Stand: 09.05.2020 14:38 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Reederei: Gerettete Menschen verlassen Containerschiff

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Das Containerschiff "Marina" der Reederei Klingenberg hat 79 Menschen aus dem Meer gerettet. Sie durften auf Sizilien an Land gehen.

Das Containerschiff "Marina" der Ellerbeker Reederei Klingenberg (Kreis Pinneberg) hat am späten Freitagabend gegen 23 Uhr in Porto Empedocle auf Sizilien (Italien) anlegen dürfen. Das gab die Reederei am Sonnabend bekannt. Das Schiff hatte 79 geflüchtete Menschen aus dem Mittelmeer gerettet und durfte nicht wie geplant in Malta anlegen.

Alle Menschen seien unverletzt und würden nun von italienischen Behörden versorgt, hieß es von der Reederei. Das Schiff legte nur wenige Stunden später direkt wieder ab in Richtung seines Bestimmungshafens auf Malta. Dort sollen Container entladen und neuer Proviant aufgenommen werden. Laut Reederei ist die Crew wohlauf und will weiterarbeiten.

Reederei warnt vor Eskalation an Bord

Klingenberg hatte am Mittwoch vor einer Eskalation auf seinem Containerschiff "Marina" gewarnt. Die Crew hatte die Geflüchteten auf Anforderung Maltas aus dem Meer gerettet, hieß es von der Reederei. Das Schiff hatte aber nicht genügend Vorräte zur Versorgung der Menschen an Bord und durfte mehrere Tage in keinen Hafen einlaufen.

Malta ist zweiter Heimathafen

Der Inhaber der Reederei, Thies Klingenberg, sagte NDR Schleswig-Holstein, es habe am Mittwochnachmittag Aggressionsausbrüche gegeben. Die Schiffsbesatzung hatte sich daraufhin an Bord in den Aufbauten verschanzt. 13 Personen der Besatzung verließen die Brücke nur, um den Geflüchteten Wasser und Lebensmittel zu bringen. Klingenberg sprach von einer internationalen und humanitären Katastrophe. Er verständigte das Auswärtige Amt und die EU-Kommission. Seit 15 Jahren fährt die "Marina" die Strecke von Tunesien nach Malta. Malta sei ihr zweiter Heimathafen, so Klingenberg.

Häfen "nicht sicher"

Malta und Italien hatten ihre Häfen in der Corona-Krise als "nicht sicher" deklariert. Menschen, die von Schiffen aus Seenot gerettet werden, könnten dort nicht versorgt werden, hieß es. Dennoch kommen weiter Geflüchtete in kleinen Booten an den Küsten und in Häfen an. Auf Lampedusa etwa ist das Aufnahmelager nach Angaben der örtlichen Behörden voll.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 09.05.2020 | 19:30 Uhr

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