Stand: 13.02.2019 17:39 Uhr

Uni Kiel verbietet Vollverschleierung im Hörsaal

Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat die Vollverschleierung des Gesichts in Lehrveranstaltungen verboten. Vorausgegangen war ein Konflikt mit einer muslimischen Studentin. Laut Uni-Sprecher kam eine Studentin im Dezember 2018 mit einem Gesichtsschleier zu einem Tutorium. Der Dozent störte sich daran. Die Kieler Uni begründete ihre Entscheidung nun damit, dass zu Forschung und Lehre auch eine offene Kommunikation gehöre. Zu den Mindestvoraussetzungen zählten nicht nur das gesprochene Wort, sondern auch Mimik und Gestik. "Da ein Gesichtsschleier diese offene Kommunikation behindert, darf dieser in Lehrveranstaltungen, Prüfungen und Gesprächen, die sich auf Studium, Lehre und Beratung im weitesten Sinne beziehen, nicht getragen werden", heißt es in einer Richtlinie des Präsidiums.

Auf dem Campus ist der Schleier weiter erlaubt

Die CAU kann mit Verweis auf diese Richtlinie von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und eine verschleierte Studentin aus einer Veranstaltung ausschließen. "Auf dem Campus könnten Studierende aber auch eine Burka oder eine Niqab, die nur einen Augenschlitz zulässt, tragen", sagte Uni-Sprecher Boris Pawlowski am Mittwoch. Das Präsidium der CAU hatte das Schleierverbot bereits am 29. Januar beschlossen, bekannt wurde es aber erst jetzt.

An der Hochschule in Flensburg war die Vollverschleierung laut eines Sprechers noch kein Thema. Auch an der Uni Lübeck nicht. Man würde aber im Falle des Falles vermutlich genauso reagieren wie die CAU, so der dortige Sprecher.

Zentralrat der Muslime: Verbot ist unnötig

Ein Sprecher des Zentralrats der Muslime (ZMD) sagte, in Deutschland seien kaum vollverschleierte Frauen unterwegs, zudem stelle dies kein einheitlich religiöses Gebot dar. "Insofern ist ein offizielles Verbot unnötig. Bereits vor einem Jahrzehnt hat der ZMD klargemacht, dass im Unterricht ob in Schule und oder Uni das Gesichtzeigen pädagogisch und lerntechnisch unverzichtbar ist."

Bisher kein Schleierstreit an Schulen

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) begrüßte den Beschluss der Universität. In den Schulen gebe es derzeit weder einen ähnlichen Fall noch eine Häufung von Fällen, die ein schnelles Handeln erforderlich machen würden, sagte ein Sprecher. Bisher habe es lediglich Einzelfälle gegeben, die jeweils schulintern gelöst werden konnten.

Prien kündigte an, das Thema Gesichtsschleier in Schulen bei der nächsten Schulgesetznovelle mit zu berücksichtigen. So wolle sie Rechtssicherheit für mögliche zukünftige Fälle schaffen, da ein Verbot ein Eingriff in Grundrechte darstelle, sagte ihr Sprecher.

Prien will ein Vollverschleierungsverbot im Schulgesetz bis zum Sommer 2020 durchsetzen. "Lehrkräfte und Lernende sollen bei schulischen Veranstaltungen ihrer Gesprächspartnerin und ihrem Gesprächspartner ins Gesicht schauen können", sagte eine Ministeriumssprecherin.

CDU: Symbol für Unterdrückung

"Wir unterstützen die Universität Kiel voll und ganz bei der Entscheidung, Vollverschleierung im Hörsaal nicht zu erlauben. Der wissenschaftliche Diskurs muss mit offenem Visier geführt werden", sagte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Tobias Loose, zu dem Schleierverbot. Vollverschleierung sei auch ein Symbol für die Unterdrückung der Frau. "Genauso wie bei dem Thema Vielehen hat interkulturelle Toleranz Grenzen", so Loose.

FDP-Fraktionschef Christopher Vogt ergänzte: "Das Tragen von Burka oder Niqab ist kein Ausdruck von Weltoffenheit, sondern ein Zeichen der Unterdrückung von Frauen." Auch die designierte SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli betonte, "die CAU hat Recht - Kopftuch ja, Vollverschleierung nein". Ein Kopftuch lasse das Gesicht frei und behindere Kommunikation nicht. "Das ist bei Niqab und Burka anders."

Grüne: Menschen nicht ausschließen

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen kritisierte das Verbot dagegen. "Die Entscheidung der Universität ist ein Fehler", sagte der hochschulpolitische Sprecher der Landtagsfraktion Lasse Petersdotter. "Eine freiheitlich demokratische Gesellschaft darf Menschen nicht aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen und Ausdrucksweisen von staatlichen Bildungseinrichtungen ausschließen."

Nach Ansicht des AfD-Landtagsabgeordneten Frank Brodehl sind "gesetzliche Verbote allein keine Lösung - zumindest nicht langfristig". Verbote hätten in der Demokratie nur dann Bestand, wenn sie von der Mehrheit der Bürger akzeptiert und mitgetragen würden.

Kommentar

Schleier-Verbot: Uni Kiel handelt konsequent

Die Kieler Uni möchte keine vollverschleierten Studentinnen unterrichten. Eine entsprechende Richtlinie des Uni-Präsidiums sei der richtige Weg, kommentiert Florian Breitmeier. mehr

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.02.2019 | 17:00 Uhr

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