Neues Rettungspaket: TUI bekommt fast zwei Milliarden Euro

Stand: 02.12.2020 17:38 Uhr

Die weltgrößte Reiseanbieter TUI bekommt weitere Staatshilfen gegen einen möglichen finanziellen Absturz in der Corona-Krise. Das Unternehmen war bereits mit zwei Hilfspaketen gestützt worden.

Der Konzern aus Hannover einigte sich nach eigenen Angaben mit privaten Investoren, Banken und dem Bund auf ein Finanzierungspaket im Volumen von 1,8 Milliarden Euro. Die Tourismusbranche ist neben Luftverkehr und Gastronomie besonders stark vom Nachfragerückgang in der Corona-Pandemie betroffen.

"Steigende Infektionszahlen machen Paket notwendig"

Auf einem Gebäude ist die Silhouette des Logos der TUI Group vor wolkenverhangenem Himmel zu sehen. © dpa - Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
Der Reisekonzern TUI bekommt weitere staatliche Hilfen. (Themenbild)

Das Finanzierungspaket stärke die Position der TUI und stelle ihr eine ausreichende Liquiditätsreserve zur Verfügung, hieß es. Diese gleiche auch die bis zum Beginn der Sommersaison 2021 angenommenen Reisebeschränkungen aus. Das Paket sei notwendig geworden aufgrund der zunehmenden Reisebeschränkungen durch wieder ansteigende Infektionszahlen und ein damit verbundenes kurzfristigeres Buchungsverhalten vieler Kunden.

Kapitalerhöhung und stille Einlagen

Laut TUI sieht das Paket konkret eine Kapitalerhöhung über rund 500 Millionen Euro vor, die von privaten Investoren geschultert wird. Daneben geht es um eine in Aktien der TUI wandelbare stille Einlage des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in Höhe von 420 Millionen Euro sowie um eine nicht wandelbare stille Einlage des WSF in Höhe von 280 Millionen Euro. Hinsichtlich der jetzt erzielten Einigung über die stillen Einlagen bei der TUI muss die EU-Kommission noch prüfen, ob es sich um eine zulässige staatliche Hilfe handelt. Weiter geht es laut TUI um eine Staatsgarantie über 400 Millionen Euro oder alternativ eine entsprechende Erhöhung der nicht wandelbaren stillen Einlage des WSF sowie eine zusätzliche Kreditlinie der Staatsbank KfW über 200 Millionen Euro. Eine bestehende Kreditlinie der KfW wird bis Juli 2022 verlängert. Die stillen Einlagen durch den WSF seien mit weiteren Einschränkungen verbunden, unter anderem hinsichtlich Investitionen in andere Unternehmen, solange der WSF investiert bleibe.

Unternehmen werden gestützt

Vorausgegangen waren Verhandlungen mit der Bundesregierung. Zwei vom WSF benannte Personen sollen Mitglieder des Aufsichtsrats der TUI werden. Der staatliche WSF dient der Stabilisierung der Wirtschaft in Folge der Pandemie. Er stellt Unternehmen Stabilisierungsmaßnahmen zur Stärkung ihrer Kapitalbasis und zur Überwindung von Liquiditätsengpässen bereit. So hatte die Politik bereits ein milliardenschweres Rettungspaket für die Lufthansa beschlossen.

TUI-Chef optimistisch für Nach-Pandemie-Zeit

"Die TUI war vor der Pandemie ein kerngesundes Unternehmen", sagte der TUI-Vorstandschef Fritz Joussen. Der Markt sei intakt, die Nachfrage vorhanden. Aber das Unternehmen könne seit März keine nennenswerten Umsätze erwirtschaften. "Unser integriertes Geschäftsmodell erlaubt es uns, sehr flexibel auf kurzfristige Änderungen der Pandemie-Lage zu reagieren, so wie wir das Reiseprogramm im Juli nach der ersten Welle für einige Wochen erfolgreich wieder hochgefahren haben. Die Menschen wollen reisen, der Tourismus bleibt eine Wachstumsindustrie und ein wichtiger Wirtschaftszweig zur Stabilisierung des südlichen Euro-Raums", so Joussen. Das Finanzpaket schaffe die Sicherheit, den Blick konsequent nach vorn zu richten und den Konzern strategisch und strukturell auf die Zeit nach der Pandemie vorzubereiten. Mit den Maßnahmen sichere der Konzern die Liquidität für den Fall einer weiter anhaltenden Pandemie im kommenden Jahr.

