An einem Stand auf einem Wochenmarkt im Berliner Stadtteil Steglitz werden Mund-Nasenbedeckung zum Kauf angeboten. © Kay Nietfeld/dpa Foto: Kay Nietfeld

Corona: Kreis Pinneberg überschreitet kritische Schwelle

Stand: 24.10.2020 16:56 Uhr

In mehreren Regionen Schleswig-Holsteins steigen seit Tagen die Corona-Fälle deutlich an. Pinneberg hat als erster Kreis die kritische Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner erreicht.

Die Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage dienen als Grundlage für diesen sogenannten Inzidenzwert. Dieser gibt die Zahl der registrierten Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in einer Woche an. Pinneberg liegt laut den neuen Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei genau 50,0 (Stand 24.10. 0 Uhr). Der Kreis hatte diese Entwicklung laut einer Pressemitteilung am Freitag vorhergesehen und bereits angekündigt, dass deswegen ab kommender Woche schärfere Corona-Regeln gelten - nämlich unter anderem striktere Kontaktbeschränkungen und eine Sperrstunde für Restaurants und Kneipen. Pinnebergs Landrat Oliver Stolz (parteilos) sagte, die Maßnahmen seien notwendig, um das wirtschaftliche und soziale Leben im Kreis Pinneberg zu erhalten.

Herzogtum-Lauenburg überschreitet 35er-Marke

Auch der Kreis Herzogtum-Lauenburg meldet steigende Infektionszahlen: Am Sonnabendnachmittag hat die Verwaltung informiert, dass der Kreis die Warnschwelle von 35 gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 in sieben Tagen überschritten hat. Eine neue Allgemeinverfügung regelt, dass ab sofort strengere Regeln gelten - zum Beispiel wird in Geesthacht und Schwarzenbek sowie in der Gemeinde Wentorf bei Hamburg die Maskenpflicht auf bestimmte öffentliche Räume ausgeweitet. Private Veranstaltungen zu Hause oder im eigenen Garten sind auf maximal 15 Teilnehmer begrenzt. Darüber hinaus tritt eine Sperrstunde für Gastronomiebetriebe zwischen 23 Uhr und 6 Uhr in Kraft. Die Maßnahmen hat die Kreisverwaltung auf ihrer Internetseite im Detail veröffentlicht, sie gelten vorerst bis 31. Oktober 2020.

Angst, die Kontaktketten nicht nachvollziehen zu können

Landrat Christoph Mager (CDU) mahnte zur Vorsicht: "Jetzt kommt es darauf an, diese Regelungen zu beherzigen und so die Ausbreitung des Virus zu bremsen. So gibt es vielleicht noch eine Chance, die nächste Warnstufe ab einem Inzidenzwert von 50 zu verhindern, welche noch weitergehende Maßnahmen für uns alle bedeuten würde." Wie Dithmarschens Landrat Mohrdieck fürchtet auch Mager, dass die Kontaktverfolgung bald unmöglich wird, sollten die Zahlen ungebremst weiter steigen. Der Landrat des Kreises Segeberg, Jan Peter Schröder (parteilos), rechnet damit, dass der Schwellenwert von 35 Neuinfektionen schon bald überschritten wird. Da das Ausbruchsgeschehen auf ein Alten- und Pflegeheim in Norderstedt eingrenzbar sei, gebe es keine weiteren Einschränkungen für den gesamten Kreis. "Strengere Regeln für die gesamte Bevölkerung wären in diesem Fall nicht gerechtfertigt", so Schröder.

Gemeldete Infektionen: Woher die Zahlen kommen

Die Gesundheitsämter melden die Positivfälle an die Landesmeldestelle - in Schleswig-Holstein das Institut für Infektionsmedizin der Kieler Universität. Dort laufen die Zahlen aus allen Kreisen und kreisfreien Städten zusammen und werden ausgewertet. Außerdem gibt die Landesmeldestelle die Zahlen an das RKI weiter, das die Zahlen aus allen Bundesländern zusammenfasst.

