Stand: 07.01.2020 11:25 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Anträge für Tierheimgelder zu kompliziert?

Von Sylt bis Reinbek - überall im Land arbeiten zumeist Ehrenamtliche in vielen Tierheimen. Das Problem bei fast all diesen Einrichtungen: Sie sind knapp bei Kasse. Im vergangenen Jahr hat das Land 250.000 Euro für Investitionen in Tierheimen bereitgestellt. Doch abgerufen wurden aus diesem Topf des Umweltministeriums nur 7.300 Euro. Das geht aus der Antwort des Umweltministeriums auf eine Kleine Anfrage des SSW zurück, über die NDR Schleswig-Holstein berichtet hat. Der Hauptgrund offenbar: Die bürokratischen Hürden sollen für die Tierheime zu hoch sein - das Ministerium will nun reagieren.

Bürokratie: Tierheime rufen Fördergelder nicht ab

Schleswig-Holstein Magazin -

Von 250.000 Euro Fördergeldern, die das Land für Sanierungs- und Baumaßnahmen in Tierheimen zur Verfügung stellt, wurden nur 7.300 Euro abgerufen - wegen der bürokratischen Hürden.

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Sieben Seiten Antrag und die Suche nach Handwerkern

Der Antrag auf Fördermittel hat sieben Seiten und sieht erstmal übersichtlich aus. Aber er habe es ins sich, erklärt Sabine Petersen, die Vorsitzende des Landestierschutzbeirates. Ab einer Fördersumme von 10.000 Euro müsse jedes Tierheim, das etwas bauen möchte, drei Angebote von jedem beteiligten Gewerk einholen. Für die ehrenamtlich tätigen Tierheimbetreiber sei das ein enormer Aufwand. Insbesondere, so Petersen, weil derzeit die Handwerksbetriebe ausgebucht seien und kaum Zeit hätten.

Antragstellung dauert oft Monate

Sabine Petersen ist auch Vorsitzende des Kieler Tierheims und spricht aus Erfahrung: "Es dauert ungefähr ein halbes Jahr, um alle nötigen Unterlagen, alle baulichen Klarheiten, soweit zu haben, dass ich den Förderantrag stellen kann." Sie ermutigt die Tierheime trotzdem, Anträge zu stellen und sich rechtzeitig zu kümmern, auch "wenn das alles viel Zeit und Mühe kostet, damit allein auch dieses Geld weiterhin bereitgestellt wird." Gleichzeitig wünscht sich Petersen vom zuständigen Umweltministerium, die europäische Förderrichtlinie nochmal etwas zu verschlanken, um den Verwaltungsaufwand für die ehrenamtlich arbeitenden Vorstände zu vereinfachen.

Ministerium will mit Tierheim-Betreibern sprechen

Ein Sprecher des Ministeriums sagte NDR Schleswig-Holstein, es gebe strenge Auflagen vom Bundesrechnungshof für Förderanträge. Doch es sei ein Runder Tisch mit den Tierheim-Betreibern geplant, um Schwierigkeiten zu identifizieren und gegebenenfalls die Förderichtlinie anzupassen. Dieses Jahr stünden erneut 250.000 Euro für Bauvorhaben der Tierheime im Land zur Verfügung.

Lübecker Tierheim in Not

Schleswig-Holstein Magazin -

Das Lübecker Tierheim kämpft ums Überleben. Dem Verein droht die Insolvenz, weil viele Tiere länger bleiben, als die Stadt zahlt. Ein weiteres Problem ist das "Animal Hoarding".

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SSW: "97 Prozent der Fördermittel versacken"

Auch der SSW fordert von Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne), die bürokratischen Hürden weiter abzubauen. "Dass ganze 97 Prozent der Fördermittel im Umweltministerium versacken, ist nur schwer erträglich", sagte SSW-Fraktionschef Lars Harms. "Vor allem wenn man bedenkt, dass die Tierheime im Land einen Sanierungsstau von schätzungsweise zwei Millionen Euro vor sich herschieben." Dem SSW zufolge mussten die Tierheime nachweisen, dass sie schon die Kommune und den Kreis um finanzielle Hilfe gebeten haben. Erst dann konnte Geld beim Land beantragt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.01.2020 | 12:00 Uhr

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