CAU-Präsidenten Simone Fulda © CAU Kiel

Simone Fulda wird neue Präsidentin der Kieler Uni

Stand: 01.10.2020 08:45 Uhr

Sie ist die Neue an der Spitze der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel: Professorin Dr. med. Simone Fulda. Sie folgt auf Lutz Kipp und übernimmt das Amt der neuen CAU-Präsidentin.

Simone Fulda ist keine Unbekannte in der Hochschulleitung. In den vergangenen Jahren war die Medizinerin Vizepräsidentin für Forschung und akademische Infrastruktur der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Sie ist Mitglied in diversen Wissenschaftsbeiräten in Oldenburg, Köln, Göttingen und Hannover und Vorsitzende des Henriette Herz-Scouting-Programms der Alexander von Humboldt-Stiftung. Der akademische Werdegang der heute 52-Jährigen begann 1988 mit dem Studium der Humanmedizin an der Universität zu Köln, gefolgt von Studienaufenthalten an der Harvard Medical School, der University of California und dem University College Dublin. Im Interview verrät die neue Präsidentin, was sie an der Position reizt, welche Pläne sie mit der Uni hat und warum sie Kiel schon jetzt beeindruckend findet.

Frau Fulda, Sie sind jetzt neue Präsidentin der Christian-Albrechts-Universität. Warum haben Sie sich für Kiel entschieden?

Simone Fulda: Als man Anfang dieses Frühjahrs an mich herantrat mit der Frage, ob ich mich als Präsidentin zur Wahl stellen würde, habe ich mich näher mit der Universität beschäftigt. Und von Webseite zur Webseite ist meine Begeisterung gestiegen. Die Entwicklung, die die Universität in den vergangenen 15 Jahren an den Tag gelegt hat, ist wirklich beeindruckend. Und die Leitung dieser tollen Universität ist für mich eine überaus reizvolle Aufgabe, für die ich gerne meine Ideen und meine ganze Kraft einsetzen werde.

Es ist ein verantwortungsvolle Amt mit vielen Aufgaben. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Fulda: Ich freue mich, zusammen mit den Mitgliedern der Universität, unsere Universität in den nächsten Jahren voranzubringen. Meine Vision ist es, die Universität zu einer der 15 Exzellenzuniversitäten Deutschlands mit internationaler Sichtbarkeit fortzuentwickeln. Und da ist mein Leitmotto "Think global, act local". Ich möchte gerne unsere Universität als weltweite Netzwerk-Universität etablieren und zugleich als zentralen Akteur in Wissenschaft und Gesellschaft vor Ort. Ich sehe bei unserer Universität auch klar, dass sie mit Forschung, Bildung und Transfer zur Zukunftsfähigkeit des "echten Nordens" beitragen kann. Zum Beispiel bei Schlüsselthemen wie digitale Transformation, künstliche Intelligenz oder Energiewende.

Worin wird dabei die größte Herausforderung bestehen?

CAU-Präsidenten Simone Fulda © CAU Kiel
Simone Fulda war die letzten zwei Jahre Vizepräsidentin für Forschung und akadamische Infrastruktur an der Goethe-Universität in Frankfurt.

Fulda: Eine der großen Herausforderungen wird sein, die Universität jetzt erfolgreich in den nächsten Jahren weiter zu entwickeln und ein wichtiges Thema wird auch die Positionierung in der nächsten Runde der Exzellenzstrategie sein. Und ich hatte ja gesagt, dass es mir wichtig ist, die Universität als eine der 15 exzellenten Universitäten in Deutschland zu positionieren. Und dabei geht es mir nicht nur um ein singuläres, wettbewerbliches Verfahren wie die Exzellenzstrategie, sondern es geht vielmehr um die Weiterentwicklung einer Qualitätskultur hin zu einem hohen Qualitätsniveau in allen wesentlichen Handlungsfeldern unserer Universität.

Die Corona-Pandemie macht auch vor der Uni keinen Halt und gestaltete schon das vergangene Semester anders als sonst. Das gilt vermutlich auch für das neue Wintersemester. Bedeutet das für Sie einen schwierigeren Start oder eine Chance?

