Ferndiagnose per Datenbrille: Ein Unternehmen testet

Sendedatum: 11.10.2020 19:30 Uhr

Ein Elektrotechnik-Unternehmen aus Norderstedt will künftig eine Videobrille einsetzen, um Hilfe bei Problemen mit Schaltkästen zu leisten. Die Datenschutzbeauftragte sieht den Einsatz eher kritisch.

Wenn es technische Probleme gibt, dann müssen die Technikerinnen und Techniker von Hanseatic Power Solutions noch persönlich anreisen, um den Fehler zu finden. Doch nicht nur bei der Diagnose, sondern auch bei Wartung und Reparatur sind oft lange Wege nötig. Denn die Firma aus Norderstedt (Kreis Segeberg) betreut weltweit elektrische Schaltschränke, die die Stromversorgung von Großunternehmen sichern - vom Einkaufszentrum bis zum Flughafen. Dank einer neuen Datenbrille können die Technikerinnen und Techniker künftig per Ferndiagnose arbeiten.

Brille mindert logistischen Aufwand

Die Videobrille funktioniert wie eine Live-Kamera. Verbunden mit dem Internet zeigt sie das, was der Träger der Brille in diesem Augenblick sieht. Mit dem Bild auf dem Computer kann der Techniker aus Norderstedt dann weltweit agieren und bei kleinen Problemen außerdem sofort helfen. Damit spart das Unternehmen nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit: "Von uns fliegt normalerweise immer ein Techniker los und bringt dann aber noch einen riesigen Werkzeugkoffer mit. Da müssen wir entsprechend Übergepäck mit buchen. Bei längeren Strecken fliegen wir dann auch Businessclass, weil sonst ist er dann völlig erschöpft, wenn er dort ankommt, und er soll meistens ja gleich arbeiten", erklärt Bernd Mähnss, Geschäftsführer von Hanseatic Power Solutions. "Der Flug muss vorbereitet werden, die Hotels müssen gebucht werden, vor Ort ein lokaler Transport entsprechend besorgt werden, das ist schon ein logistischer Aufwand, den wir haben", sagt er weiter.

Datenschutzbeauftragte ist besorgt

Auch die Auftraggeber sollen von der Ferndiagnose per Datenbrille profitieren - schließlich soll die Hilfe schneller und kostengünstiger sein. Die Datenschutzbeauftragte Marit Hansen sieht die Brille allerdings kritisch: "Es ist sehr naheliegend, auch die Arbeitsleistung zu kontrollieren." Demnach könnten Arbeitgeber mit der Brille nachvollziehen, wie schnell ein Mitarbeiter arbeitet, Dinge versteht und umsetzt. "Damit sind das auch auf einmal Daten, die mit in eine Leistungskontrolle einfließen können", so Hansen.

Arbeitsmittel der Zukunft?

Personalkürzungen soll es in seinem Unternehmen laut Geschäftsführer Mähnss durch den Einsatz der Brille nicht geben. Durch die Videobrille könne seine Firma schneller arbeiten und so mehr Aufträge annehmen. Mähnss will nach dem erfolgreichen Testlauf weitere Brillen kaufen, um diese auch in Krisen- oder Corona-Gebiete zu schicken. Das sei die Zukunft sagt er.

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Schleswig-Holstein Magazin | 11.10.2020 | 19:30 Uhr

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