Stand: 13.06.2018 15:48 Uhr

Horrende Handyrechnung nach Mini-Kreuzfahrt

Es sollte eine schöne, kleine Kreuzfahrt werden. Es wurde der vermutlich teuerste Ausflug, den die Familie aus Berlin je gemacht hat: Im April ging die Familie in Kiel an Bord einer Fähre der norwegischen Reederei Color Line, um nach Oslo zu fahren.

Ein paar Videos auf dem Smartphone

Auf dem Schiff sah sich der zwölf Jahre alte Sohn der Familie auf seinem Smartphone ein paar Videos an. Dabei war er nach Informationen von NDR 1 Welle Nord mit dem Mobilfunknetz an Bord verbunden, das über Satellit eine Internet-Verbindung aufgebaut hatte.

Roaming auf See nicht abgeschafft

Die Folgen: Eine Rechnung von mehr als 12.000 Euro. Diese Summe verlangt der Anbieter für rund 470 Megabyte Daten. Der Grund für die hohen Kosten: Kreuzfahrtschiffe strahlen ihr eigenes Mobilfunknetz aus - per Satellit. Die Nutzung dieser Netze ist teuer. Denn auf Kreuzfahrtschiffen und auch in Flugzeugen fallen Gebühren für Roaming an, also für das Benutzen von ausländischen Telefonnetzen.

Diese Rechnung flatterte der Familie nach ihrer Mini-Kreuzfahrt ins Haus.
Anwalt hält Betrag für sittenwidrig

Aus Kulanzgründen hat der Telefonanbieter den Betrag zwar reduziert. Aber er will immer noch fast 5.000 Euro haben. Die Familie findet auch diese Rechnung zu hoch und hat einen Anwalt eingeschaltet. Der hält die Rechnung für sittenwidrig und versucht nun dagegen vorzugehen.

Reederei bedauert Vorfall

Die Reederei Color Line bedauerte den Vorfall. Vor Antritt der Reise sollten sich die Kunden über die Roaminggebühren auf See bei ihrem Mobilfunkanbieter informieren. An Bord gebe es die Möglichkeit, das W-LAN über das interne Netzwerk zu nutzen. Das sei eine kostentransparente Alternative.

Tipps von Verbraucherschützern

Vor der Reise beim Veranstalter oder der Reederei nachfragen, welche Tarife an Bord angeboten werden. Am besten ein WLAN-Paket zum Festpreis buchen, wenn das möglich ist. Per WLAN kann man auch telefonieren. Im Last-Minute-Fall direkt an Bord erkundigen, ob WLAN zur Verfügung steht und wie die Preise und Konditionen sind. Bevor es an Bord geht, unbedingt die mobile Datennutzung, die automatische Netzeinwahl und automatische Updates für Apps ausschalten. Das geht direkt am Smartphone über die Einstellungen. Bei der Ankunft im Hafen auf die richtige Netzeinwahl achten, denn das Handy wählt automatisch das stärkste Netz - was im Hafen auch das bordeigene Mobilfunknetz des Schiffes sein kann.
Wenn später doch eine unerwartet hohe Rechnung ins Haus flattert: Dieser Rechnung schriftlich widersprechen und nur den unstrittigen Anteil überweisen. Dann am besten schnell in die Beratungsstelle der Verbraucherzentrale kommen, denn für Widerspruch gelten Fristen.

Weitere Informationen

Mini-Kreuzfahrten: Das Handy als Kostenfalle

Wer auf einer Fähre in europäischen Gewässern unterwegs ist und ein Handy dabei hat, kann sein blaues Wunder erleben. Auf hoher See drohen empfindlich hohe Rechnungen. mehr

Handy-Nutzung auf See: Möglich - aber teuer

Auch auf Kreuzfahrtschiffen oder Fähren möchten viele Reisende per Smartphone mit ihren Freunden zu Hause in Kontakt bleiben. Doch Vorsicht: Die Kosten dafür sind sehr hoch. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.06.2018 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:27
Schleswig-Holstein Magazin

Gefesselter Mann: Ermittlungen laufen

17.10.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:14
Schleswig-Holstein Magazin

Röntgenlaser enttarnt Antibiotikaresistenzen

17.10.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
01:06
Schleswig-Holstein Magazin

Polizei durchsucht Gebäude im Rockermilieu

16.10.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin