Afrikanische Schweinepest: Kontaktbetrieb ist negativ

Stand: 05.07.2022 19:29 Uhr

Aufatmen im Emsland: Nach dem Ausbruch der afrikanischen Schweinepest auf einem Bauernhof im emsländischen Emsbüren sind die Proben von Tieren eines weiteren Betriebs in Freren negativ.

Das hätten vom Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) untersuchte Stichproben ergeben, teilte am Dienstag das Landwirtschaftsministerium in Niedersachsen mit. "Das lässt uns hoffen, dass wir es in Emsbüren mit einem Einzelfall zu tun haben", sagte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast. Laut Agrar-Ministerium müssen dennoch alle 1.800 Mastschweine des Betriebs in Freren getötet werden, weil nicht "mit absoluter Sicherheit" auszuschließen sei, dass es trotz der negativen Proben Infektionen unter den Tieren des Hofes gebe. Der Mastbetrieb im rund 20 Kilometer entfernten Freren war in den Fokus geraten, weil er Ferkel des betroffenen Hofes in Emsbüren geliefert bekommen hatte.

Ministerium ist auf der Suche nach dem Ursprung des Erregers

Woher der Erreger ursprünglich stammt, ist nach Angaben des Ministeriums weiterhin unklar. "Wir haben keine Spur, es wird alles untersucht", so Otte-Kinast weiter. Die Ministerin hat deshalb am Dienstag den "Landeslenkungsstab Tierseuchen" einberufen, in dem neben den zuständigen Behörden auch alle betroffenen Verbände und Unternehmen vertreten sind. Der Landeslenkungsstab dient einerseits dem Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Akteuren auf Landesebene und der Abstimmung überregionaler Maßnahmen zur Eindämmung eines Seuchengeschehens oder seiner Folgewirkungen.

Die Schutzzone besteht weiterhin

Rund um den betroffenen Betrieb in Emsbüren gilt in einem Radius von rund drei Kilometern weiterhin eine sogenannte Schutzzone. Der Umkreis von zehn Kilometern um den Betrieb gilt als Überwachungszone. In beiden Sperrgebieten gelten nach Angaben des Landkreises sowohl Stallpflicht als auch ein Transport- und Beförderungsverbot für Schweine. "Die Tiere, Fleisch und Fleischerzeugnisse sowie ebenfalls Gülle einschließlich Mist und Einstreu dürfen nicht aus einem Bestand in dieser Zone verbracht werden", hieß es. Für die Schutzzone gelten demnach teilweise strengere Regeln.

Auch Grafschaft erlässt Allgemeinverfügung

Veterinäre entnehmen regelmäßig Proben, um möglichen weiteren ASP-Infektionen auf die Spur zu kommen. Betroffen sind davon insgesamt gut 250 Schweinehaltende mit etwa 200.000 Tieren - ein Teil der Betriebe liegt auf dem Gebiet der Grafschaft Bentheim. Die hat am Dienstag ebenfalls eine Allgemeinverfügung herausgeben - mit entsprechenden Maßnahmen zum Schutz ihrer Betriebe.

Verunsicherung bei Schweinehaltern in der Region

Die Schweinehaltenden in der Region hat der Ausbruch erschüttert. Viele seien geschockt und ratlos, was nun auf sie zukomme, sagte Georg Meiners vom emsländischen Landvolk dem NDR in Niedersachsen. Insgesamt herrsche große Unsicherheit. Auch viele Landwirte hoffen, dass es sich um einen Einzelfall handelt - und durch Keulung aller dortigen Schweine das Virus gestoppt werden könne. "Ich rate allen Betrieben, alle Sicherheitsmaßnahmen verstärkt einzuhalten", sagte die Landwirtschaftsministerin. "Die Betriebe wissen, was sie zu tun und wie sie ihre Ställe vor Fremdeinträgen zu schützen haben." Wenn sich alle an die Vorschriften halten, dann hoffe sie, dass es bei diesem einen Betrieb bleibe.

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Halter hatte bei Zuchtsauen Symptome bemerkt

Für die Familie des betroffenen Betriebs war die Bestätigung eines ASP-Falls nach eigenen Angaben ein Schock. Am Sonntag wurden alle 280 Sauen und rund 1.500 Ferkel getötet, ihre Kadaver sollten vernichtet werden. Der Halter hatte vergangene Woche bei Zuchtsauen Symptome festgestellt und deshalb den Hoftierarzt gerufen. Dieser habe wegen des Verdachts auf die Afrikanische Schweinepest Proben an das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) gesandt, das den Verdacht bestätigte. Am Sonnabendmorgen hat das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) den Befund verifiziert.

Branche hofft auf Impfung, Verbände fordern Ende der Massentierhaltung

Auch der Agrarwirtschaftsverein AEF hofft, dass der Ausbruch im Emsland ein Einzelfall bleibt und appelliert an die Politik, einen Impfstoff gegen die Afrikanische Schweinepest bereitzustellen. Die Umweltorganisation Greenpeace und der Tierschutzbund hingegen fordern ein Umdenken in der Tierhaltung. Das zugrunde liegende Problem ist ihrer Ansicht nach die hohe Tierdichte in der Region. Infektionen seien dort nicht beherrschbar.

ASP erstmals 2020 in Deutschland nachgewiesen

Der erste Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland war am 10. September 2020 bestätigt worden - bei einem Wildschwein in Brandenburg. Seitdem stellte man Ausbrüche in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen fest. Mitte Juli vergangenen Jahres hatte die Schweinepest hierzulande erstmals auch auf Hausschweine in Nutzbeständen übergegriffen - wieder in Brandenburg.

Keine Impfung oder Heilung für Schweine

ASP ist eine ansteckende Viruserkrankung bei Haus- und Wildschweinen, die fast immer tödlich verläuft und unheilbar ist. Es gibt bisher keine Möglichkeit, die Schweine durch eine vorbeugende Impfung zu schützen. Die Erkrankung kann direkt von Tier zu Tier oder indirekt über kontaminierte Gegenstände wie Kleidung und Schuhe sowie Futter in andere Gebiete durch den Menschen übertragen werden. Für Menschen und andere Tierarten ist die Afrikanische Schweinepest harmlos.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 05.07.2022 | 15:00 Uhr

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