Dazu muss man wissen: Durch einen zeitlichen Verzug in der Meldekette treffen Informationen über Neuerkrankungen teils erst Tage später an offizieller Stelle ein. Auch Wochenenden oder Feiertage können ein Grund für eine Verzögerung sein. Manchmal kann die verspätete Meldung beispielsweise auch dem Umstand geschuldet sein, dass die Gesundheitsämter bei einem positiven Fall von Corona zunächst notwendige Maßnahmen wie die Ermittlung von Kontaktpersonen ergreifen, bevor sie die Zahlen an die Landesmeldestelle weiterleiten. Der Gesundheitsschutz hat im Zweifel Vorrang vor der Eingabe statistischer Zahlen.

Stormarn und Dithmarschen kratzen an 50er-Schwelle

Die Kreise Dithmarschen und Stormarn stehen knapp unter 50 gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000. Die Zahlen für den Kreis Stormarn (Stand 23. Oktober) zeigen 44 Neuinfektionen - daraus ergibt sich ein Inzidenzwert von 47,1. Für einige Bereiche von Bad Oldesloe, Bargteheide und Ahrensburg hatte die Verwaltung in den vergangenen Tagen bereits verkündet, dass dort knapp zwei Wochen lang ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden muss.

Maskenpflicht und Sperrstunde nun in ganz Dithmarschen

Nach Angaben der Dithmarscher Kreisverwaltung am Sonnabendnachmittag liegt der Inzidenzwert bei 45,05. Der Kreis hatte in den vergangenen Tagen seine Schutzmaßnahmen ausgeweitet: Während zunächst eine Maskenpflicht und Sperrstunde nur für die Stadt Heide galt, wo bisher die meisten Fälle zu verzeichnen waren, wurden in einer neuen Allgemeinverfügung des Landrats diese Maßnahmen auf den gesamten Kreis ausgeweitet. Allein 30 gemeldete Ansteckungen an zwei Tagen in der vergangenen Woche trieben den Inzidenzwert in Dithmarschen nach oben. Zunächst waren für die steigenden Zahlen Infektionen im Westküstenklinikum und in Pflegeeinrichtungen verantwortlich.

Warum die Zahlen trotzdem immer weiter steigen, ist für Landrat Stefan Mohrdieck (parteilos) jetzt nicht mehr zu erklären: "Wenn man in Hamburg arbeitet und in Marne beispielsweise wohnt, dann kann es natürlich sein, dass man sich auch am Arbeitsplatz etwas eingefangen hat. Das lässt sich bei der weiter fortschreitenden Ausbreitung überhaupt nicht mehr zuordnen." Wird der Inzidenzwert von 50 überschritten, wären weitere Kontaktbeschränkungen im ganzen Kreis die Folge. Dann dürften sich nur noch zehn Personen aus zwei Haushalten treffen. Und bei Veranstaltungen wären nur noch 100 Teilnehmer erlaubt.

Maskenpflicht ab jetzt in Timmendorfer Strand

Nach einem Corona-Ausbruch in einem Hotel in Timmendorfer Strand hat der Kreis Ostholstein eine Maskenpflicht und andere Beschränkungen für das Ostseebad erlassen. Der Ausbruch habe wesentlich dazu beigetragen, dass der Inzidenzwert überschritten worden sei, sagte der Landrat des Kreises, Reinhard Sager (CDU), am Freitag. Da es sich aber um einen lokal begrenzten Ausbruch handele, sei es ausreichend, die Beschränkungen nur für das Ostseebad zu verhängen. In dem Hotel in Timmendorfer Strand hatten sich mit Stand von Freitag 37 von 101 Mitarbeitern mit dem Coronavirus infiziert. Seitdem muss in Timmendorfer Strand auf besonders frequentierten Straßen und Plätzen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

Günther mahnt zur Vorsicht

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte die Schleswig-Holsteiner am Donnerstag erneut zur Einhaltung der Corona-Regeln aufgerufen. In einer Videobotschaft appellierte er, weiterhin umsichtig zu handeln und aufeinander acht zu geben. Die Lage sei ernst, die Infektionszahlen würden weiter steigen, sagte Günther. Die Politik der Landesregierung bleibe es, alles zu unternehmen, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, so Günther. Ohne die Mithilfe der Bevölkerung werde dies jedoch nicht gehen. Jeder solle eindringlich prüfen, ob private Reisen und Zusammenkünfte wirklich notwendig seien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.10.2020 | 17:00 Uhr

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