Stand: 26.10.2018 16:25 Uhr

Jüdische Gemeinde Pinneberg: Seibert tritt zurück

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Pinneberg, Wolfgang Seibert, ist zurückgetreten. Das gab der Landesverband der jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein bekannt. Am vergangenen Wochenende hatte ein "Spiegel"-Artikel für viel Wirbel gesorgt. Darin zweifelten die Autoren die jüdische Identität Seiberts an. Seibert hat die jüdische Gemeinde Pinneberg 15 Jahre lang geleitet.

Nach Angaben des Verbandes haben sich beide Seiten einvernehmlich auf einen Rücktritt geeinigt, um Schaden von der jüdischen Gemeinde abzuwenden. Welche Rolle der 71-Jährige in Zukunft in der Gemeinde Pinneberg spielen wird, ist noch unklar. Das sollen die Mitglieder der Gemeinde entscheiden, heißt es vom Landesverband. Bis dahin wird die Geschäftsführerin des Landesverbandes die Gemeinde Pinneberg übergangsweise leiten.

Seibert will sich nicht öffentlich äußern

Vor dem Rücktritt Seiberts hatte sein Anwalt die Vorwürfe des "Spiegel", er sei kein Jude, in einem Schreiben abgestritten. Laut dem Nachrichtenmagazin ist Seibert weder konvertierter, noch gebürtiger Jude. Seibert selbst will sich nach Darstellung seines Anwalts nicht öffentlich zu den Vorwürfen äußern. Es bestehe "kein Interesse an einer öffentlich geführten Debatte über die Frage, wer legitimes Mitglied einer jüdischen Gemeinde sein darf und wer nicht", schreibt der Anwalt in einer Erklärung.

Weitere Informationen

Jüdischer Verband prüft Vorwürfe gegen Seibert

Nach "Spiegel"-Informationen ist der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Pinneberg kein Jude. Wolfgang Seibert weist die Vorwürfe zurück. Der Landesverband der jüdischen Gemeinden prüft den Fall. mehr

Zum Verweis des "Spiegel" auf Kirchenbücher und andere Archivmaterialien erklärt der Anwalt, es sei "der besonderen Geschichte der Juden in Deutschland geschuldet", dass vielfach ein Nachweis jüdischer Abstammung nicht eindeutig zu erbringen sei. Oft fehlten Dokumente. Oder diese seien zum Schutz vor Verfolgung gefälscht worden. Unbestritten sei, dass Seibert in den 70er und 80er Jahren Mitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main gewesen sei. Überdies sei seit Gründung der Gemeinde in Pinneberg 2002 sein "jüdischer Status" drei Mal überprüft worden.

Jüdische Pflegeeltern im "Spiegel" nicht erwähnt

"Vor, seit und nach seiner Mitgliedschaft in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt lebte Herr Seibert jüdisch, einen Religionswechsel oder eine andersartige religiöse Orientierung hat es nie gegeben", heißt es in dem Anwaltsschreiben. Auch berichte das Magazin zwar über Seiberts leibliche, nicht-jüdische Eltern, nicht jedoch über seine jüdischen Pflegeeltern. Solche "Teilinformation beziehungsweise das Weglassen anderer Informationen führt zu einem falschen Bild der Person des Herrn Seibert", schreibt der Anwalt.

Allerdings habe Seibert in einigen Punkten, Vorträgen, öffentlichen Stellungnahmen oder Darstellungen "überzogen", so der Anwalt. Einzelpersonen fühlten sich dadurch beleidigt. Dafür wolle sich Seibert entschuldigen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.10.2018 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

04:29
Schleswig-Holstein Magazin

Flenburg: 150 Jahre SPD-Kreisverband

14.11.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:12
Schleswig-Holstein Magazin

Einsatztraining der Ratzeburger Polizei

14.11.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:24
Schleswig-Holstein Magazin

Gerechtigkeit für Tiere: Die Tierschutz-Kids

14.11.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin