Stand: 10.04.2019 09:47 Uhr

Senvion: Windanlagenbauer stellt Insolvenzantrag

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Das Insolvenzverfahren bezieht sich zunächst nur auf die Senvion GmbH und deren Deutschland-Tochter.

Der Windanlagenbauer Senvion hat beim Amtsgericht Hamburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Diskussionen mit Kreditgebern des Unternehmens seien "bisher erfolglos geblieben", informierte Senvion seine Anleger auf dem Kapitalmarkt in einer sogenannten Ad-hoc-Mitteilung. Ziel des Verfahrens sei "die Fortsetzung des eingeschlagenen umfangreichen Transformationsprogramms", welches das Unternehmen Anfang des Jahres gestartet habe. Die Verhandlungen über ein Finanzierungsangebot für das laufende Geschäft gingen unterdessen weiter.

Laut Senvion hat das Amtsgericht dem Antrag stattgegeben. Die Geschäftsleitung bleibe weiter im Amt. Sie soll das Geschäft während des Insolvenzverfahrens in Eigenregie wieder auf Kurs bringen. Zum vorläufigen Sachwalter habe das Gericht den Juristen Christoph Morgen bestellt, teilte der Senvion-Vorstand mit. Das Insolvenzverfahren bezieht sich zunächst nur auf die Senvion GmbH und deren Deutschland-Tochter. In den nächsten Tagen dürfte laut der Ad-hoc-Mitteilung aber die börsennotierte Senvion SA folgen, deren Firmensitz in Luxemburg liegt.

Viele Beschäftigte in Osterrönfeld und Büdelsdorf

Der Windanlagenbauer mit dem deutschen Verwaltungshauptsitz in Hamburg hat in Schleswig-Holstein laut IG Metall Küste knapp 1.000 Mitarbeiter. Sie sind hauptsächlich an den Standorten Osterrönfeld (Entwicklung) und Büdelsdorf (Service) im Kreis Rendsburg-Eckernförde beschäftigt. Und obwohl das Werk in Husum bereits geschlossen wurde, sind auch dort noch einige Mitarbeiter vor Ort. In Hamburg sind etwa 500 Beschäftigte betroffen. Außerdem befindet sich ein weiterer Standort in Bremerhaven. Dort arbeiten derzeit etwa 230 Menschen.

IG Metall wünscht sich industrielle Investoren

Senvion teilte am Dienstag mit, dass es bereits potenzielle Investoren gebe, die in das Windanlagenschäft einsteigen wollten. Für eine mittel- und langfristige Perspektive würde er sich industrielle Investoren wünschen, sagte Martin Bitter, Geschäftsführer der IG Metall Rendsburg-Eckernförde: "Diese könnten dann vielleicht auch die entsprechende Sicherheit geben, dass es mit der Geschäftstätigkeit dauerhaft weitergeht und auch Beschäftigung und Arbeitsplätze gesichert sind." Das Tages- und das Servicegeschäft sollen laut Senvion während des Insolvenzverfahrens weitergeführt werden.

Buchholz hat "gewisse Hoffnung" für Arbeitsplätze

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) hat "eine gewisse Hoffnung, dass - bei einem stabilen Geschäftsmodell - viele der Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein erhalten bleiben können". In Osterrönfeld und Büdelsdorf sei in den letzten Jahren viel investiert worden. Die Entwicklungsstandorte brauche man "für alles, was für eine Fortführung des Unternehmens wichtig ist", so Buchholz. Derzeit seien keine Möglichkeiten des Landes angefragt, sagte der Minister, "und es sind auch keine in Aussicht gestellt. Wir können zu diesem Zeitpunkt, zu dem ein nicht ganz unerheblicher Kapitalbedarf offenbar beim Unternehmen erforderlich ist, auch nur sehen, was die Geschäftsleitung macht."

Am Freitag sollen die Betriebsräte tagen

Die IG Metall kündigte an, auf die Landesregierung zugehen zu wollen, um Unterstützungsmöglichkeiten auszuloten. Es gehe um viele tariflich abgesicherte Arbeitsplätze und es stehe einiges auf dem Spiel, sagte Gewerkschaftsvertreter Bitter. Der Insolvenzantrag sei "ein Schock für die Mitarbeiter". Am Freitag sollen nach dem Willen Bitters die Betriebsräte des Unternehmens mit der IG Metall zusammenkommen.

Windenergiebranche: Krise trotz großer Nachfrage

Die Windenergiebranche steckt schon länger in der Krise - trotz großer Nachfrage. Nach Meinung von Experten haben sich viele Windradhersteller auf die bisher üppigen Subventionen verlassen und zu wenig in die Zukunft investiert. Mit dem Insolvenzantrag von Senvion bestätigten sich Informationen, die bereits am Montag öffentlich geworden waren. Die Firma brauche wohl dringend frisches Geld wegen schleppender Verhandlungen mit seinen Geldgebern, meldete die Nachrichtenagentur Reuters.

Insidern zufolge sollen nach Verzögerungen bei großen Projekten 100 Millionen Euro fehlen, um weitermachen zu können. Offenbar blieben Umsätze aus, Strafzahlungen an Kunden wurden fällig. Auf eine Insolvenz deutete auch eine weitere Börsenmitteilung hin, die Senvion bereits am Montag herausgegeben hatte.

Werk in Husum aus Kostengründen geschlossen

Senvion hat weltweit etwa 4.000 Mitarbeiter. Entwicklungszentren sind in Osnabrück und Osterrönfeld stationiert. In Bremerhaven produziert das Unternehmen Maschinenhäuser und Naben. Das Werk in Husum - der letzte Produktionsstandort in Schleswig-Holstein - war 2017 nach Unternehmensangaben geschlossen worden, weil Senvion sich mit der Produktion aus Kostengründen weitgehend aus Deutschland zurückziehen wollte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 09.04.2019 | 20:00 Uhr

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