Kritik von Naturschützern am Ausbau der S4

Stand: 28.10.2022 20:48 Uhr

Die S-Bahnlinie 4 soll in ein paar Jahren von Hamburg über Ahrensburg bis nach Bad Oldesloe fahren. Dafür ist der Ausbau der Strecke geplant. Bei einer Infoveranstaltung in Ahrensburg am Abend wurde laut Kritik geäußert.

Nach Angaben der Bahn wird die S4 zukünftig durch den Neubau von zwei Gleisen unabhängig vom restlichen Zugverkehr fahren. Das führe zu weniger Verspätungen und einer direkten und schnelleren Verbindung zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein. Am Abend wurden in Ahrensburg (Kreis Stormarn) die neuesten Pläne vorgestellt. Es wurde klar: Zusammen mit dem Güterverkehr aus Skandinavien über den Fehmarnbelttunnel wird es zu eng. In Hamburg wird bereits gebaut, in Schleswig-Holstein noch geplant.

Auswirkungen auf Naturschutzgebiet befürchtet

Naturschützer befürchten, dass der Ausbau negative Folgen für das Naturschutzgebiet Ahrensburger Tunneltal haben könnte. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) aus Ahrensburg begrüße die Baumaßnahmen zwar grundsätzlich, hieß es in einer Mitteilung des Verbands - schließlich trage eine Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkerhs (ÖPNV) zu einer Verkehrswende bei. Aus Sicht der Umweltschützer werden durch die zusätzlichen Gleise und die damit verbundenen weiteren Baumaßnahmen jedoch Biotope zerschnitten. Der BUND schlägt deshalb vor, dass eine oder mehrere Unterführungen gebaut werden sollen. Generell soll die Natur durch den Ausbau so wenig wie möglich belastet werden. "Hier dürfen sich weder die Bahn noch die Genehmigungsbehörden auf die rechtlich geringsten Ausgleichsmaßnahmen beschränken, sondern sollten die Chance nutzen, eine wirkliche Aufwertung der Biotopvernetzung in Ahrensburg umzusetzen", so der BUND Ahrensburg.

Kritik kommt auch von Archäologen, denn in dem Gebiet wurden bedeutsame Funde von Menschen entdeckt, die nach der letzten Eiszeit lebten. Und ein weiterer Knackpunkt: Geplant war in Ahrensburg eine sechs Meter hohe, blickdichte Lärmschutzwand. Bürger und Stadtverwaltung bemängeln, dass dadurch historische Sichtachsen zerstört würden.

Bahn präsentiert neue Lärmschutzwand

Vertreter der Deutschen Bahn präsentierten nun eine Alternative: eine neu entwickelte, transparente Lärmschutzwand mit verbessertem Schallschutz. Das Zertifizierungsverfahren läuft aktuell noch. Noch in diesem Jahrzehnt soll die erste S4 bis Bad Oldesloe fahren. Laut Bahn nehmen die Fahrgastzahlen im Regionalverkehr zwischen Hamburg, Ahrensburg und Bad Oldesloe seit Jahren zu. Rund 250.000 Menschen profitieren demnach künftig von der neuen S4.

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Schleswig-Holstein Magazin | 28.10.2022 | 19:30 Uhr

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