Stand: 08.07.2018 08:00 Uhr

Footballer aus Barmstedt: Plötzlich sind Scouts da

von Hanna Böhme

Wer Erik Bockisch beim Football-Training beobachtet, kann schnell erkennen, dass er ein wertvoller Spieler für das U16-Team der Fighting Pirates aus Elmshorn (Kreis Pinneberg) ist: Mit einer Größe von 1,92 Meter und einem Gewicht von 130 Kilogramm - dazu Stollenschuhe, ein gelber Helm und Schulterpolster - ist der 16-Jährige eine ganz schön imposante Erscheinung auf dem Sportgelände des EMTV Elmshorn. Er spielt in der sogenannten Offense-Line als Left-Tackle. "Ich gehöre also zu denen, die Ballwerfer und Ballfänger im Team vor dem Gegner beschützen", erklärt der Sportler aus Barmstedt seine Position. In den Genuss dieses Schutzes kommen seine Elmshorner Mitspieler allerdings nicht mehr lange. Bockisch steht vor dem Sprung in die USA. Er hat ein Sportstipendium bekommen.

Football-Talent aus Barmstedt geht in die USA

"Den ersten Tag habe ich richtig verkackt"

Im Training werden an diesem Tag noch mal verschiedene Spielzüge und Zweikampfsituationen geübt. Es ist eine der letzten Einheiten des 16-Jährigen bei den Fighting Pirates. Er hat offenbar so viel Talent, dass er bei einem Sichtungsturnier vor einigen Wochen von amerikanischen Scouts entdeckt wurde. "Den ersten Tag habe ich richtig verkackt, am zweiten ist es dann echt gut gelaufen", sagt er.

"Echt gut" bedeutet: Er bekam den Zuschlag für ein Vollstipendium an der Salisbury Highschool im amerikanischen Bundesstaat Connecticut, die er ab September besuchen wird. Fünf Mal die Woche wird er dort trainieren. Erreicht er einen bestimmten Notendurchschnitt, wird sein Stipendium im kommenden Sommer verlängert. In drei Jahren will Bockisch in den USA seinen Abschluss machen.

Beim Fußball stand der Junge immer im Tor

Auf dem Sportgelände in Elmshorn stehen auch Eriks Eltern Birgit und Ralf Bockisch und sehen zu. Dass ihr Sohn so gut im Footballspielen ist, war ihnen nicht von Anfang an bewusst. Als er anfing, freuten sie sich vielmehr darüber, dass er eine Sportart gefunden hatte, die ihm so viel Spaß machte. "Beim Fußball musste er immer ins Tor, was ihn ziemlich demotivierte", erklärt seine Mutter Birgit. Als er vor drei Jahren dann von einem Probetraining bei den Fighting Pirates zurückkam, habe Erik selbst völlig ungläubig zu ihr gesagt: "Mama, genau so einen wie mich brauchen die", erinnert sie sich.

Bei seinem Vorhaben, in den USA seinen Abschluss zu machen und dort dann vielleicht sogar das College zu besuchen, unterstützen beide Elternteile ihn voll. Vor allem organisatorisch muss dafür im Vorfeld noch einiges geregelt werden: Visum, Versicherungen, Flugtickets und zahlreiche Formulare, die ausgefüllt werden müssen. Viel Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, dass ihr Sohn ab September nicht mehr hier ist, haben die Eltern deswegen noch nicht. "Die Tränen kommen sicher erst am Flughafen", sagt Eriks Mutter und lacht.

Zweiter Elmshorner Spieler in den USA

Von den Fighting Pirates ist Bockisch schon der zweite Spieler, der ein Sportstipendium in den USA erhält. Vor einem Jahr hat Neville Krüger aus Glückstadt (Kreis Steinburg) diesen Schritt gewagt. Es ist ein gutes Feedback für die Arbeit der Elmshorner Footballer. Die Abteilung gibt es im Verein seit 27 Jahren, mittlerweile mit fast 200 Sportlern im Jugend- und Seniorenbereich. Das Team, in dem Bockisch noch spielt, ist im Moment Zweiter in der Regionalliga Nord - mit realistischen Chancen auf die Meisterschaft.

Erik habe großen Anteil daran, dass die Mannschaft so erfolgreich ist, erklärt sein Trainer. Und das nicht nur durch seine Leistung, sondern auch durch seinen Charakter. "Er ist ein toller Typ, ist für seine Mitspieler da und hat die Mannschaft einfach extrem stark geprägt", sagt Coach Schwarz. Und das stimmt: Wer Erik Bockisch im Training beobachtet, sieht nicht nur einen 16-Jährigen mit beeindruckender Statur - sondern auch einen jungen Sportler, der offensichtlich Spaß hat mit seinem Team und hier und da auch Hinweise an Mitspieler gibt, wie sie besser werden können.

Die Nervosität wird jetzt jeden Tag mehr

Das Training ist vorbei. Auf dem Spielfeld findet noch mal eine Teambesprechung statt, eine der letzten für Bockisch bei den Fighting Pirates. Am 3. September geht sein Flug. Von Tag zu Tag werde er jetzt nervöser, gibt er nach dem Training zu. Vermissen werde er vor allem Freunde und Familie. Drei Mal im Jahr will er nach Hause fliegen, um sie zu besuchen. Aber auch die Vorfreude ist dem 16-Jährigen anzusehen. Besser werden als Spieler und vielleicht sogar Profi-Footballer werden, das sind seine Ziele.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Aktiv | 08.07.2018 | 16:50 Uhr

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