Stand: 26.02.2020 19:12 Uhr

Corona: Keine Panik in SH, aber Wachsamkeit

In Deutschland gibt es aktuell etwa 20 bestätigte Coronavirus-Erkrankungen. Experten gehen davon aus, dass sich das Virus auch bald bis nach Schleswig-Holstein ausbreiten wird. Bisher gibt es keinen Fall im Land. Der Leiter des Instituts für Infektionsmedizin am UKSH in Kiel, Helmut Fickenscher, empfiehlt schon jetzt vorsorglich Schutzmaßnahmen. "Ich würde Menschenansammlungen meiden, würde eher Abstand zu anderen Personen halten, das Hände geben einstellen. Man kann auch freundlich sein, ohne die Hände zu schütteln." Der Institutsleiter rät außerdem dazu, Hände am besten mit warmen Wasser und Seife zu waschen oder diese zu desinfizieren.

Gesundheitsministerium geht nach Pandemie-Plan vor

Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) versichert, das Land sei bestmöglich vorbereitet. Sollte das Coronavirus den Norden erreichen, werde nach dem Pandemie-Plan vorgegangen. So könnten betroffene Patienten zum Beispiel in Quarantäne untergebracht werden. Um die landesweiten Maßnahmen bei Bedarf zu koordinieren, habe sein Ministerium extra eine Leitstelle eingerichtet, sagte Garg. Über diese stehen alle relevanten Ansprechpartner in Verbindung.

Wie bei einer Influenzawelle üblich, fragt das Gesundheitsministerium momentan unter anderem die vorhandenen Bettenkapazitäten in den Krankenhäusern ab. Im Universitätsklinikum Lübeck stehen zum Beispiel 92 Intensivbetten bereit. 28 in Ein-Bett-Zimmern, damit Patienten isoliert werden können. In einer zweiten Stufe würden die Kliniken dann prüfen, welche geplanten OPs verschoben werden können, um Corona-Patienten aufzunehmen

Zunächst beim Hausarzt anrufen

Das Virus löst ähnliche Symptome wie eine heftige Erkältung aus. Dazu gehören Husten, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Fieber ist ein wichtiger Indikator. Auch Durchfall kann auftreten. Das Gesundheitsministerium rät im Verdachtsfall nicht gleich ins Krankenhaus zu gehen, sondern sich telefonisch beim Hausarzt Rat zu holen. Nur bei deutlichen Krankenheitsbildern wird der Patient stationär aufgenommen. Die Gefahr, sich mit dem Virus angesteckt zu haben, besteht laut dem Virologen Thomas Lorentz vor allem dann, wenn man Kontakt mit einer Person hatte, die in einem Risikogebiet war - etwa im chinesischen Wuhan oder in Mailand in Italien.

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Werden Klassenfahrten wegen Virus verschoben?

Derweil hat das Bildungsministerium die Schulen im Land aufgefordert, die Notwendigkeit von Klassenfahrten ins Ausland mit Blick auf das Coronavirus zu überprüfen und zu klären, ob diese verschoben oder abgesagt werden sollten. Die Apothekerkammer rechnet damit, dass wegen des Coronavirus bald die Desinfektionsmittel ausgehen. Die Nachfrage sei immens, heißt es.

Seeleute müssen zum Hafenarzt

Vorbereitet sieht man sich auch im Kieler Hafen: Nach Angaben der Stadt sehen internationale Vorschriften vor, dass Schiffsbesatzungen vor dem Anlauf den Hafenarzt kontaktieren und über Erkrankungen an Bord informieren müssen. Sollte es Anzeichen für einen möglichen Corona-Fall geben, müssen die betroffenen Personen bereits an Bord in Quarantäne.

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Eine Laborantin sitzt an einem Mikroskop in einem abgedunkelten Labor © Colourbox

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.02.2020 | 13:00 Uhr

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