Stand: 04.06.2019 11:43 Uhr

Wildbrücken: Menschen haben hier nichts zu suchen

Im Zuge des Ausbaus der A7 gibt es im Kreis Bad Segeberg zwei neue, sogenannte Grünbrücken: in Brokenlande und bei Bad Bramstedt. Insgesamt gibt es in Schleswig-Holstein damit jetzt fünf dieser Wildbrücken für Tiere, deren Lebensraum von verkehrsreichen Straßen zerschnitten wird. Sie werden mit schützendem Grün bepflanzt und bieten den Wildtieren die Möglichkeit, die Straßen zu queren. Die beiden neuen Brücken sind noch nicht bepflanzt. Aber fünf Wildkameras sind schon aktiv - und sie machen Fotos, sobald etwas an ihnen vorbei läuft. Regelmäßig werten Landschafts-Ökologe Björn Schulz und Jäger Wolfgang Springborn die Fotos aus. Die beiden wollen sehen, ob die Wildtiere die Brücke auch annehmen.

Menschen im Wohnzimmer der Tiere

"Jeden dritten, vierten Tag gehen Damhirsche oder Rehe hier rüber. Und mindestens jeden zweiten Tag sind Menschen drauf," resümiert Schulz. Auf einem Abschnitt ist 12 Tage lang kein Tier gesichtet worden - stattdessen aber Menschen, Fahrradfahrer und sogar Motorrollerfahrer. Durch die statistische Auswertung weiß Schulz: War ein Mensch hier, dauert es doppelt so lange, bis sich wieder Wildtiere auf die Brücke trauen. Auch Spuren zeigen, dass immer wieder Menschen mit ihren Hunden auf der neuen Brücke bei Bad Bramstedt Gassi gehen. Landschafts-Ökologe Schulz erklärt: "Wenn sich die Menschen an Wege halten, haben die Tiere keine Problem damit. Aber sobald die Menschen die Wege verlassen und sozusagen im Wohnzimmer der Tiere rumstöbern, da werden die ganz nervös."

Tiere brauchen Ruhe, um Wildbrücke anzunehmen

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Am Ende soll die Grünbrücke vollständig bewachsen sein, wie die A21-Brücke bei Negernbötel, die zwei Waldstücke miteinander verbindet.

Die Tiere würden gerade versuchen, die Brücke zu akzeptieren. Wenn sie dann andauernd von einem Mensch gestört werden, dann werden sie scheu - und bleiben fern. Für den Menschen gäbe es genug Möglichkeiten die Autobahn zu überqueren, so Björn Schulz. Einmal im Jahr bietet er eine Führung an, um aufzuklären. Einem Naturfreund war bislang nicht bewusst, dass er die Wildbrücke nicht benutzen darf. Er gibt zu: "Ich fahr hier tagtäglich lang zur Arbeit." Es muss Ruhe einkehren, damit sich Pflanzen ansiedeln können - und dann nicht nur Damwild, sondern auch Hasen, Frösche und Käfer die Brücke am Ende auch wirklich nutzen. Denn das können sie nur, wenn die Menschen wegbleiben.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 04.06.2019 | 19:30 Uhr

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