Stand: 05.11.2019 18:45 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Wolf-Abschuss: Jäger fordern Anonymität und Rechtsschutz

Seit vergangener Woche dürfen deutlich mehr Jäger den Wolf mit der Kennung GW924m schießen, der durch Südholstein streift. Das hatte das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUND) beschlossen. Doch die Jäger zeigen sich deutlich unzufrieden mit der neuen Regelung. "Wenn wir helfen sollen, dann auch zu unseren Bedingungen", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung des Verbandes.

Sicherheit im Rechtsfall wird gefordert

Die Jäger fordern, dass alle örtlichen Jagdscheininhaber das Recht haben sollen, den Wolf zu schießen - und nicht nur eine begrenzte Zahl. Darüber hinaus sollen die Jäger im Falle von Klage- oder Strafrechtsverfahren rechtlich abgesichert sein. Wem es gelingt, den Wolf zu erlegen, soll darüber hinaus anonym bleiben dürfen. "Wozu soll es gut sein, im Erfolgsfall den Ort und den Namen des Erlegers aktenkundig zu machen?", fragt der Präsident des Landesjagdverbandes, Wolfgang Heins, rhetorisch: "Hauptsache ist doch, dass das Problem gelöst ist."

Abschuss bisher ohne Erfolg

Der Wolfsrüde hält sich seit Mitte 2018 in einem großen Streifgebiet zwischen A7, A23 und B206 auf und reißt immer wieder Nutztiere: mutmaßlich 41 Schafe und Kälber seit Februar dieses Jahres. Das hat ihm den Namen "Problemwolf" eingebracht. Seit Anfang Januar ist er zum Abschuss freigegeben. Doch bisher konnte er nicht geschossen werden. Die neue Regelung weitet unter anderem den berechtigten Kreis auf 175 Jäger aus - für den Landesjagdverband ist das nicht ausreichend.

Risse trotz wolfsicherer Zäune

Die Abschuss-Genehmigung wurde schon mehrfach verlängert. Sie erlischt, sollte ein anderer Wolf in dem Gebiet auftauchen und nachgewiesen werden. Seit Januar 2019 wurden nach Angaben des Umweltministeriums 13 Fälle von Nutztier-Rissen festgestellt werden, die auf das Konto von GW924m gehen. Das geht aus DNA-Proben von getöteten oder verletzten Nutztieren hervor. Zudem habe dieser Wolf seit November 2018 14 Mal Tiere gerissen, die sich hinter sogenannten wolfssicheren Zäunen aufhielten, heißt es vom Ministerium. Wegen dieses Verhaltens ist der Abschuss legal: Denn obwohl der Wolf eine streng geschützte Art ist, kann er unter bestimmten Umständen abgeschossen werden - wenn zum Beispiel ein Wolf mehrfach spezielle Schutzzäune überwindet und Nutztiere reißt. Dann gilt er als sogenannter Problemwolf - und darf "entnommen" werden, wie es offiziell heißt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.11.2019 | 17:00 Uhr

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