Stand: 20.08.2020 05:00 Uhr

Corona-Studie: Verbreitet sich das Virus unter Hotel-Personal?

Die Lübecker Bucht am Wochenende: ein Paradies für Touristen. Auch für das Coronavirus? Das wollen Wissenschaftler des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) herausfinden. Sie erforschen in der sogenannten Elisa-Studie, wie sich die Corona-Maßnahmen in Zeiten der Lockerungen auf die Infektionszahlen auswirken. Jetzt sollen auch besondere Risikogruppen wie Hotel-Personal getestet werden. Weil Mitarbeiter in Hotellerie und Gastronomie wenig Zeit haben, kommen die Forschenden aus Lübeck mit ihrer Testausrüstung nun direkt in die Hotels.

Hotelpersonal besonders gefährdet

Das Hotel Atlantik liegt direkt an der Strandpromenade im Touristen-Hotspot Lübeck-Travemünde. Infektiologe Jan Rupp und sein mobiles Test-Team wollen herausfinden, ob sich das Virus beim Hotel-Personal verbreitet hat. "Sie sind durch den Kontakt zu den Touristen gefährdet, zu den Reiserückkehrern aber auch durch den Kontakt untereinander. Und darauf müssen wir viel mehr unser Augenmerk richten, diese Gruppen auch zu testen", erklärt Rupp. Es kämen Menschen aus vielen Bundesländern mit unterschiedlichen Infektionsgeschehen nach Schleswig-Holstein, dadurch gebe es ein deutlich höheres Risiko einer unentdeckten Infektion, die zu einem größeren Ausbruch führen könnte.

Viele Hoteliers sagen Tests ab

1.200 Mitarbeiter wollen Rupp und seine Kollegen testen. Eigentlich. Doch viele Hotels sagen ab - aus Angst vor den wirtschaftlichen Folgen, sollte ein Test positiv ausfallen. Bisher haben sich nur zwei Hotels gefunden. Bis Ende September wollen die Wissenschaftler 600 Tests schaffen. Deshalb kommen sie mit ihrem mobilen Testlabor direkt in die Hotels. "Für alle, die hier teilnehmen, haben wir einen Arbeitsausfall von zehn Minuten", so Rupp. Im Hotel Atlantic lassen sich knapp 60 Mitarbeiter auf das Virus untersuchen. Zu ihnen gehört auch der Direktor des Hotels, Kay Plesse. Am Ende sei der Test wichtig, damit die Gäste Vertrauen in die Hotelmitarbeiter haben. "Sie sollen sehen, dass wir ein Hygienekonzept haben, das funktioniert und mit einem sicheren Gefühl zu uns kommen", meint Plesse.

Mitarbeiter freuen sich über Tests

Getestet wird auf eine akute Infektion - aber auch auf Antikörper im Blut, die zeigen, ob jemand schon Corona hatte. "Man weiß ja immer nicht, ob die Gäste wirklich gesund herkommen", berichtet Servicekraft Carola Mehhorn. Auch sie lässt sich auf das Virus untersuchen. "Ich arbeite im Frühstücksservice, wir räumen die Tische ab, fassen uns vielleicht mal unbewusst ins Gesicht, deshalb habe ich manchmal doch Bedenken", sagt sie.

Bisher alle Befunde negativ

Die Ergebnisse der Antikörper-Tests liegen noch nicht vor. Zumindest ist schon klar: Keiner der bisher Getesteten hat akut Corona. Doch das kann sich schnell ändern. "Deswegen ist immer der Appell - wenn es schon an den Stränden zu voll ist, dann sucht euch einen anderen Strandabschnitt, denn wenn etwas passieren würde, dann können wir es nicht mehr nachverfolgen", ist sich Rupp sicher. So könnte sich das Virus unkontrolliert verbreiten. Und das wollen Hoteliers und Gastronomen in der Lübecker Bucht auf jeden Fall verhindern.

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Schleswig-Holstein Magazin | 19.08.2020 | 19:30 Uhr

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