Fulda: Ich sehe Corona als Herausforderung und Chance zugleich. Selbstverständlich ist es eine riesengroße Herausforderung - weltweit nicht nur für die CAU. Und die Herausforderung besteht darin, dass wir beispielsweise einen Lehr- und Forschungsbetrieb sicherstellen müssen. Gleichzeitig müssen wir natürlich auch den Gesundheitsschutz aller Mitarbeitenden und Studierenden vor Augen haben. Das ist eine Gratwanderung, das ist eine große Herausforderung. Ich glaube aber auch, dass wir heutzutage noch gar nicht die ganzen Dimensionen, die die Corona-Pandemie letztendlich auf die Universität, das Land, die ganze Welt haben wird, abschätzen können.

Gleichzeitig ist die Corona-Pandemie aber auch eine Chance. Nehmen wir beispielsweise nur mal den Bereich Lehre. Es hat sich gezeigt, dass es notwendig ist, von heute auf morgen auf digitale Lehre umzustellen. Das hat einen enormen Innovationsschub in der digitalen Lehre geschaffen. Da haben sich sehr viele, sehr bewährte Formate jetzt schon entwickelt. Diese Chance möchten wir natürlich auch aufgreifen. Das heißt, wir möchten die Erfahrungen, die wir mit der digitalen Lehre jetzt im Sommer gemacht haben, als Chance nutzen, um die Digitalisierung in der Lehre auch weiter voranzutreiben. Letztendlich soll dann eine gute Mischung aus digitaler und Präsenzlehre zu finden sein. Es wird also nicht darum gehen, das eine abzuschaffen und nur auf digital umzusteigen. Es wird darum gehen, dann auch fachspezifisch eine gute Kombination von digitaler und Präsenzlehre zu finden.

Die Digitalisierung steckt an Schulen, Hochschulen und Universitäten ja noch ein wenig in den Kinderschuhen. Wie wollen Sie das Ganze auf die Beine stellen - auch finanziell?

Fulda: Hier sind natürlich verschiedene Komponenten wichtig. Da sind erstmal die infrastrukturellen Komponenten. Die technischen Voraussetzungen müssen jetzt weiterentwickelt werden, um digitale Lehre auch durchführen zu können. WIr brauchen ein funktionstüchtiges Internet, WLAN auf dem gesamten Campus. Wir brauchen entsprechende Formate, mit denen das digitale Lehrangebot hergestellt werden kann. Aber wir brauchen natürlich auch gute didaktische Konzepte für digitale Lehre. Wir brauchen Schulungen, Weiterbildung auch für unsere Lehrenden in diesen Formaten.

Die Finanzen sind da natürlich nicht unwichtig. Es ist natürlich wichtig, dass wir da eine nachhaltige Unterstützung sowohl von Landes- als auch von Bundesseite haben. Und da gibt es ja auch schon dankenswerterweise entsprechende Unterstützung vom Land. Da gilt es in Absprache mit dem Land, diese bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Und es geht aus meiner Sicht auch bundesweit um die Frage, inwiefern wir auch einen Digitalpakt Hochschule neben dem Digitalpakt Schule brauchen.

Die Digitalisierung an der CAU ist ja nicht das einzige Zukunftsvorhaben. Kiel möchte "Sciene City" werden. Ist das alles zu stemmen?

Fulda: Bei "Kiel Science City" geht es ja darum, dass wir eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt weiterführen möchten. Das hat insbesondere mein Vorgänger, Professor Kipp, auch vorangetrieben. Und auch das ist für mich ein sehr wichtiges Thema: die enge Zusammenarbeit mit der Stadt und die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur hier in der Landeshauptstadt Kiel. Bei "Kiel Science City" geht es also um eine gemeinsame Entwicklung von Stadtentwicklung, Campusentwicklung, Bauprojekten und ein Zusammendenken von Wissenschaft, Wirtschaft. Wir sind da also wichtige Partner. Ich freue mich sehr, da auch weiter sehr konstruktiv mit der Stadt zusammenzuarbeiten.

Ich freue mich auch sehr, dass die Stadt da das Motto hat: "Wissen schafft Zukunft". Weil ich davon überzeugt bin, dass auch wir als Landesuniversität mit Forschung, Bildung und Transfer - unseren drei zentralen Missionen - ganz wesentlich "zum echten Norden" beitragen können.

Man kann also sagen, an der CAU ist vieles im Umbruch. Hat Ihnen das nicht etwas Angst gemacht, als es darum ging, diesen Posten anzutreten?