Bund hilft mit Milliarden

TUI war im Frühjahr als erstes deutsches Großunternehmen von der staatlichen Förderbank KfW mit einem Darlehen über 1,8 Milliarden Euro unterstützt worden. Neben Lufthansa und TUI wird auch der Reise-Konkurrent FTI öffentlich gestützt. Ende September waren für TUI 1,2 Milliarden Euro in Form einer zweiten Kreditlinie sowie einer Anleihe hinzugekommen, die der Bund auch in eigene Anteile bei den Hannoveranern umwandeln kann. Nun wurden Verhandlungen über eine dritte Hilfstranche beendet.

Weitere Informationen
Arbeiter bauen in einem Boeing Werk in den USA eine Boeing 737 Max 8 für die TUI Reisegesellschaft. © dpa-Bildfunk/AP Foto: Ted S. Warren

Verhandelt die TUI zum dritten Mal über Staatshilfen?

Der Reisekonzern aus Hannover soll aktuell mit dem Bundeswirtschaftsministerium über Finanzhilfen sprechen. (10.11.2020) mehr

Mehrere Flugzeuge der Tuifly stehen am Flughafen in Hannover auf dem Rollfeld. © picture alliance Foto: Julian Stratenschulte

Reisekonzern TUI verkleinert sein Urlaubsangebot für 2021

Das Unternehmen aus Hannover kann so eigenen Angaben zufolge profitabel arbeiten. 2022 erwartet TUI "normale Buchungen". (01.10.2020) mehr

Ein Flugzeug der Tuifly startet am Flughafen in Hannover. © picture alliance Foto: Julian Stratenschulte

Trotz Reisewarnung: TUI fliegt Kanaren wieder an

Trotz einer Reisewarnung der Bunderegierung will die TUI ab dem 3. Oktober wieder Touristen auf die Kanaren fliegen. Der Konzern betont, dass die Warnung kein Verbot sei. (28.09.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.12.2020 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Schüler mit Maske in einem Klassenraum bei der Bearbeitung einer Aufgabe. Im Vordergrund ein Etui. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich

Für Niedersachsens Grundschüler ist wieder Präsenzunterricht

Heute kehren sie im Wechselmodell in die Klassen zurück. Die Infektionslage lasse dies zu, so das Land. mehr

Ein Mädchen sitzt am häuslichen Esstisch und erledigt seine Hausaufgaben mithilfe eines Tablet PC. © Imago Images Foto: Fotostand

Digitalpakt: Zu viel Bürokratie, zu wenig Verlässlichkeit?

Seit einem Jahr wird das Bundesprogramm auch in Niedersachsen genutzt. Die Zwischenbilanz fällt durchwachsen aus. mehr

Illegal entsorgte Autoreifen liegen in einem Waldstück an der Bundesstraße 71 bei Oerrel. © dpa-Bildfunk Foto: Philipp Schulz

Immer mehr Anzeigen wegen illegaler Müllentsorgung

Obwohl die Recyclinghöfe während dieses Lockdown geöffnet sind, entsorgen viele Menschen ihren Müll in der Natur. mehr

Aufgrund der Corona-Pandemie ist der Zoo Osnabrück für Besucher derzeit gesperrt. © picture alliance/dpa Foto: Friso Gentsch

Zoos und Tierparks hoffen auf Wiedereröffnung zu Ostern

Ansonsten könnte die Lage für einige Einrichtungen finanziell schwierig werden. Denn die Kosten laufen weiter. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen