Queller: Wenn eine Nordseepflanze an die Ostsee zieht

Stand: 27.06.2021 13:32 Uhr

Eigentlich ist der Queller in der Nordsee zu Hause - doch ein Meeresbiologe will ihn jetzt auch in der Ostsee züchten.

Er sieht ein bisschen aus wie eine Sukkulente, fleischig und blattlos, und wächst im Watt. Auf Amrum (Kreis Nordfriesland) zum Beispiel wird er von Spitzengastronomen geerntet - denn auch wenn es auf ersten Blick nicht naheliegend ist, ist die Pflanze als Lebensmittel zugelassen. Bald könnte er auch auf den Wochenmärkten und Restaurants auf der anderen Seite des Landes, an der Ostseeküste, zu finden sein - denn Tim Staufenberger will ihn vor den Toren Kiels anbauen.

Salzwasser und genug Nährstoffe sind wichtig

An den Queller ranzukommen, ist aber gar nicht so einfach: Da er oft in Naturschutzgebieten wächst, bedarf es für die Ernte einer Ausnahmegenehmigung. Und: Die Salzwiesenpflanze braucht sandigen Boden und Meerwasser - an der Nordsee also die perfekten Voraussetzungen. Um sie aber auch an der Ostsee zu kultivieren, probiert es der promovierte Meeresbiologe Staufenberger mit anderem Substrat. "Je mehr Nährstoffe er hat, desto schneller wächst der Queller", sagt Staufenberger, "deswegen bringen wir mit dem Treibsel, das eigentlich als Abfall anfällt, Nährstoffe in den Kreislauf ein." Das angeschwemmte Seegras und die Algen treiben das Wachstum der Pflanze an, unten drunter bilden Tonkügelchen die Basis.

Queller wächst auf den Salzwiesen im Osten von Norderney. © NDR Foto: Gitte Alpen
Queller sind an der Nordsee oft in Naturschutzgebieten zu finden, auch bei Wattwanderungen entdeckt man sie.
Vom Bund gefördert

Staufenberger betreibt die Kieler Meeresfarm - und bringt einiges an Erfahrung ein, die ihm in diesem Experiment helfen kann. Jedoch ist es auch für den Fachmann etwas Neues. "Wir wissen ja gar nicht, ob der Queller hier überhaupt wächst", verrät er, "er hat eigentlich viel zu wenig Salz, um hier zu wachsen - und ob er sich auf dem Treibsel überhaupt wohlfühlt, wissen wir nicht." Es sei eigentlich eine riskante Sache, ihn anzubauen. Doch es gibt Unterstützung: Seine Zucht ist ein anerkanntes Forschungsprojekt, wird mit 30.000 Euro gefördert vom Bund.

Wissenschaftliche Erkenntnisse sammeln

Auf Pontons in Kiel-Friedrichsort stehen die Gewächshäuser, in denen der Queller gedeihen soll. Die Setzlinge hat Staufenberger von einem Gärtner, der sich auf Salz- und Sumpfpflanzen spezialisiert hat - und die zeigen sich als anspruchsvolle Wesen in diesem Umfeld: Die Gewächshäuser müssen regelmäßig gelüftet werden, die Pflanzen brauchen jeden Tag Wasser, das Staufenberger aus der Ostsee holt und durch Verdunstung den Salzgehalt darin steigert. Sensoren in den Treibhäusern messen Licht und Temperatur, die mit Pflanzenproben ans Institut in Lübeck schickt werden. "Wir machen hier ja auch Wissenschaft", erinnert der Meeresbiologe. "Wir schauen: Wie wächst es, wie schnell, wie viel wächst auf der Fläche, welche Nährstoffe werden aufgenommen."

Was mit der Miesmuschel klappt, kann auch mit dem Queller gehen

Schon vor einigen Jahren hat Tim Staufenberger es geschafft, Miesmuscheln hier in der Ostsee anzusiedeln. Inzwischen erntet er nach eigenen Angaben jedes Jahr fünf Tonnen aus der Kieler Förde. Was mit der Miesmuschel klappt, soll jetzt also auch mit dem Queller funktionieren - damit die Meerespflanze auch hier auf den Teller kommen kann, ganz regional.

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