Fulda: Ich bin mir durchaus meiner Verantwortung bewusst in dieser Leitungsposition. Ich bin überzeugt, dass ich aufgrund meiner Qualifikation und meiner Kompetenzen, die ich in den vergangenen Dekaden erworben habe, gut gewappnet bin. Ich habe meine Erfahrung ja bereits im Wissenschaftsmanagement, meine Erfahrung im Hochschulmanagement - beispielsweise als Vizepräsidentin für Forschung und akademische Infrastruktur der Goethe-Universität, die drittgrößte Universität Deutschlands. Dazu kommen auch meine Erfahrungen vom Wissenschaftsrat, dem wichtigsten wissenschaftspolitische Beratungsgremium der Bundes- und Landesregierung. Ich denke, dass diese Qualifikationen es mir ermöglichen werden, die CAU sowohl integrativ nach innen zu führen als auch kompetent nach außen zu vertreten.

Zuletzt waren Sie in Frankfurt tätig - kommen also von extern an diese Uni. Ist das ein Vor- oder Nachteil?

Fulda: Also ich sehe das ganz klar als eine große Chance. Ich bin überzeugt, dass meine Perspektive von außen, meine Kenntnisse des Wissenschafts- und Hochschulsystems, insbesondere auch aus meiner langjährigen Tätigkeit im Wissenschaftsrat und meine politische Vernetzung in Berlin und in der Republik eine große Chance für die fruchtbare Weiterentwicklung unserer Universität sind. Und ich kann Ihnen versichern, dass ich offen und unvoreingenommen hierher gekommen bin. Ich möchte aber natürlich auch neue Impulse setzen. Aber ohne Bewährtes über Bord zu werfen. Das heißt: Es geht mir um eine überlegte Beidhändigkeit. Das eine tun, ohne das andere zu lassen, lautet meine Devise.

Sie haben vorhin selbst schon die Exzellenzstrategie erwähnt. Wie wird es da weitergehen?

Fulda: Mein Ziel für die nächsten Jahre ist es, die Exzellenz in der Forschung auszubauen. Und ich möchte gerne zusammen mit den Fakultäten und den Forschungsschwerpunkten die Fächervielfalt unserer Volluniversität und die gelebte Inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit nutzen, um Lösungen für die großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Also zum Beispiel Klimawandel oder soziale Ungleichheit oder Pandemien. Und dabei werden die Planungen für die nächste Phase der Exzellenzstrategie natürlich auch eine wichtige Rolle spielen. Und ich möchte diese Planungen auch gerne gut abstimmen mit dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, also mit Frau Ministerin Prien und Herrn Staatssekretär Grunde. Denn wir alle wissen, die Exzellenzstrategie ist nicht nur ein Wettbewerb der Universitäten, sondern auch ein Wettbewerb der Bundesländer. Denn diese setzen die wissenschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

Ein Job mit viel Verantwortung, mit vielen Aufgaben. Wie sieht der private Ausgleich dazu aus?

Fulda: Der darf natürlich nicht zu kurz kommen. Ich bin letztendlich Medizinerin. Da muss man auch immer irgendwie sehen, dass man fit bleibt - auch für das Amt. Es muss einem ja noch Spaß machen. Und wichtig ist es, einen klaren Kopf zu bekommen. Das schaffe ich, indem ich meine Laufschuhe anziehe und einfach mal so eine Strecke renne. Das hilft, noch einmal Dinge zu sortieren und kreativ zu sein. Und da habe ich schon festgestellt, dass das hier wunderbar möglich ist. Nach meiner Wahl zur Präsidentin in der Mittsommernacht war es einfach fantastisch, selbst um Mitternacht noch den leuchtenden Himmel zu sehen. Ich habe einfach nur gestaunt, als ich die Förde entlang gelaufen bin. Und da dachte ich: "Wow, super! Ich bin mir sicher, dass ich mich hier sehr wohl fühlen werde."

Klingt jetzt schon nach einem Lieblingsplatz. Oder gibt es schon einen anderen?

Fulda: Wir sitzen ja jetzt gerade auf der Dachterrasse des Uni-Hochhauses. Der Blicke über die Förde ist schon toll. Und dafür beneiden mich jetzt schon auch die Kolleginnen und Kollegen, die ich in Frankfurt zurückgelassen habe. Ob das mein Lieblingsplatz werden wird? Dafür kenne ich die Stadt noch zu wenig.

Das Interview führte Sabrina Santoro.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.10.2020 | 09:00 Uhr

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