte er gegenüber NDR Schleswig-Holstein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.08.2019 | 17:00 Uhr

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