Die Angeklagte (2.v.l) schaut zum Vorsitzenden Richter Carsten Tep © dpa-Bildfunk Foto: Frank Molter

Versicherungsbetrug: Angeklagter statt Millionär

Stand: 09.12.2020 18:15 Uhr

Es ist ein spektakulärer Fall: Ein Mann soll seinen Tod vorgetäuscht haben, um hohe Versicherungssummen zu kassieren. Doch der mutmaßliche Betrug flog auf - und eine ganze Familie steht vor Gericht.

Die Anklage wurde verlesen, nach weniger als 15 Minuten war der erste Prozesstag vor dem Landgericht Kiel dann schon beendet. Denn: Die Angeklagten wollten sich nicht äußern. Angeklagt sind ein 53 Jahre alter Mann, seine Ehefrau und seine Mutter. Ihnen wird versuchter Betrug in 14 Fällen vorgeworfen. Laut Gerichtssprecherin Karin Witt ist bei einem besonders schweren Fall eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahren vorgesehen.

Bootsunfall sollte den Tod vortäuschen

Die Angeklagte (2.v.l) schaut zum Vorsitzenden Richter Carsten Tep © dpa-Bildfunk Foto: Frank Molter
Auch die Ehefrau des 53 Jahre alten Mannes sitzt auf der Anklagebank im Landgericht Kiel.

Die Anklageschrift liest sich wie ein Hollywood-Drehbuch: Im Jahr 2018 sollen die drei Angeklagten 14 Lebensversicherungen abgeschlossen haben - mit einer Versicherungssumme von insgesamt vier Millionen Euro. Der Mann wollte dann seinen eigenen Tod durch einen Bootsunfall vortäuschen, damit seine Frau und Mutter das Geld der Versicherung bekommen. 2019 fuhr er - angeblich - mit seinem Motorboot von Kiel nach Dänemark, wo er offenbar nie ankommt. Seine Frau meldete ihn als vermisst.

Ermittler werden stutzig

Die Polizei fand nach eigener Aussage wenig später das gekenterte Boot des Mannes und stellten fest: Es wurde manipuliert. Außerdem erfuhren sie von den 14 Versicherungen, die auf ihn abgeschlossen waren. Die Ermittler glaubten nicht an den Tod des Mannes, suchten ihn und fanden ihn schließlich auf dem Dachboden seiner Mutter.

Die mitangeklagte Mutter des Mannes war beim Prozessauftakt nicht im Gerichtssaal. Laut Gerichtssprecherin Karin Witt müsse erst geprüft werden, ob die 87-Jährige unter anderem wegen Krankheit verhandlungsfähig ist. Gegebenenfalls müsse ihr Fall gesondert verhandelt werden, so Witt. Geplant sind vorerst neun weitere Verhandlungstage, ein Urteil soll es frühestens Ende Januar geben.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 09.12.2020 | 19:30 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Eichenpfähle im Sand an der Brodauer Steilküste. © NDR

Illegaler Küstenschutz ohne Genehmigung

Isabell von L. möchte Eichenpfähle vor der Brodauer Steilküste einrammen lassen. Eine Genehmigung gibt es nicht. mehr

Positiver Coronatest © PantherMedia Foto: RECSTOCKFOOTAGE

Corona in SH: Gesundheitsämter melden 509 neue Fälle

Die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen in Schleswig-Holstein liegt Stand Mittwochabend bei 93,6. mehr

Kunden bei den Tafeln in Flensburg.

Tafeln erleben in Corona-Krise neuen Ansturm

Die Corona-Pandemie erschwert den Tafeln die Arbeit. Gleichzeitig steigt die Zahl der Hilfesuchenden. mehr

Ein Büro mit Hempels-Deckblättern an den Wänden. © NDR Foto: Cassandra Arden

Das Straßenmagazin "Hempels" feiert 25. Geburtstag

Ein bisschen Geld, soziale Kontakte und ein Stück Alltag. Das bedeutet "Hempels" für die rund 250 Verkäuferinnen und Verkäufer in Schleswig-Holstein. mehr

Videos